Diese Zutat gefällt dem Donnergott

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Günsel-Hanfbratlinge aus der Pfanne.
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Warum der Kriechende Günsel auch heute noch ein wichtiges Kraut sein sollte und wie man Leckeres damit zaubert.

Durlangen.

Er war einmal „ein wichtiges Kraut“, sagt Bärbel Kenner, wenn sie auf den Günsel zu sprechen kommt. Zu Zeiten der Germanen seien die Menschen sogar davon überzeugt gewesen, dass mit schwerem Gewitter bestraft wurde, wer die blau-violett blühende Pflanze achtlos ausgerissen hat. „Denn alles Blaue war dem Donnergott Thor geweiht“, erklärt die Kräuterexpertin diesen Aberglauben, und der habe bei grundlosem Diebstahl seinen Hammer Mölnir geschwungen.

Doch hatten die Menschen zu allen Zeiten gute Gründe, mit dem Günsel sorgsam umzugehen. Denn er hat wertvollen Inhalt zu bieten: Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle und Vitamin C. „Günsel wirkt schmerzstillen und entspannend, er unterstützt die Leber, hilft bei Magenproblemen und bewirkt, am Abend als Tee getrunken, bei Schlafstörungen wahre Wunder“, sagt Bärbel Kenner. Hildegard von Bingen empfahl den Günsel zur Wundheilung und als Mittel gegen Bluthochdruck. Auch gegen Quetschungen und Prellungen, bei Wunden und Ekzemen oder auch zur Behandlung von Narben kann das Kraut eingesetzt werden.

Und schließlich - warum er an dieser Stelle beschrieben wird, als Gewürz. „Im Frühjahr und Sommer werden sowohl die Blätter als auch die Blüten in der Küche verarbeitet“, sagt Bärbel Kenner. Günsel könne entweder frisch oder getrocknet in Salaten, Suppen, Eintöpfen oder Aufläufen verwendet werden - sparsam allerdings, „denn etwas bitter schmeckt er schon“. Die Blüten dagegen seien mild und leicht süßlich, weshalb sie sehr gut zu Süßspeisen wie Obstquark oder Joghurt passten. Oder in Wildkräutersmoothies.

Zwei leckere Rezeptvorschläge zur Zubereitung hat sie auch mitgebracht.

Bärbel Kenner ist auf der schwäbischen Alb aufgewachsen und lebt heute mit ihrer Familie in Durlangen. Sie hat ihre Leidenschaft für die Natur mittlerweile zur Profession ausgebaut und eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin BNE abgeschlossen. Sie gibt als Durlanger „Kräuterhexe“ Seminare, schreibt Bücher, stellt Gewürzmischungen zusammen.

Das Kraut ist leicht bitter, die Blüte süß.

Bärbel Kenner, , Kräuterexpertin
  • Steaks mit Günselsoße und Günsel-Hanfbratlinge
  • Günselsoße Zutaten: Vier Schweinesteaks, 40 g Butter, 1 Zwiebel, 3 Frühlingszwiebeln, 40 g Mehl, eine Handvoll Günselblätter und Günselblüten, 1 Ecke Streichkäse, 500 ml Wasser, Kräutersalz
  • Vorbereitung: Die Steaks würzen und in eine Auflaufform legen. Die Zwiebel in Würfel schneiden, Frühlingszwiebel in Ringe schneiden, Günsel klein schneiden.
  • Zubereitung Die Zwiebel in Butter andünsten, Frühlingszwiebeln zugeben, mitdünsten, mit Mehl bestäuben, anschwitzen und anschließend mit dem Wasser ablöschen. Aufkochen lassen, den Günsel und den Streichkäse zur Soße geben. Die Soße über die Steaks gießen und im Backofen 40 Minuten bei 180° überbacken. Dazu Reis oder Nudeln und grünen Salt servieren.
  • Günselbratlinge Zutaten: Eine Handvoll Günselblätter und evtl. Blüten, 100 g Hanfsamen, 80 g geriebene Haselnüsse, 50 g geriebener Käse, 1 Ei, 75 g Semmelbrösel, 1 kleine Karotte, Kräutersalz, Öl
  • Vorbereitung: Die Blätter vom Günsel klein schneiden, die Karotte fein raspeln, alle Zutaten vermischen. Die Mischung mindestens 15 Minuten ziehen lassen.
  • Zubereitung: In einer Pfanne das Öl erhitzen, aus dem Teig kleine Bratlinge formen und diese im Öl auf beiden Seiten braun anbraten.
Eine Soße, in der selbst gesammelter Günsel für die besondere Geschmacksnote sorgt, ist eine außergewöhnliche Zutt zum Grillsteak.
Der Kriechende Günsel (Ajuga reptans) ist auf der Wiese leicht erkennbar, da er in Gruppen wächst. Er blüht im Frühjahr und Sommer, die Blätter sind das ganze Jahr über grün.

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