Lästiges Unkraut? Von wegen!

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Wildkräuter-Nudelgratin mit Vogelmiere
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Die Durlanger Kräuterexpertin Bärbel Kenner verrät, warum die Vogelmiere ein tolles Heilkraut ist und in welcher Zubereitung sie lecker schmeckt.

Durlangen

Für viele ist sie ein lästiges Unkraut, die Vogelmiere. Denn Stellaria media ist ein Wunder, wenn es um die Vermehrung geht und auch früh dran, wenn es um die Samenbildung geht. Doch wer die grüne Kriechpflanze mit den kleinen, weißen Blüten so einstuft, tut der Vogelmiere unrecht. Sie begleitet den Menschen seit der Steinzeit und ist schmackhaftes Kraut, dankbare Heil- und Futterpflanze.

„Die Vogelmiere wird unter anderem auch Hühnermiere genannt“, erklärt Bärbel Kenner. Denn Vögel fressen das Kraut extrem gerne und freilaufende Hühner streiten sich oft darum. Als sehr anpassungsfähiges Gewächs sei die Vogelmiere fast überall zu finden. Sie verbreite sich wie ein Netz auf ganzen Gartenbeeten oder Wiesenflächen. Sie wachse sogar unter dem Schnee, erklärt die Kräuterexpertin.

Man erkenne die Vogelmiere gut an ihren kleinen weißen Blüten und an den ovalen, spitzen Blättern. Am Stängel sei eine feine Haarreihe zu sehen. Ziehe man den Stängel vorsichtig auseinander, erscheint im inneren des Stängels ein feiner Faden.

Erlesen sind die Inhaltsstoffe der Vogelmiere, die Bärbel Kenner aufzählt: Vitamin A, B und C, Eisen, Flavonoide, Kalium, Kalzium, Kieselsäure, Magnesium, Saponine, Schleimstoffe und Zink. Das vor Augen kann es nicht verwundern, dass die Vogelmiere als wertvolles Heilmittel gilt, welches gegen vielerlei Leiden eingesetzt wird. In der Volksheilkunde werde sie wegen der blutbildenden Wirkung geschätzt. „Sie soll sich anregend auf die Verdauung auswirken. Weiter hat sie eine positive Wirkung bei Rheuma, bei der Blutreinigung, soll den Cholesterinspiegel senken und ist gut für die Nieren und die Blase“, sagt Bärbel Kenner. Man könne sagen, dass die Vogelmiere unserem Körper hilft, sich zu reinigen und zu stärken.

Auch äußerlich wird die Vogelmiere angewendet, bei Verbrennungen, Hautentzündungen, leichten Wunden und starkem Juckreiz. In der Homöopathie werde sie bei rheumatischen Beschwerden und bei Leberbeschwerden eingesetzt.

Entscheidend für ihre Erwähnung in dieser Serie ist aber Beitrag der Vogelmiere zur Ernährung. Man könne alle Teile der Pflanze verwenden, die Blätter, Stängel und auch die Blüten. Sogar die Knospen und Samen, ermutigt Bärbel Kenner. Aufgrund des milden, erbsenähnlichen Geschmacks verwendet man die Miere für Salate, Suppen oder auch als Wildgemüse. Außerdem passe sie sehr gut als Zutat zu Kräuterbutter, Kräuterquark, Pestos, Spinat oder Smoothies. Oder man streue sie klein geschnitten einfach aufs Butterbrot.  Zudem passe sie hervorragend zu grünen Smoothies, sie ist mild und ganzjährig frisch verfügbar.

Zuletzt warnt die Kräuterexpertin aber: „Nicht zu viel davon konsumieren, da es sonst zu Übelkeit und Erbrechen kommen kann. Und nicht in der Schwangerschaft verwenden.

Bärbel Kenner hat zwei Rezepte ausgesucht, bei denen die Vogelmiere Verwendung findet.

Vogelmiere-Farbenzopf

Zutaten: 400 g Mehl, 100 g Weichweizengrieß, 300 ml kaltes Wasser, 1 Prise Zucker, 20 g Hefe, 1 Teelöffel Salz, 4 Handvoll klein geschnittene Vogelmiere, 1 Esslöffel Tomatenmark.

Zubereitung: Mehl, Grieß, Hefe, Zucker, Salz und das Wasser in einer Küchenmaschine zu einem glatten Teig verkneten. 30 Minuten gehen lassen.

Danach den Teig in drei gleich große Teile teilen. In einen Teil die Vogelmiere kneten, in einen Teil das Tomatenmark. Aus den drei verschieden farbigen Teigen drei Stränge formen und zu einem Zopf flechten. Den Zopf auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und nochmals 30 Minuten gehen lassen. Im vorgeheizten Backofen bei 180° etwa 30 Minuten backen.

Wildkräuter-Nudelgratin

Zutaten: 300 g Nudeln (Bandnudeln), 250 g Quark, 100 ml Milch, 1 Teel gekörnte Brühe, 2 Eier, 1 Zwiebel, 100 g Käse, Salz, Pfeffer, Muskat, 3 Handvoll Wildkräuter (Vogelmiere, Brennnessel, Giersch, Spitzwegerich).

Zubereitung: Nudeln abkochen, Kräuter klein schneiden und mit allen anderen Zutaten vermischen, zum Schluss die abgekochten Nudeln zugeben, in eine gefettete Auflaufform geben und bei 180° etwa 20 Minuten überbacken.

Info Bärbel Kenner hat bei ihrer Uroma auf der Schwäbischen Alb die Kraft der Kräuter kennen und die Kostbarkeiten der Natur schätzen gelernt. Sie hat eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin BNE abgeschlossen, bietet Kräuterführungen, Kurse und Gewürzmischungen an und hat ihren reichen Erfahrungsschatz in dem Buch „Heimische Wildkräuter erkennen, fühlen, riechen, schmecken“ zusammengefasst. Bärbel Kenner lebt mit ihrer Familie in Durlangen, ist in der Gemeinde vielfältig engagiert. Mehr Info gibt es unter www.kraeuter-kenner.de

Lecker und schön anzusehen: Der Vogelmiere-Farbenzopf
Bärbel Kenner
Man kann alle Teile der Pflanze verwenden, die Blätter, Stängel und auch die Blüten. Sogar die Knospen und Samen.

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