Das Liebeskraut für Mann und Frau

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Auch in einer finnischen Pulla schmeckt der Frauenmantel lecker.
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Die diplomierte Kräuterexpertin Bärbel Kenner verrät, warum sie den Frauenmantel zu ihren Lieblingskräutern zählt und was man daraus zaubern kann.

Durlangen

Der Frauenmantel ist eine der wichtigsten Heilpflanzen in der Frauenheilkunde und eine meiner Lieblingspflanzen, da sie so unscheinbar auf der Wiese wächst und dabei eine so wichtige und wertvolle Heilpflanze ist“, sagt die ausgebildete Kräuterexpertin Bärbel Kenner aus Durlangen. Die Blätter selbst erinnerten an einen gefalteten Mantel oder Umhang, da sie am Stiel zusammenlaufen und am äußeren Rand gezahnt sind. An den Blatträndern befinden sich winzige Drüsen, an denen die Pflanze am Morgen überschüssiges Wasser ausscheide. Dieses sitze dann entweder als Tropfen am Blattrand oder sammelt sich in der Mitte des trichterförmigen Blattes.

„Die Bezeichnung Frauenmantel kann sich sowohl auf die Gestalt des Blattes beziehen, die einem Frauenmantel gleicht, als auch auf die Verwendung als Frauenkraut, dass der Frau, wie ein Mantel, Schutz verleiht“, sagt Bärbel Kenner. Verwendet werde das Heilkraut bei Magen-Darm-Beschwerden, Menstruationsstörungen, zur Blutreinigung und zur Wundheilung.

In der Frauenheilkunde sei der Frauenmantel ein echter Allrounder. Er wird als Tee getrunken, in Sitzbädern verwendet und für Vaginalspülungen genutzt. Frauenmantel wirke ausgleichend und regulierend auf den gesamten weiblichen Organismus, was vielleicht daher kommt, dass er Inhaltsstoffe besitzt, welche dem weiblichen Sexualhormon Progesteron ähneln.

Aber nicht nur für Frauen ist diese Pflanze ein gutes Liebeskraut, welches die Unterleibsorgane stärkt. Auf Männer wirke der Frauenmantel potenzsteigernd und könne zu diesem Zeck einfach als Tee getrunken werden.

Äußerlich dient die Pflanze in der Volksheilkunde als Wundmittel und Mundwasser. In der Homöopathie nutzt man Frauenmantel bei Krämpfen im Unterleib. Das Kraut war auch Hildegard von Bingen wohlbekannt, die es vorzugsweise bei typischen Frauenleiden einsetzte. Die entzündungshemmende Wirkung wird im Übrigen auf die hohen Anteile von Gerbstoffen in der Pflanze zurückgeführt.

Der Frauenmantel ist wahrlich eine „Zauberpflanze“, sagt Bärbel Kenner mit Blick auf die Wasserperlen, welche die Pflanze morgens „ausschwitzt“. Die Alchimisten nannte dies das geheimnisvolle Himmelswasser und sammelten diese Tropfen, da sie um deren besondere Kräfte wussten. Einer Sage nach kann man mit dem Himmelswasser zum Stein der Weisen gelangen oder aber mit seiner Hilfe Blei zu Gold machen.

Zurück zum Profanen: Frauenmantel hat einen leicht bitteren, säuerlichen aber angenehmen Geschmack. In der Küche wird der nur sehr selten verwendet. Ab und an findet man Frauenmantelblätter in Wildkräutersalaten oder Wildkräutersuppen. Für Suppen und Salate sollten stets nur die frischen Blätter verwendet werden. Die Blätter können auch in Rouladen eingearbeitet oder wie Weinblätter mit Reis gefüllt gedünstet werden. Trockene Blätter haben ein sehr strenges Aroma. Am besten eignen sich für den Verzehr die jungen Blätter in den Frühjahrsmonaten.

Das Kraut wird außerdem manchmal für Erfrischungsgetränke genutzt. Obstsäfte wie Apfel-, Birnen- oder Kirschensaft können mit kaltem Frauenmantelwasser vermischt werden. Dabei wird Frauenmantelkraut zunächst gekocht und anschließend gekühlt.

Drei Rezepte hat Bärbel Kenner zum Frauenmantel ausgesucht: Die Frauenmanteltinktur hilfreich bei Wechseljahresbeschwerden:

Zutaten: 40 g frische, gesäuberte Wurzel sowie 10 g frische Blätter und eventuell Blüten vom Frauenmantel sowie, Alkohol mindestens 40 % vol.

Zubereitung: Wurzeln und Blätter fein schneiden, in ein Schraubglas geben, mit dem Alkohol auffüllen, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind. Mindestens 4 Wochen kühl und dunkel aufbewahren, zwischendurch immer wieder mal schütteln. Nach den 4 Wochen abgießen und in einer dunklen Flasche aufbewahren.

Eine besondere Grillmarinade für Fleisch:

Zutaten: 20 Blatt Frauenmantel, 2 EL Schnittlauchblüten, 1 EL Thymian, 1 Prise Pfeffer, 5 EL Rapsöl, 3 TL Senf, 2 TL Salz.

Zubereitung: Alle Gewürze mischen, eine Stunde ziehen lassen und dann das Fleisch damit marinieren.

Eine finnische Pulla mit Frauenmantel:

Zutaten für den Hefeteig: 500 g Mehl, 100 g Zucker, 50 g Butter, ein halber Würfel Hefe (20g), 1 Prise Salz, 200 ml lauwarme Milch; für die Füllung: 2 Handvoll Frauenmantelblätter, 100 g gemahlene Haselnüsse, 50 g Zucker, 1 Eßl. Zitronensaft, 1 Eßl. Milch, 1 Ei sowie ein Ei zum Bestreichen.

Zubereitung: Für den Hefeteig alle Zutaten verkneten, anschließend mindestens eine halbe Stunde gehen lassen. Die Frauenmantelblätter klein hacken, mit den anderen Zutaten der Füllung vermischen. Nun den Teig zu einer rechteckigen Platte auswellen, mit der Füllung bestreichen und der Länge nach aufwickeln. Die Rolle dann in etwa 5 cm lange Stücke schneiden. Diese auf ein Backblech setzen und mit einem Kochlöffel in der Mitte eine Vertiefung eindrücken. Nochmals etwa 10 Minuten gehen lassen, mit einem verquirlten Ei bestreichen und bei 180 Grad etwa 15 Minuten backen.

Das Käuterwissen gibt es auch als Buch

Bärbel Kenner hat eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin BNE abgeschlossen, bietet Kräuterführungen, Kurse und Gewürzmischungen an. Ihren reichen Erfahrungsschatz hat sie in dem Buch „Heimische Wildkräuter erkennen, fühlen, riechen und schmecken“ zusammengefasst. Bärbel Kenner lebt mit ihrer Familie in Durlangen, wo sie vielfach ehrenamtlich engagiert ist. Mehr Info gibt es unter www.kraeuter-kenner.de

Seine gesundmachende Wirkung kann der Frauenmantel als Tinktur entfalten.
Bärbel Kenner hat ihr mannigfaltiges Kräuterwissen in einem Buch zusammengefasst.
Besonders attraktiv ist der Frauenmantel morgens, wenn die Blätter "Himmelswasser" ausschwitzen.

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