Der Schwäbische Wald hat die bundesweit schlechteste Hausarztversorgung

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Eschacher Gremium erhält Informationen zu einer geplanten Genossenschaft. Beitritt anvisiert.

Eschach. „Dass es sehr eng ist, das wusste ich. Dass wir bundesweit die Schlechtesten sind, höre ich zum ersten Mal“, kommentiert Bürgermeister Jochen König verwundert. Gerade hat der Gemeinderat von Leonie Schönsee, Expertin im Ostalb-Gesundheitsamt, zu hören bekommen, dass der kassenärztliche Planungsbereich „Schwäbischer Wald“ deutschlandweit den schlechtesten Versorgungsgrad mit Hausärzten hat. Die Fachfrau informiert dann, wie mit Hilfe einer hausärztlichen Genossenschaft attraktivere Arbeitsplätze für Mediziner geschaffen und dem immer dramatischen Problem damit begegnet werden soll.

So ist das Konzept

Das Konzept sieht vor, dass zugelassene Mediziner, Krankenhäuser, Kommunen und Landkreise eine Genossenschaft gründen, die Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gründet, Praxen betreibt und weiterführt. In der Genossenschaft können Ärztinnen und Ärzte selbstständig arbeiten, auch wirtschaftliche Verantwortung, Verwaltung- und Führungsaufgaben für einen Praxisstandort übernehmen. Sie haben aber kein Haftungsrisiko, es gibt eine Vertretung bei Krankheit oder Urlaub - auch, wenn es um das Praxispersonal geht. Die Genossenschaft stellt zudem Ärztinnen und Ärzte an, die dann zum Beispiel auch in Teilzeit ihren Beruf ausüben können. Und vor allem mehr Zeit für Patienten und Zeit für mehr Patienten haben. Denn für sämtliche Verwaltungs- und Führungsaufgaben gibt es einen Geschäftsführer. „Das ist eine attraktive Möglichkeit für junge Ärztinnen und Ärzte, die gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit vorfinden. Das ist auch ideal für Ärztinnen und Ärzte, die in den Ruhestand gehen und ihre Praxis verkaufen wollen. Sie können einige Jahre vorher ihre Praxis einbringen und sich anstellen lassen, was Steuervorteile bringe. Die Suche nach einem Nachfolger übernehme dann die Genossenschaft“, erklärt Leonie Schönsee einen Vorteil des Modells.

Gründungsversammlung ist am 12. Mai.

Leonie Schönsee, Landratsamt Ostalbkreis

Maximal 20 Mitglieder können bei der Genossenschaft dabei sein, haben dann Mitspracherecht, haften aber nur in der Höhe der geleisteten Einlage - in der Regel zwischen 1000 und 2000 Euro. Mit der Kommunalaufsicht sei auch abgeklärt, dass sich Kommunen beteiligen können. Was im Schwäbischen Wald so auch geplant ist.

„Das ist wichtig und eine Frage der Solidarität. Wir in Eschach haben zwar derzeit kein akutes Problem, weil wir mit Dr. Hajdarevic einen guten Arzt haben, der auch sehr zufrieden ist. Aber wir würden uns die Unterstützung von anderen Gemeinden auch wünschen, wenn das nicht so wäre“, betont Bürgermeister Jochen König.

Klaus Stoll erfährt auf Rückfrage, dass schon fünf Ärzte für die Genossenschaft gewonnen werden konnten und auch die beiden Vorsitzenden der Kreisärzteschaften Mitglied werden möchten, da sie von diesem Modell überzeugt seien.

Das Modell, entwickelt von der Firma Diomedes, die zumindest zu Beginn auch die Geschäftsführung übernehmen würde, ist nicht neu. Es gebe, sagt Leonie Schönsee, schon sieben hausärztliche Genossenschaften in Baden-Württemberg. Im Ostalbkreis, erfährt Marcus Krieg, wäre der Schwäbische Wald die erste Region. Die Gründungsversammlung ist für den 4. Mai terminiert. Bestrebungen gebe es aber auch im Raum Ellwangen.

„Wir stehen diesem genossenschaftlichen Modell sehr wohlwollend gegenüber“, formuliert es Stephan Gora im Sinne des gesamten Gremiums. Die Einlage von 1500 bis 2000 Euro sei ein wichtiges Zeichen der Solidarität und die Summe tue auch niemandem weh. Allerdings ist sich das Gremium einig, dass vor einer Entscheidung noch mit Dr. Hajdarevic Rücksprache gehalten werden und dessen Meinung zum Konzept eingeholt werden soll. Die Entscheidung vertagt das Gremium deshalb auf die Aprilsitzung - „die noch vor dem Gründungsdatum der Genossenschaft liegt“, wie unter anderem Reinhard Stalitza anmerkt.

Sanierung Schechinger Straße

Ausgiebig diskutierte das Gremium auch die „große Hafenrundfahrt“ in der Schechinger Straße, wo Strom, Wasser, Abwasser und Glasfaser saniert oder neu verlegt werden sollen. Weil jedes Grundstück andere Voraussetzungen hat, gibt es eine Informationsveranstaltung für die Anwohner. Einen Anschlusszwang fürs Regenwasser wird es nicht geben. Die Wasserleitungen werden bis zur Grundstücksgrenze verlegt, der Rest ist die Sache des jeweiligen Eigentümers.⋌Anke Schwörer-Haag

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