Wo sich einst das Mühlrad drehte

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Die Amandusmühle zwischen Mutlangen und Durlangen mit der Infotafel der AG Heimat (rechts im Bild): Die Getreide- und Sägemühle ist seit den 1960er-Jahren nicht mehr in Betrieb.
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Wie die Amandusmühle zu ihrem Namen kam und wie die Durlanger Arbeitsgemeinschaft AG Heimat jetzt an die Geschichte erinnert.

Durlangen

Fast schon trotzig steht die Amandusmühle als einziges Gebäude in der scharfen Kurve der B 298 im Leintal zwischen Mutlangen und Durlangen. Zum Bau einer Getreidemühle mit angrenzender Landwirtschaft wurde bereits 1831 die Lein begradigt. Um das Jahr 1850 errichtete Bernhard Mauch die Getreide- und Sägemühle. In Anlehnung an seinen Erbauer wurde die Mühle damals als Mauchenmühle bekannt und ist noch heute unter diesem Namen in den Köpfen der älteren Generation bekannt.

Der Antrieb der Mühlräder erfolgte damals durch ein unterschlächtiges Mühlrad. Das Wasser schlägt in diesem Fall im unteren Teil auf die Schaufeln und dreht das Rad durch seinen Strömungsdruck. Der jetzige Besitzer, Gerhard Kurz, erzählt davon, dass in früheren Jahren das Wasser der Lein durch ein Wehr aufgestaut wurde, um den Höhenunterschied zur Mühle zu überbrücken. Das aufgestaute Wasser floss über den extra ausgehobenen Mühlkanal im hinteren Bereich der Mühle und trieb so das Mühlrad an.

Die Brücke und das Wehr fielen in den 1970er-Jahren dem Bau der neuen Bundesstraße zum Opfer. „Wo heute der Verkehr rollt, war früher unser Obstgarten“, erzählt Kurz.

Wer Amandus war und wann dieser Müller, von dem nur der Vorname bekannt ist, die Mühle übernahm, ist nicht mehr überliefert. Nur sein seltener Vorname blieb in Form einer Umbenennung der Mühle in Amandusmühle hängen. Amandus konnte die Mühle nicht lange betrieben haben, denn bereits 1880 erwarb der Müller Johannes Kurz aus Michelau das Anwesen und betrieb Mühle und Sägewerk weiter. Sohn Gottlob stieg 1908 in die Fußstapfen des Vaters. Nach seinem Tod 1937 konnte der Mühlenbetrieb dank der Frauenpower von Witwe Katharina zehn Jahre aufrecht erhalten werden.

1943 sorgte sie für notwendige Instandsetzungen. Eine neue Wand musste beim Mühlrad errichtet werden. Hier hatte das Wasser „ganze Arbeit“ geleistet und die alte Wand ruiniert. 1947 kam Sohn Reinhold aus französischer Gefangenschaft heim und modernisierte die Mühle mit Vorausblick, indem er Dieselmotoren installierte. Somit konnte die Leistungsfähigkeit der Mühle erhöht werden. „Die Mühle stand damals auch bei Niedrigwasser nicht mehr still“, erklärt Kurz, dessen Vater Reinhold die Mühle 1955 übernahm. Mit den Jahren konnte die Wettbewerbsfähigkeit der Mühle nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Für die Ewigkeit gebaut

Seit 1960 ruht der Mühlenbetrieb im Leintal. Die Sägemühle wurde bereits 1957 abgerissen. Obwohl der Mühlenbetrieb schon lange ruht und der Mühlkanal von der Familie Kurz wieder aufgefüllt wurde, erinnert in dem alten Gemäuer noch viel an seine ehemalige Bestimmung. Das Gebäude scheint für „die Ewigkeit“ errichtet worden zu sein: Massive Holzbalken sorgen für Stabilität, das Fachwerk wurde mit Steinen verdichtet.

Im Keller befindet sich der Mühlenraum. Hier wurde das Mahlwerk durch das Mühlrad angetrieben. Das Fundament besteht aus Sandsteinquadern, die rund 85 Zentimeter dick sind, und die Mühle gegen Wasser und Hochwasser schützten.

Das „Innenleben“ der Mühle hat Besitzer Kurz nahezu unverändert gelassen: Im ersten Stock befinden sich die „gute Stube“ und die Küche mit Holzofen. Enge Stiegen führen in das erste Dachgeschoss. Hier gibt es „Kammern“, in denen Familienmitglieder unterkamen.

Auch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs hat das alte Gebäude „weggesteckt“. Gegen Ende des Krieges wurde das Gebäude unter Maschinengewehrbeschuss genommen, erzählt Gerhard Kurz. Dabei sei aber niemand zu Schaden gekommen. Bei einer Durchsuchung durch die amerikanischen Soldaten wurden „nur Frauen im Haus“ festgestellt. Der Beschuss und weitere Aktionen wurden daraufhin eingestellt.

Die Geschichte der Amandusmühle wurde auch von der Durlanger AG Heimat recherchiert. Mit einer Info-Tafel erinnert die AG Heimat an die Vergangenheit der Mühle.

Der Beschuss wurde eingestellt, weil nur Frauen im Haus waren.“

Gerhard Kurz,, Besitzer der Amandusmühle
An dieser Wand befand sich das Mühlrad.
Erinnerungen aus dem Familienalbum.

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