Kindliches Entsetzen am Müllbeet

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Es war ein tolles Erlebnis für die Müllpaten, als der GOA-Lkw zu Besuch kam.
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Durlangen

Ganz spontan ist dieses Experiment entstanden. Aber es hat riesigen Eindruck gemacht. Monika Eberle und Andrea Tonhäuser wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen mit dem Erzählen. Und entscheiden sich dann für: der Reihe nach.

„Wir sind schon immer achtsam mit den Abfällen umgegangen hier im Kindergarten“, blickt Andrea Tonhäuser also zurück: „Die Kinder haben gelernt, nichts wegzuwerfen - zumindest nicht auf den Boden.“ Und wenn die Gruppen unterwegs sind, ist oberstes Gebot, dass alles wieder mit heim genommen wird. Bonbonpapierchen ebenso wie Tetrapaks oder Joghurtbecher.

Falls Letzteres überhaupt verwendet werde, dann inzwischen ohnehin höchstens noch zum Basteln, ergänzt Monika Eberle. Wiederverwerten und Müllvermeiden sind in allen Gruppen wichtige Themen. Und irgendwann hat die engagierte Erzieherin dann auch angefangen, mit den großen Kindern, „den Fliegern“, fremden Müll aufzusammeln. „Selbstverständlich haben wir dabei Handschuhe an. Die haben die Kinder inzwischen sogar immer dabei“, betont sie. Und die Kaugummis habe man auch nicht aufgehoben, nur gezählt. Die waren viel zu festgetreten.

Höchst erstaunt seien die Mädchen und Jungs gewesen, was sie so alles an den Rändern ihrer Laufwege oder im Wald gefunden haben. Plastikplanen, Flaschen, Becher, tausende Zigarettenkippen. Tütenweise habe man den Unrat anfangs mit zurückgebracht, erinnert sich Monika Eberle. Inzwischen könne man allerdings in der Gemeinde erkennen, auf welchen Wegen die Antoniuskinder unterwegs sind: Da liege ganz, ganz selten etwas, erzählt die Erzieherin stolz.

Was aber tun mit dem gigantischen Müllberg? Beim Sortieren ist Monika Eberle dann die Idee gekommen: Sie hat mit den Kindern ein Müllbeet angelegt. Den Unrat eingegraben und feinsäuberlich mit Täfelchen markiert, was da so unter der Erde schlummert. Genau so, wie im Blumen- und Gemüsebeet nebenan. Eindrucksvoll für die Kinder: während auf der einen Seite sich die Keimlinge aus dem Boden bohrten, Blätter ansetzten und zu stattlichen Pflanzen heranwuchsen, tat sich auf der anderen Seite gar nichts. Die Erde blieb leer, der Müll war weg.

Dachten die meisten Kinder zumindest. Und waren hell entsetzt, als Monika Eberle zur „Erntezeit“ die Erde umgraben ließ. „Aller Müll kam noch genau so zum Vorschein, wie wir ihn Monate vorher eingegraben hatten. Auch die Zigarettenkippen. Das hat die Kinder besonders empört“, erzählt die Erzieherin.

Gemeinsam haben dann alle darüber nachgedacht, was passiert, wenn diesen Kippen ins Wasser geworfen werden. Und dann haben die Kinder entschieden, dass ihr Beispiel-Müll wieder vergraben und ein Baum daneben gepflanzt wird. „Wenn ich Opa bin, ist das immer noch da. Dann kann ich das meinen Enkeln zeigen“, habe einer der Jungs ihr erklärt, erinnert sich Monika Eberle.

Gleichzeitig haben sich die Kinder und ihre Erzieherinnen bei der GOA beworben und sind jetzt Müllpaten in Durlangen. Alle haben jetzt extra Westen, spezielle Müllhandschuhe und praktische Zangen, um den Unrat aufzuheben.

Mehr noch: Ein Kind aus der Altersgruppe der Mittleren hat sich „Hundekackschilder“ gewünscht. Die sind nun auch an den Routen platziert und bitten die Besitzer, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner doch aufzusammeln und zu entsorgen. Und am einst vermüllten Bach beobachten die Mädchen und Jungs jetzt mit Monika Eberle Insekten und kleine Tiere.

Doch es wäre nicht dieser Kindergarten mit „sportpädagogischem Schwerpunkt“ und es wäre nicht die sportbegeisterte Erzieherin Monika Eberle, würde das Thema nicht auch in Bewegung umgesetzt. Regelmäßig richten die Kinder im Turnraum eine „Riesensauerei“ an, die sie dann mit Feuereifer und jeder Menge Bewegung wieder sortieren. „Auf diese Kinder kann sich jeder Grundschullehrer freuen“, meint Leiterin Andrea Tonhäuser just an dem Tag, an dem die Ostalb-Abfallfirma GOA den „Fliegern“ als Dankeschön noch eine riesige Freude gemacht hat: Das Müllauto war da und konnte nach Herzenslust inspiziert werden. Natürlich durfte jedes Kind auch mal hinters Steuer klettern.

Wenn ich Opa bin, kann ich das meinen Enkeln zeigen.“

Einer der Jungs
  • Müllpate bei der Abfallgesellschaft
  • Den Einsatz für eine saubere Ostalb hat die Abfallgesellschaft GOA über Abfallkümmerer und Müllpaten organisiert. Wer dazu Fragen hat oder sich engagieren will, bekommt gerne Auskunft unter (07174) 2711 462 oder 2711 463.
Die Mädchen und Jungs haben im Kindergarten St. Antonius gemeinsam mit Monika Eberle ein Müllbeet angelegt. Dabei haben sie viel gelernt über Abfallentsorgung und den richtigen Umgang mit der Natur.

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