Im Schutzanzug zum süßen Stoff

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Geschafft: Die Honigrahmen sitzen in der Schleuder und Kim Rohrbach steht kurz vor ihrer ersten Honigproduktion.

So ein leckeres Honigbrot zum Frühstück hat schon etwas Verführerisches an sich. Bis die goldgelbe Köstlichkeit im Glas ist, ist allerdings viel Aufwand erforderlich.

Durlangen-Zimmerbach

Vor zwei Jahren hat Kim Rohrbach aus Zimmerbach das Hobby des Imkerns für sich entdeckt. Die Arbeit mit den Tieren und die Vorfreude auf selbstgeernteten Honig waren zwei der Beweggründe, für das sich steigender Beliebtheit erfreuende Hobby. Ein gefangener Schwarm eines befreundeten Imkers setzte den Grundstein für Kims Hobby.

Im vergangenen Jahr stand für die Jungimkerin aufgrund des kalten und nassen Frühjahres keine Honigernte ins Haus. Dieses Jahr sieht es schon viel besser aus, denn ein Blick in die "Beute", den Bienenstock freut die Jungimkerin Kim, ihre "kleinen Freundinnen" waren über das Frühjahr fleißig und haben ihre Fracht in den Honigrahmen abgeladen. Für Kim steht ihre erste Honigernte als Jungimkerin an. Für die aufwändige Tätigkeit wird Hilfspersonal benötigt, Honiggläser müssen beschafft und sterilisiert werden, beim Imkerverein Frickenhofer Höhe wird eine Honigschleuder ausgeliehen. Zu ihren regelmäßigen Kontrollgängen zu den Bienenstöcken sei eine Schutzausrüstung mit Imkeranzug und Handschuhen nicht erforderlich, erklärt die 24-jährige, "man muss ruhig an die Bienen herangehen, dann bleiben die auch friedlich". Zur Ernte schützt sich die Zimmerbacherin dann aber doch mit dem entsprechenden Equipment, denn "die Bienen werden sich über den Raub ihrer Tracht nicht sehr freuen".

30 Stundenkilometer

Die Bienenkörbe sind erreicht, der Deckel lässt sich nur mit einem Stockmeisel öffnen. "Alles voller Honig", freut sich die Imkerin. Auf den sonst zum Einsatz kommenden Smoker, zum "Rauch in die Bude bringen", verzichtet die Tierfreundin, der Rauch bedeutet für die Tiere Gefahr und veranlasst sie, sich im Bienenstock mit der gemeinschaftlichen Vorbereitung zur Flucht durch Füllen ihrer Honigmägen zu treffen. Vorsichtig wird Honigrahmen um Honigrahmen aus dem Stock geholt. Derweil wird das Gesumme und Gebrumme immer lauter, von allen Seiten kommen die Tiere angeflogen. Die Fachfrau: "Am Summton erkennt man die Gefühlslage der Bienen, ein hohes Summen bedeutet Alarm". Noch seien die Bienen relativ friedlich, die zur Hilfskraft auserkorene Beobachterin nimmt trotzdem ihre Position etwas abseits ein. "Davonrennen kann man den Bienen nicht", lacht die Imkerin, Bienen können immerhin bis zu 30 Stundenkilometer schnell fliegen. Vorsichtig wischt Kim mit einer feinen Bürste die Tiere von den Honigrahmen, es sollen möglichst keine Tiere verletzt werden. Die vollen Rahmen kommen in eine Wanne, die zuvor abgekehrten Tiere freuen sich über ihre neue Nahrungsquelle in der Wanne und besetzen die Rahmen sofort wieder.

Man muss ruhig an die Bienen herangehen, dann bleiben sie auch friedlich.

Kim Rohrbach, Imkerin

Für Kim und die auserkorene Helferin stellt sich jetzt die Frage des Transports der vollen Wanne mitsamt der hartnäckigen Brummer. "Ich pack' sie ins Auto", meint Kim kurzentschlossen, während die Helferin den Heimweg lieber zu Fuß antritt. Vor dem Haus wird ausgeladen, die Bienen werden nochmals abgekehrt dann müssen die Honigrahmen schnell ins Haus, "der Honig darf nicht zu kalt werden, sonst lässt er sich schlecht aus den Rahmen schleudern. Etwas Honig tropft auf die Haustreppen, für die mitgebrachten "blinden Passagiere" ein echtes Schlaraffenland, "einen Wachhund benötigen wir jetzt nicht", lacht Kim angesichts des Wirrens und Schwirrens vor dem Haus.

Die erste Produktion

Im Keller geht es jetzt an die Produktion des ersten eigenen Honigs. Vorsichtig werden die Honigrahmen "entdeckelt", dabei wird die frische Wachsschicht von den Honigwaben mit einer Entdeckelungsgabel entfernt. Die klebrige Angelegenheit wandert in die Honigschleuder, die Zentrifugalkraft des Geräts drückt den Honig aus den Waben. Fertig – alle Honigrahmen sind geleert, über einen Abflusshahn rinnt die goldgelbe Köstlichkeit durch zwei Siebe in einen gereinigten Eimer, jetzt ist der Honig von allen Unreinheiten befreit und kann in Gläser abgefüllt werden. Stolz präsentiert die Imkerin 22 Gläser, entsprechend elf Kilogramm, feinsten "Zimmerbacher Frühlingswiesenhonig". "Die Herangehensweise des Erntens muss wohl noch etwas optimiert werden", grinst Kim und nimmt sich vor, einmal einem geübten Imker beim Honigernten über die Schultern zu blicken.

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