Tanau – kleiner Ort mit großem Herz

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Die Ausschussmitglieder der Fördervereins in der Tanauer Wallfahrtskirche St. Anna: Margarete Seibold, Wolfgang Bretzler, Berthold Disam, Andreas Disam, Reiner Kohout und Ottmar Heßlinger (von links). Nicht im Bild Michael Fischer.

Seit 42 Jahren organisiert die Dorfgemeinschaft Tanau jährliche Benefiz-Straßenfeste zugunsten der Ärmsten der Armen und für Organisationen im Ort.

Durlangen-Tanau

Das Straßenfest des kleinen Ortes Tanau zwischen Durlangen und Spraitbach zieht jedes Jahr die Menschen an. Auf dem Plätzchen am Feuersee ohne Durchgangsverkehr und mit einem großen Kinderspielplatz treffen sich die Gäste, um in den Genuss der vor Ort gebackenen Fladen zu kommen. Mit jedem Fladen, jeder Wurst und jedem Getränk unterstützen die Besucher die wichtige Arbeit des Tanauer Fördervereins. Satte 205 000 Euro Spendengelder konnten in den vergangenen Jahren an Projekte in der "Dritten Welt" weitergegeben werden. Die eng mit ihrem Ort verwurzelten Vereinsmitglieder konnten zudem den ordentlichen Betrag von 24 000 Euro zum Erhalt und zur Renovierung ihrer Wallfahrtskirche St. Anna, dem Herzstück der Gemeinde, spenden.

50 Mitglieder zählt der Förderverein. Tanau selbst kann mit 145 Bürgern aufwarten. "Einige Mitglieder sind hier geboren, aber weggezogen", meint Vorsitzender Ottmar Heßlinger. Am zweiten Wochenende im Juli kommen aber alle wieder heim. Jede helfende Hand werde benötigt.

Seinen Ursprung findet der rührige Verein in einer freundschaftlichen Stichelei, der der langjährige Vorstand Helmut Frey 1977 ausgesetzt war. Nach einem gelungenen Inselfest des Musikvereins Zimmerbach wurde Frey gefragt, was denn die Tanauer gemeinsam auf die Reihe bekämen. Der Tanauer Frey verkündete tags darauf beim Stammtisch im "Rössle" Roland Sing und Andreas Kienhöfer seine Idee eines Straßenfestes. Die beiden Tanauer sprangen sofort an. Über den eventuell erwirtschafteten Erlös wurde nicht lange diskutiert: Das Geld sollte an wohltätige Zwecke gespendet werden. Innerhalb von zwei Wochen waren die Planungen zum ersten Straßenfest, mit Beistand von Alfons Wälder, abgeschlossen. "Vom ersten Straßenfest an unterstützen uns die Musikvereine aus Durlangen und Zimmerbach musikalisch", freut sich Heßlinger. Für das Gelingen und den guten Umsatz sorgten viele Hände im Hintergrund. Aus der Gesamtgemeinde Durlangen kommen Kuchenspenden, und Franz Hägele gehört mit seiner Drehorgel fast schon zum Inventar. "Mit der Drehorgel kommt auch immer ein hübsches Sümmchen zusammen", meint Heßlinger. Ehrensache, dass diese Einnahmen auch in den Spendentopf fließen. Der Erlös des ersten Festes betrug das Doppelte des Erwarteten: 1000 D-Mark konnten dem Kinderheim Sonnenhof übergeben werden. Im darauffolgenden Jahr versechsfachte sich der Reinerlös. Die Tanauer konnten jetzt auch andere Projekte unterstützen. Die Orgel der Tanauer St.-Anna-Kirche konnte 1978 mit 3000 D-Mark mitfinanziert werden. Im Jahr darauf begann der Förderverein die missionarische Arbeit des Zimmerbacher Paters Dr. Albert Ripberger in Südafrika zu unterstützen.

Seit 1994 ein Verein

Am zweiten Juli-Wochenende kommen alle wieder heim.

Ottmar Heßlinger, Vereinsvorsitzender

Enorme Summen wurden bei den folgenden Festen umgesetzt. Ein Eintrag ins Vereinsregister der Stadt Gmünd war unumgänglich. Im Januar 1994 wurde aus der Interessengemeinschaft der "Förderverein Tanau e.V", der sich zum Ziel gesetzt hat, hilfsbedürftige Personen und Organisationen zu unterstützen. Bei der jährlichen Mitgliederversammlung werden die Vorschläge der Mitglieder entgegengenommen, diskutiert und demokratisch entschieden, welches Projekt förderungsfähig ist. 88 000 Euro gingen an Pater Ripberger in Südafrika, 11 000 Euro konnte dem ehemals in Durlangen praktizierenden Dr. Bernhard Huber für seine Stiftung "Zukunft für die Welt" übergeben werden. Mit 79 000 Euro wurde das Missionskrankenhaus im südindischen Vellore unterstützt. Kleinere Beträge leisteten auch Großes: Der Tanauer Spielplatz konnte mit 1500 Euro bezuschusst werden.

In naher Zukunft soll der Tanauer Feuersee eine neue Uferbefestigung erhalten und abgedichtet werden. Dazu muss der See abgelassen und ausgebaggert werden. Dieses Vorhaben soll mit dem kommenden Straßenfest finanziell unterstützt werden. "Alle Gelder gehen eins zu eins in die Stiftungen", versichert Heßlinger.

Am Wochenende 14. und 15. Juli geht das Tanauer Straßenfest in die 42. Runde. Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst der katholischen Kirchengemeinde St. Cyriakus auf dem Festgelände. Das Endspiel der Fußball- WM wird übertragen.

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