Brennen tut gut – Der Star in der Kräuterküche

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Gewusst wie: Kräuterpädagogin Bärbel Kenner aus Durlangen hat keine Angst davor, die Brennnessel zu berühren.
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Die Brennnessel ist so lecker und reich an gesunden Inhaltsstoffen, dass sie sich vor Fressfeinden schützen muss.

Durlangen

Wer hat Angst vor der Brennnessel? Kräuterpädagogin Bärbel Kenner aus Durlangen bestimmt nicht. „Sie ist eine meiner Lieblingspflanzen und weil ich sie so mag, mag sie mich“, lacht die 58-Jährige. Sie weiß aber auch, wie sie sich der Urtica dioca – so heißt die Pflanze botanisch – nähern muss: einfach beherzt und feste von unten nach oben zugreifen.

Das ist der Trick. Denn Fressfeinde, gegen die sich die Pflanze mit ihren Brennhaaren, die wie Kanülen Gift spritzen, wehrt, würden sich von oben oder der Seite her nähern. Solche Fressfeinde wissen, was gut ist: Die leckere und gesunde Brennnessel ist nicht umsonst der Star in der Wildkräuterküche.

„Wen die Brennnessel in seinem Garten stört, der soll sie einfach aufessen“, sagt Bärbel Kenner. In ihrer Streuobstwiese am Rand von Durlangen, wo Bärbel Kenners Kräuterführungen starten und enden, wo sie in Workshops Wildkräutersuppe über offenem Feuer oder Stockbrot mit Schafgarbenbutter zubereitet, wächst die Brennnessel rund um den Kompost. Kein Wunder: Die Pflanze liebt nährstoffreichen Boden und weist auf Stickstoff im Boden hin.

Die Brennnessel selbst steckt voller bester Inhaltsstoffe: Jede Menge Eiweiß, dazu die Mineralstoffe Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Silicium, die Vitamine A und C, Kieselsäure und, und, und.

Brennnesseltee, -saft oder -tinktur werden gegen Gelenkbeschwerden eingenommen oder um Stoffwechsel und Verdauung in Schwung zu bringen. In der Kosmetik kommt sie in Cremes und Shampoos zum Einsatz. Aus ihren Fasern wurden einst Nesselstoff-Textilien gefertigt. Die sattgrünen Blätter liefern der Lebensmittelindustrie und Pflanzenmalern Farbstoff. Brennnesseljauche, mit Wasser angesetzt, gilt als hervorragender Naturdünger.

In der Küche ist die Brennnessel ein Tausendsassa. Die Brennwirkung verliert sich schnell, wenn man die Blätter erst wäscht und dann mit dem Nudelholz bearbeitet - aber auch beim Trocknen. Frische Brennnesselblätter lassen sich wie Spinat zubereiten oder unter den Salat mischen. Lecker sind sie auch in Smoothies oder Brennnessel-Kartoffelsuppe, im Strudel, im Pesto mit Haferflocken, zu Pasta und Risotto, in Knödeln und Spätzle oder auch fritiert.

Übrigens gibt es bei den Brennnesseln Damen und Herren – weibliche und männliche Pflanzen. Die stehen oft jeweils in größeren Gruppen zusammen, weil sich die Brennnessel außer durch Samen auch durch unterirdische Ausläufer vermehrt. Beide sind gut zu unterscheiden: Bei den männlichen Pflanzen stehen die helleren Blütenrispen mit kugeligen Blüten zur Seite ab. Die Rispen der weiblichen Pflanzen sind eher gräulich und hängen stark nach unten.

Nur die weiblichen Pflanzen bekommen Früchte, die Nüsschen, manchmal auch Samen genannt: „Das ist unser heimisches Superfood“, sagt Bärbel Kenner. In der Tat enthalten die bis zu stecknadelgroßen Nüsschen viel Energie besonders gesunde Fettsäuren. Sie sind wie Sesam einsetzbar. Wer möchte, brät die ganzen Rispen in Butter an. Bärbel Kenner setzt mit den Brennnesselsamen, Korn und Kandiszucker gerne auch einen Likör an.

Übrigens: Falls die Brennnessel doch brennt und sticht – halb so wild. Das Nesselgift soll die Durchblutung fördern und gegen Rheuma und Gicht helfen. Man muss es ja nicht gleich wie Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp machen, der empfahl, sich selbst mit Brennnesseln auspeitschen...

Kochen mit der Brennnessel

"Wildkräuter erkennen, fühlen, riechen, schmecken" heißt das Buch, das Bärbel Kenner im  September 2021 herausgegeben hat. Darin erzählt sie alles rund um die Heilkräuter, ihre Erkennungsmerkmalse ihre Heilwirkung und ihre Geschichte. Herzstück sind die Rezepte: "Mir ist es wichtig, dass Zutaten verwendet werden, die jeder daheim hat", sagt die Kräuterpädagogin: "Das regt mich immer schon auf, wenn man mit dem Kochbuch gleich in den Feinkostladen muss." Darin ist auch das Rezept für Brennnesselschnecken zu finden:

Für den Quark-Ölteig: 150 g Quark, 5 EL Milch, 6 EL Öl, 1 TL Salz, 300 g Mehl, 1 Pck Backpulver

Für die Füllung: 2-3 Handvoll Brennnesselblätter, 1 Ei, 200 g Schmand, 100 g geriebener Käse, Salz, Pfeffer

Alle Zutaten für den Teig in eine Rührschüssel geben, mit dem Knethaken ca. 5 min. kneten. Danach eine Kugel formen. Kurz ruhen lassen. In der Zwischenzeit die Füllung zubereiten.

Brennnesselblätter in eine Gefriertüte geben, mit dem Wellholz ein paarmal darüber wellen, um die Brennhaare außer Gefecht zu setzen. Brennnesseln nun klein schneiden, mit Schmand, Ei und geriebenem Käse verrühren und die Masse mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Teig nun zu einer rechteckigen Platte auswellen und mit der Füllung bestreichen, dann die Teigplatte von der kurzen Seite her aufrollen und in Scheiben schneiden. Die Schnecken auf ein gefettetes oder mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und im vorgeheizten Backofen bei 180 °C ca. 25 Minuten backen.

Brennnesselschnecken
Die männliche Brennnesselpflanze.
Die weibliche Brennnesselpflanze.

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