Ein Haus voller Menschlichkeit, Musik und Medizin

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Das Schild vl. Dr. Ulrich Knaus, Aloisia und Franz Brenner Annemarei Kinkel und BM Johannes Schurr

Schöne Erinnerungen weckt die Enthüllung des achten Schildes auf dem Geschichtspfad.

Spraitbach. Die Ehrenwürde ist die höchste zu vergebende Auszeichnung, die eine Stadt oder Gemeinde verleihen kann. In Spraitbach konnten in seiner 725-jährigen Vergangenheit drei Personen diese große Ehrung entgegennehmen. Neben dem ersten Ehrenbürger, dem Pfarrer Anton Stock, sind dies der Mediziner Dr. Hans Kinkel und der ehemalige Bürgermeister Walter Zepf.

Der Geschichtspfad von Spraitbach ist die „nachhaltige“ Alternative zu einem großen Jubiläumsfest, das eigentlich die 725 Jahre Ortsgeschichte würdigen sollte. Das Konzept sieht vor, jeden 7. und 25. des Monats an einen Ort oder ein Gebäude zu erinnern, das es in dieser Form nicht mehr gibt oder eine Umnutzung erfahren hat.

Am Donnerstag wichen die Macher ein wenig von dieser Vorgabe ab. Die Enthüllung der Info-Tafel an der ehemaligen Praxis des Ehrenbürgers, Mediziners, Musikers und Schriftstellers Dr. Hans Kinkel, ließ unwillkürlich Erinnerungen an diesen beliebten Landarzt aufkommen. Mit besonderer Freude konnte Bürgermeister Johannes Schurr, die Witwe des 1991 Verstorbenen, Annemarei Kinkel, begrüßen.

Hans Kinkel wurde am 15. April 1909 in Heilbronn geboren und besuchte dort das Humanistische Gymnasium. Nach dem Studium der Medizin bildete sich Kinkel zum Facharzt für Innere Medizin weiter. Nach seinem Kriegsdienst als Stabsarzt in Ostpreußen ließ sich der Mediziner 1949 in Spraitbach nieder. Die ersten Praxisräume des Arztes befanden sich bis 1956 im Gasthaus Adler, danach baute die Familie Kinkel das Wohnhaus mit Arztpraxis in der Beutenhofer Straße 9. Mehr als 40 Jahre praktizierte Dr. Kinkel in Spraitbach als Landarzt, Geburtshelfer, Internist und Herzspezialist.

Neben seiner Tätigkeit als Landarzt wirkte er auch als Musiker, Fotograf und Literat. Mit Kirchenkonzerten, Fotoausstellungen und der Veröffentlichung zahlreicher Bücher bereicherte er das kulturelle Leben seiner neuen Heimat und fand weit über ihre Grenzen hinaus Beachtung und Anerkennung. Im Oktober 1983 erhält er für seine Verdienste als Landarzt und für sein künstlerisches Schaffen die Auszeichnung zum Ehrenbürger der Gemeinde Spraitbach.

Das bemerkenswerte an dem Gebäude sei, die sich wiederholende Nutzung, erinnerte Bürgermeister Schurr. Denn seit 2004 ist das Haus im Besitz von Franz und Aloisia Brenner. Während Franz Brenner seine Meisterwerkstatt für Holzblasinstrumente betreibt, führt Aloisia Brenner eine Praxis als Heilpraktikerin. „Musik und Medizin prägen dieses Haus“.

In Erinnerung an den als begabten Cellisten bekannten Dr. Kinkel war es der Gemeindeverwaltung wichtig, den Enthüllungstag musikalisch von einem Cello begleiten zulassen. Der Musiker war schnell gefunden: Auch der in Spraitbach praktizierende Mediziner Dr. Ulrich Knaus beherrscht dieses Streichinstrument virtuos. Aloisia Brenner erinnerte sich an ihre Zeit als Gemeindeschwester in Spraitbach, die sie 1983 angetreten hat. Dr. Kinkel habe ihr die Möglichkeit gegeben, ihn auf seinen Hausbesuchen zu begleiten. „Da lernt man am besten“, sei das Credo des Mediziners gewesen.

In all den Jahren hat Aloisia Brenner einen Mediziner erlebt, für den „alle Patienten gleich waren“. Dr. Kinkels Menschlichkeit und Wertigkeit“ seien eine „unglaubliche Bereicherung“ für die Gemeinde gewesen.

Zum Schmunzeln brachte Franz Brenner die Anwesenden, mit kleinen Lesungen aus Kinkels Buch „40 Jahre Landarzt“, die den feinen Sinn für Humor, auch über sich selbst, und große Zuneigung zu Spraitbach und seinen Bürgern offenbarten. aro

das Beutenhofer Straße 9

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