Ich werde meine Lehre ziehen

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Nach dem Verbot in Gmünd sind die Demonstranten auf den Eschacher Marktplatz ausgewichen.
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Was Bürgermeister, Polizeisprecher und die Veranstalter im Rückblick zur Demo auf dem Eschacher Marktplatz sagen.

Eschach

Bürgermeister Jochen König ist empört und auch enttäuscht von der Veranstaltung am Mittwoch vor dem Rathaus. Weil die freie Meinungsäußerung und die Demokratie für ihn "ein hohes Gut sind", sei er im Vorfeld nicht nur offen mit der angemeldeten Demo umgegangen, sondern habe auch "große Erwartungen" gehabt, erzählt er im Rückblick. "Ich dachte, da kommen vielleicht Argumente, die es sich zu überdenken lohnt, die vielleicht nicht so falsch sind." Und dann das: "Inhaltlich war das alles Käse und obendrein anstrengend", findet König.

Dazu ist es die Art des Auftritts der Demonstranten, die ihn ärgert. Er sei bedrängt worden, von einem Mann ohne Maske angepöbelt und aus den Reihen der Demoteilnehmer gegen seien Willen gefilmt.

Was König unmöglich findet: Alles, was in einem halbstündigen Kooperationsgespräch im Vorfeld ausgemacht worden sei, sei nach drei Minuten Demo vergessen gewesen. "Ich werde meine Lehre daraus ziehen. So nicht mehr", sagt der Bürgermeister. König will sich jetzt informieren, wie sich solche Veranstaltungen künftig in seiner Gemeinde verhindern lassen. Aus Eschach werde es künftig Gegenwind geben, warnt er – und will auch seine Bürgermeisterkollegen über seine Erfahrungen informieren.

In der Nachbesprechung der Veranstaltung habe die Polizei zudem gesagt, dass der Platz vor dem Rathaus eigentlich nach fünf Minuten hätte geräumt werden müssen, weil die Vorgaben nicht eingehalten worden seien. Das, was er erleben musste, habe mit gelebter Demokratie nichts zu tun, findet der Bürgermeister.

Ein Abbruch wäre Sache der Versammlungsbehörde gewesen, erklärt Polizeisprecher Holger Bienert. Die Vertreter des zuständigen Landratsamts seien auch vor Ort gewesen. Man habe sich angesichts weniger Teilnehmer – "drei von knapp 60" – ohne Maske aber für ein "abgestuftes Vorgehen" entschieden. Was bedeutete: Ein unbekannter Nicht-Maskenträger sei fotografiert worden. Bei den übrigen Maskenverweigerern sei dies nicht notwendig gewesen, da diese der Polizei bekannt seien.

Im übrigen müsse sich jeder Teilnehmer einer solchen Veranstaltung darüber im Klaren sein, dass diese Ordnungswidrigkeiten nachverfolgt würden. "Entweder wir sprechen die Betreffenden an oder ermitteln sie später", macht Holger Bienert klar.

Die Spraitbacher Thomas und Linda Jauch, die die Demo in Eschach angemeldet hatten, widersprechen Bürgermeister Jochen König. Es habe keine Absprache gegeben, dass Fotos gemacht werden, sagt Thomas Jauch auf GT-Anfrage. Die Versammlung sei ganz normal angemeldet worden. Vor der Versammlung habe es ein so genanntes "Kooperationsgespräch" unter anderem mit Bürgermeister König gegeben. Dabei sei besprochen worden, dass Maskenverstöße geahndet würden. Denn es gebe bei solchen Versammlungen immer wieder Leute ohne Maske, in Eschach "zwei oder drei von 80", sagt Jauch. Über ein "Anfertigen von Fotos" aber sei nicht gesprochen worden. Der Organisator mehrerer Demos von Gegnern der Corona-Maßnahmen wie zum Beispiel in Mutlangen, Waldstetten oder in Lorch betont, dass es dem Marktplatzdemoteam "nicht um Spaltung der Gesellschaft" gehe, sondern sie wollten "der Spaltung entgegen wirken". Jauch kündigte weitere Veranstaltungen an, die nächste für kommenden Mittwoch "in Richtung Heubach".

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