40 Jahre – eine Million Kilometer

  • Weitere
    schließen
+
Annerose Richter war die beliebte Chefin im Schulbus – auch wenn sie für die wildesten Mädels oder Bengel manchmal Strafarbeiten verteilte.

Seit 40 Jahren ist Annerose Richter als Busfahrerin im Schwäbischen Wald unterwegs. Sie berichtet über die schöne und spannende Arbeit.

Durlangen

Als Rose Richter vor vier Jahrzehnten entschied, sich hinter das Steuer eines Omnibusses zu setzen, galt die Durlangerin nahezu als Exotin. Sie sei eine der ersten weiblichen Busfahrerinnen gewesen, erinnert sie sich. An ihrem 23. Geburtstag hat Rose Richter ihre erste Alleinfahrt absolviert. Richters „Tagesgeschäft“ bei Omnibus Schuster und später bei der „OK.go“ waren der Schülertransport und Tagesfahrten mit Ausflüglern. Die Schülertransporte seien stets eine Herausforderung gewesen, sagt sie, aber „sie haben mir immer Spaß gemacht“.

Klar habe es auch immer wieder „kleine Quertreiber“ gegeben. Doch wer täglich dieselben Fahrgäste transportiere, „kennt man seine Pappenheimer“. Kleinere Streitereien im Bus mussten geschlichtet werden, dazu gehörte auch manchmal die Versetzung der Streithähne auf verschiedene Sitzbänke. „Den größten Streithahn habe ich zum Aufpasser erklärt“, verrät Richter ihre Taktik. Ein System, das all die Jahre sehr gut funktioniert habe. In ihrem Bus war Rose Richter der „Chef“. Wichtig sei es gewesen, den Kids immer ganz klar Grenzen zu setzen. Manchmal waren dazu auch „klare Ansagen“ erforderlich. Wenn’s gar nicht anders ging, griff die Busfahrerin auch hin und wieder zu anderen Mitteln. „Dann wurde eine Strafarbeit aufgegeben“, berichtet sie lachend. Die zu leistende „Buße“ wurde dann aber auch immer von ihr kontrolliert. Dank des guten Drahts zu den Kindern und deren Eltern, konnte Richter „ihre Spielregeln“ durchsetzen. Höflichkeit und Respekt gegenüber allen wurden immer eingefordert. Dazu gehörte das Grüßen beim Einstieg oder Verlassen des Busses. Die Eltern durften all die Jahre ein gutes Gefühl haben, wenn sie ihre Kinder Rose Richter anvertrauten.

Vom Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) konnte Rose Richter jährlich eine Auszeichnung für unfallfreies Fahren entgegennehmen. Ständige Schulungen und Sicherheitstrainings sorgten für „allzeit gute Fahrt“. Manchmal gehörte aber auch eine Portion Fantasie zur sicheren Teilnahme im Straßenverkehr. Richter erinnert sich an die strengen Winter in den 1980er-Jahren. Frühmorgens waren die Straßen im „Hinterland“ oft noch nicht geräumt. Es habe genügend Situationen gegeben, in denen sie sich die Straße mit dem als Gewicht zugeladenen Auftausalz selbst frei streute.

Ihre letzte Schultour mit Chef Frank Schuster am Steuer endete sehr emotional. Sie werde „ihre Kinder“ vermissen, bekennt Rose Richter und denkt dabei auch an den „Kindi-Bus“ von Pfersbach nach Mutlangen. Etliche der „kleinen Knöpfe“ mussten von ihr in den Bus gehoben werden, weil sie mit ihren kleinen Beinen den Einstieg nicht allein meistern konnten.

Ich kenne meine Pappenheimer.“

Rose Richter,, Busfahrerin

Zurück zur Übersicht: Durlangen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL