Wo's die Durlanger Mühle wieder gibt

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Die AG Heimat in Gestalt von Egon Müller, Hans Schuster, Bernhard Hägele, Hermann Schuster, Alfred Waibel hat das neue Schild bei der Grotte aufgestellt.

Was die AG Heimat in Durlangen in der letzten Zeit gestemmt hat und warum sich ein Besuch in den Ausstellungsräumen im ehemaligen Raiffeisengebäude schon jetzt lohnt.

Durlangen-Zimmerbach

Die Mitstreiter der AG Heimat in Durlangen haben sich die Bewahrung und Erinnerung an die alten Zeiten in der ländlichen Gemeinde auf die Fahnen geschrieben. Mit Unterstützung vieler Mitbürger konnte zum Auftakt eine Flut an alten Exponaten gesammelt werden. Langsam kommt nun Ordnung in die Räume der AG Heimat in dem ehemaligen Raiffeisengebäude in der Schulstraße.

22 Wegkreuze mit Geschichte

Betritt man die Ausstellung im Erdgeschoss, fällt der Blick auf die Fotos der Wegkreuze, die die Gemeinde zieren. 22 dieser Wegkreuze hat Heinz Grube ausfindig machen können, "die meisten stehen in Privatbesitz", meint Grube, der sich jetzt daran macht, die Hintergründe der Flurkreuze, Bildstöcke und Heiligenhäuschen zu erforschen und festzuhalten. "Bei einigen Wegekreuzen sind wir noch auf der Suche, warum sie damals errichtet wurden", meint Grube.

Weitere Ausstellungsstücke sind die von Bernhard Hägele gefertigten Nachbauten einiger markanter und teilweise in Vergessenheit geratener Gebäude der Gemeinde. Im Leintal zum Beispiel gab es die 1771 errichtete Durlanger Mühle, die bis zu ihrem Abbruch im Jahre 1965 ein beliebtes Ziel war. An der Durlanger Mühle konnten die Besucher dem Badevergnügen nachgehen, Kahn fahren und in der Gaststätte einkehren. Mit einem Hinweisschild holt die AG Heimat den damaligen Naherholungsort jetzt wieder in das Gedächtnis der Bürger. Oder das Durlanger "Käppele", das erinnert an die 1743 grassierende schlimme Viehseuche im Land. "Zur Abwendung größeren Übels" war 1744 das Durlanger "Käppele", errichtet worden, das 1957 dem Neubau der St. Antonius Kirche weichen musste. Hägeles Nachbau des "Käppele" lässt das nicht in Vergessenheit geraten.

Die Umgestaltung der Räume bringt jetzt die alten Handwerkskünste ans Tageslicht: Schuhmacherwerkstätten teilen sich die Räume mit nahezu komplett ausgestatteten Schneidereien. Wagner-, Küfner- und Zimmermannsgerät erinnern an Arbeit der einstigen Handwerker. Spannend ist auch der Anblick des Friseursalons aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Zur Verfügung gestellt von Friseur und AG-Heimat-Mitstreiter Alfons Miller, wird hier demonstriert, wie frau für ihre Schönheit leiden musste. So wurden zum Beispiel Lockenwickler über Kabel mit einem Heizautomaten verbunden, "bis auf 200 Grad wurden die erhitzt", erklärt Egon Müller die Prozedur.

Christliche Devotionalien in großer Menge, kleine Tischaltare, Heiligenbilder- und Skulpturen und eine "wirklich große Menge an Bibeln aller Größen und jeden Alters", erklärt Heinz Grube. Alles will gesichtet und beschriftet werden, eine wahre Herkulesaufgabe. "Von der damaligen Jungfrauenkongregation fehlen uns allerdings jegliche Unterlagen", bedauert Müller. Nur einige Mitglieds-Orden, die damals den Jungfrauen verliehen wurden, konnten gesichert werden. Im Keller wartet altes landwirtschaftliches Gerät darauf, geordnet präsentiert zu werden. Im Obergeschoss soll eine alte Bauernwohnung entstehen, Betten mit "Sondermaßen" sind vorhanden, ebenso Anrichten und Kleinmöbel. "Sofas aus der früheren Zeit und Kücheneinrichtungen konnten wir bisher noch nicht auftreiben", schmunzelt Grube.

Tafel am Wagenbodenrain

Bei anderem waren die umtriebigen AG Heimatler erfolgreicher: Mithilfe des Durlanger Bauhofs konnten weitere Hinweistafeln errichtet werden, die die Zeitgeschichte des Ortes beleuchten. An die frühzeitliche Bergbaugeschichte des Ortes erinnert eine Tafel im Wagenbodenrain. 1446 wurde das Schürfrecht des Bergwerks im Wagenbodenrain einigen Bürgern für Augstein, auch Gagat genannt, verliehen. Aus dem Gagat, einem leicht zu bearbeitenden fossilem Holz, wurden unter anderem Rosenkranzkugeln gefertigt. Der Bergbau wurde im 16. Jahrhundert eingestellt.

Vom schweren Schicksal früherer Familien zeugt die Zimmerbacher Grotte. Die Felsengrotte ist nach dem Vorbild der Felsengrotte von Lourdes geschaffen worden und wurde 1912 vom Ehepaar Johannes und Kreszentia Lakner zum Andenken an ihre zehn Kinder errichtet, die bis zu diesem Zeitpunkt bereits alle verstorben waren. In über 1000 Arbeitsstunden wurde die Grotte im Jahr 2000 von Bürgern aus Zimmerbach, Durlangen und Tanau ehrenamtlich grundsaniert. Eine ebenfalls neue Hinweistafel erzählt von der Geschichte der Familie Lakner.

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