Außergewöhnliche Stellenanzeige in Eschach: Von "cool" bis "unmenschlich"

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Die Stellenanzeige von Eschach auf Facebook.
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Riesiges Echo auf Stellenanzeige für den Eschacher Kindergarten. Warum der Bürgermeister sie trotzdem zurückgezogen hat.

Eschach. Unkonventionell - dafür ist er bekannt der Eschacher Bürgermeister. Jochen König scheut den Aufruhr nicht und geht auch gerne mal ein Wagnis ein. Jüngstes Beispiel: Die Ausschreibung für eine Stelle als Erzieherin, die für beträchtlichen Wirbel sorgt: "Sie besitzen eine abgeschlossene Berufsausbildung als Erzieherin oder Kinderpflegerin; Sie arbeiten gerne bei einer Lautstärke von 150 Dezibel (startender Düsenjet); Sie können das Wort "Nein" in vier Sprachen und weiteren sechs Dialekten; ihren Knochen verkraften das permanente Krabbeln und das Hochen auf Zwergenstühlen; Sie sind immer cool, auch wenn sich ein Kind die Bastelschere in den Oberarm bohrt; Ihnen macht es auch nichts aus, wenn Ihnen im 14. Berufsjahr Helikopter-Eltern noch Ihren Job erklären.

Das Echo ist gewaltig. Und es ist schwarzweiß - einerseits bekommt Jochen König jede Menge Lob. Witzig, realistisch, geil, toll, voll cool - lauten die Kommentare zum Applaus. Auch vom Team der Erzieherinnen im Eschacher Kindergarten habe er nur positives Echo bekommen. "Sogar ein Daumen hoch aus dem Urlaub", erzählt der Bürgermeister. Auf Facebook steuern manche sogar noch Ergänzungen bei, etwa "der chronische Personalmangel fehlt".

"Mir sind die Mitarbeiterinnen viel Wert."

Jochen König,, Bürgermeister

Und dann gibt es auf der anderen Seite Leute, die sich gewaltig ärgern - hauptsächlich über den Satz: Die Vergütung erfolgt in Anlehung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst in Entgeltgruppe S4. "Ist echt zu wenig" "S4?! Ist das Euer Ernst???" lauten die Kommentare. Je länger, je mehr gleitet die Diskussion in diese Richtung. Sogar Beschimpfungen, ich sei unmenschlich, habe es gegeben. Alles wurde zerredet und schlecht gemacht, bedauert Jochen König, der deshalb dann die Anzeige am Donnerstag aus den sozialen Medien entfernt hat.

Dabei hatte er sich lange bemüht, sachlich zu argumentieren. In kleineren Gemeinden, in denen keine offene Betreuung praktiziert wird, gebe der Tarifvertrag leider nicht mehr her als S4, sagt er. In dieser Gehaltsstufe verdiene eine 30-Jährige mit acht Jahren Berufserfahrung knapp 1895 Euro netto, hat er aus- und seinen Kritikern vorgerechnet. Im Gespräch mit der GT ergänzt er: "Mir sind meine Mitarbeiterinnen viel Wert. Deshalb gibt es in Eschach eine Leistungszulagen und Weihnachtsgeld. Und außerdem haben wir aus der Gemeindekasse zweimal Coronahilfen ausbezahlt." Im übrigen ist der Bürgermeister überzeugt, dass das Klima im Eschacher Kindergarten stimmt: Seit er da ist, habe keine Mitarbeiterin gekündigt und auch keine ihre Versetzung beantragt. "Wir sind eine tolle Truppe."

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