Eine Telefonsteckdose gibt den Ausschlag

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Einer der vielen Versuche, de Arztsitz zu erhalten: Mit einem Fest an der Kneipp-Anlage werben die Eschacher für sich bei der Aktion "Dorf sucht Doc".
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Eschach hat eine lange, ununterbrochene Tradition der Gesundheitsversorgung, wie sie in Orten dieser Größe nicht typisch ist. Wie zweimal die Praxisübergabe geklappt hat.

Eschach

Manchmal ist es eine Kleinigkeit - und die Dinge fügen sich. Und alle sind glücklich. In diesem Fall war es eine Telefonsteckdose.

Der Fall ist 45 Jahre her und setzt eine lange Geschichte fort. Denn Eschach gehört zu den wenigen Ostalbgemeinden, die zurzeit noch eine gute Gesundheitsversorgung haben. Es gibt eine Hausarztpraxis und eine Apotheke. Beides mit ununterbrochener Tradition - der erste Arzt wurde 1799 in der Gemeinde installiert, die erste Apotheke 1839. Und beides ist bislang nicht von der Schließung bedroht.

Keine Selbstverständlichkeit, das wissen viele, aber auch kein Selbstläufer, wie ein Gespräch mit Dr. Peter Krubasik enthüllt, der von Dezember 1978 bis Juni 2021 als selbstständiger Allgemeinmediziner der Praxis in Eschach vorstand. Und für den Hausarzt „der schönste Beruf ist und das absolut Richtige“, weil man nirgends die Patienten so gut kennenlerne und vielen deshalb noch besser helfen könne.

Wie der in Passau geborene Absolvent der Erlanger Universität nach Eschach gekommen ist? Auch damals, als Peter Krubasik sein Studium abgeschlossen hatte, herrschte Ärztemangel. Nicht so krass wie heute. Doch hatte, wer sich als Mediziner selbstständig machen wollte, etliche Exposés von Praxen zur Auswahl. Peter Krubasik hatte sich damals nach Ulm aufgemacht und dort Objekte besichtigt. „Auf dem Rückweg haben wir dann beschlossen, uns doch noch Eschach anzusehen. Es lag ja auf der Strecke“, erzählt er. Und hier gab es eben jenes ausschlaggebende Pünktchen auf dem „i“: die Telefonsteckdose.

Eine solche nämlich hatte Peter Krubasik an der Außenwand der Arztwohnung nahe der Terrasse entdeckt und die Entscheidung für Eschach war gefallen. „Für einen Hausarzt, der Ende der 1970er-Jahre quasi selbstverständlich rund um die Uhr und jedes Wochenende im Dienst war, bedeutete das ein großes Freiheitsgefühl“, erklärt der heute 75-Jährige den Alltag in einer Zeit, in der „Handy“ ein Fremdwort war. Die Telefonsteckdose, die sein Vorgänger Dr. Dieter Wohlfahrt hatte installieren lassen, erweiterte den eingeschränkten Freizeitradius beträchtlich. Der Festnetzapparat konnte draußen eingesteckt werden. Gartenarbeit ist auch Krubasiks Hobby.

Der Kreis schließt sich: Rund 35 erfüllte Berufsjahre später beginnt Dr. Peter Krubasik dann selbst, etwas für seine Nachfolge zu tun. „Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt“, erzählt er - Inserate geschaltet in Fachzeitschriften, über das Internet, über den Hausärzteverband. Die Gemeinde hat sich engagiert. Schultes Jochen König hat sogar ganz ungewöhnliche Wege versucht und Eschach beim Fernsehformat „Dorf sucht Doc“ angemeldet. Trotzdem hat es etliche Anläufe gebraucht, einen verdammt langen Atem. „Und Glück“, sagt Dr. Peter Krubasik, der ein Jahr nach seinem Rücktritt sicher ist, mit Dr. Dzanan Hajdarevic genau den richtigen Nachfolger gefunden zu haben. Den Ausschlag diesmal gab sicher, dass das Arztehepaar Ingeborg und Peter Krubasik den Neuanfang in einer Übergangsgemeinschaft unterstützen, dass es ein erstklassiges Praxisteam gibt und dass die Gemeinde die neue Praxisansiedlung unterstütze, analysiert Krubasik.

Es ärgert ihn, „dass wir im Schwäbischen Wald deutschlandweit die schlechteste Versorgung mit Hausärzten haben.“ Obwohl es genügend Warnungen gab, habe die Politik in Bund und Land dieses Thema verschlafen. Nach der Wiedervereinigung seien Studienplätze abgebaut und viel zu wenig für den Nachwuchs getan worden, kritisiert er und wünscht sich, dass regionale Konzepte wie die hausärztliche Genossenschaft Schwäbischer Wald das Problem etwas abmildern können.

Hier geht es zur anderen Ostalb-Check-Geschichte aus Eschach.

Eschach gibt alles: Teilnahme bei "Dorf sucht Doc".
Dr. Peter Krubasik kann heute die Idylle im Garten genießen, ohne Telefon.

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