Keramikkunst, Café und Wohnungen: neue Eigentümerin im Gasthaus „Lamm“

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Den denkmalgeschützten ehemaligen Gasthof und das Brauhaus will Birgit Labor erhalten und Stück für Stück sanieren. Bei den Arbeiten packt die Keramikkünstlerin durchaus auch mit an.
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Eine Nachnutzung für den traditionsreichen Betrieb samt Brauhaus ist gefunden. Was die neue Eigentümerin im denkmalgeschützten Gebäudeensemble plant.

Eschach

Nutzungsänderung ehemaliges Gasthaus - so steht es ganz harmlos auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Dabei entsteht tatsächlich etwas Außergewöhnliches dort, wo die Großfamilie Ulmer 1864 einen stattlichen Brauereibetrieb samt Gasthof baute und sich jahrhundertelang das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde abspielte. Die Keramikkünstlerinnen Birgit und Rebecca Labor richten hier Keramik-Mitmachateliers mit einem kleinen Café ein, planen Kurse, Seminare, regelmäßige kreative Unterrichtseinheiten.

Noch allerdings braucht Fantasie, wer sich all das im historischen Gemäuer vorstellen will. Immerhin hat Birgit Labor sowohl die Gaststättenräume wie auch das Brauhaus mit seinen geräumigen Gewölbehallen entrümpelt und weitgehend in den Urzustand versetzt. Denn das Ziel der 62-Jährigen ist es, die alte Bausubstanz zu restaurieren und zu erhalten. Vorbild ist für sie der aus dem Dornröschenschlaf geweckte Kulturbahnhof KuBAA in Aalen.

Und natürlich will Birgit Labor den „wunderbaren Platz“, den sie in Eschach hat, für ihre künstlerische Arbeit nutzen. Bekannt geworden sind die Arbeiten der Künstlerin, die aus Schwerin stammt und seit Mitte der 1980er-Jahre im Ländle lebt, unter anderem durch die Landesgartenschau und die Remstal-Gartenschau. Schon in ihrem Atelier „Tonvogel“ in Mögglingen hat Birgit Labor ihre Kreativität in Kursen weitergeben. Mit dem Umzug nach Waldstetten kam ein Skulpturengarten dazu, der große Anziehungskraft hat. Doch, sagt die Künstlerin, Corona habe deutlich gemacht, dass zum gemeinsamen Arbeiten - etwa bei Seminaren - große Räume notwendig sind. Nicht zuletzt deshalb habe sie sich sofort in den ehemaligen Brauereigasthof verliebt und das Gebäudeensemble „nach einigen schlaflosen Nächten“ auch erworben.

Stück für Stück soll der Lebenstraum nun umgesetzt werden. Was für Birgit Labor um so schöner ist, weil ihre Tochter Rebecca, die in Aalen-Himmlingen das Atelier „Drehpunkt“ betreibt, ihre Leidenschaft teilt. Sechs neue elektrische Drehscheiben, Brennöfen mit digitaler Steuerung und jede Menge Werkzeug zur Umsetzung kreativer Ideen - auch im Bereich der Aufbaukeramik - sollen den Kursteilnehmern zur Verfügung stehen. In den oberen Stockwerken entstehen Wohnungen, die vermietet werden sollen.

Bereits in den nächsten Wochen könne zum ersten Mal in den ehemaligen Gasträumen gearbeitet werden, meint Birgit Labor. Dort will sie zudem einen kleinen Shop integrieren - mit Regalplätzen für externe Kunstschaffende. 2022 will sie den Umbau des Gasthauses vollenden und den Dachstuhl des Brauhauses sanieren. Im Brauhaus selbst sollen Ausstellungsflächen entstehen. „Und später mal, eher noch in weiterer Ferne“, werde sie dort auch ihre Wohnung einrichten. Ihr Atelier „Tonvogel“ und den Ausstellungsgarten in Waldstetten, behält sie aber weiterhin. „Mindestens bis 2023/24“, schätzt sie.

Ich habe mich gleich in das Gebäude verliebt.“

Birgit Labor, Künstlerin

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