Flüchtlinge ziehen im „Pfiffikus“ ein

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Bürgermeister Peter Kühnl ehrt Ruppertshofener Mehrfachblutspender Otto Möllmann (li.) und Roman Knaus (re.).
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Ruppertshofen ermöglicht im alten Kindergarten Unterkünfte für Ukrainer.

Ruppertshofen Die Kriegswirren in der Ukraine sorgten am Donnerstag dafür, dass sich die Ruppertshofener Gemeinderäte um Bürgermeister Peter Kühnl mit einem Thema befassten, das nicht auf der Sitzungstagesordnung stand. Es ging um die zügige Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine. Kühnl informierte darüber, dass sich nach zwei Aufrufen seitens der Verwaltung bereits konkrete Anmeldungen für die Bereitstellung von privaten Wohnungen vorliegen. „Das wurde bereits mit dem Landratsamt abgestimmt“, schilderte er dankbar.

Doch auch die Verwaltung und die Gemeinderäte waren nicht untätig. Das Gremium hatte sich bereits im Gebäude des alten Kindergarten „Pfiffikus“ getroffen, das seit dem Umzug in den Neubau für die Kindertagesstätte leer steht. „Wir möchten den alten Pfiffikus parat machen“, informierte Kühnl, dass durch kleinere Maßnahmen, etwa den Einbau einer Dusche, Raum für Flüchtlinge geschaffen werden kann.

Drei Wohneinheit

Man könne drei Einheiten für jeweils zwei bis vier Personen (oder auch eine Person mehr) zur Verfügung stellen. „Das hängt von der Zuteilung ab“, fügte er an. In der einstigen Landeserstaufnahmestelle LEA in Ellwangen gebe es aktuell 150 Personen. Relativ wenig, da es „sich zeigt, dass relativ viele Flüchtlinge privat unterkommen“. Bereits Ende nächste Woche könne die Gemeinde Ruppertshofen die drei Wohneinheiten zur Verfügung stellen. Sofern die Installationen dann erfolgt sind. „Gespräche dazu gab es bereits mit Handwerkern“, schilderte Kühnl.

Susanne Grupp fand es „ganz arg toll, dass sich Ruppertshofen so stark bemüht“. Sie sah den alten Kindergarten als „geeignet“ an. Und war der Ansicht, dass die Flüchtlinge ohnehin nicht länger als nötig bleiben wollen. „Die möchten wieder in ihre Heimat zurück.“

Bürgermeister Kühnl kündigte weiter an, dass es noch viele Details zu klären gebe, wenn die Flüchtlinge vor Ort sind.

Unterstützung erhofft

Etwa, wenn es um Behördengänge, um Dolmetscher und Ähnliches gehe. „Oder kleine Alltagsfragen.“ Er hofft, auch Unterstützung aus der Bürgerschaft zu bekommen. Heinz Weller war der Ansicht, dass es wohl wenige Kommunen im Kreis gibt, die einen alten Kindergarten zur Verfügung stellen können.

Raum für Betreuung

Er plädierte dafür, einen Raum zur Betreuung der Flüchtlingskinder freizuhalten. Und eventuell diese Betreuung auch für geflüchtete Kinder in Nachbargemeinden anzubieten. Hier informierte Kühnl, dass es bereits Gespräche mit Jürgen Bitzer vom Berufvorbereitungswerk gab. In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt wird es dort Möglichkeiten für minderjährige Flüchtlinge geben. Auch im Kindergarten habe man Betreuungsmöglichkeiten für die Kleinsten. Dies begrüßte Eleonore Mangold. Sie hatte auch Sprachförderung im Blick. Susanne Grupp fragte sich, ob die jungen Mütter überhaupt zu Beginn eine Betreuung für ihre Kinder wollen. Und erkundigte sich nach psychologischer Betreuung. „Das Landratsamt hat Mitarbeiter“, meinte Kühnl. Allerdings bezweifelte er, dass diese „es schaffen, überall rumzukommen“. „Die Praxis wird es zeigen“, machte er deutlich, dass man zuerst abwarten müsse. Mangold pflichtete ihm bei: „Die Kinder brauchen eine Eingewöhnungszeit.“ Der Bürgermeister nickte: „Die müssen erst einmal ankommen. Denn sie haben keine Reise hinter sich, sondern eine Flucht. Wir müssen mit allem rechnen und flexibel sein.“ Einstimmig sprachen sich die Gemeinderäte dafür aus, den alten Kindergarten zum Wohnraum für Flüchtlinge umzuwandeln.

Blutspender geehrt

Die Ehrung von Mehrfachblutspendern stand am Donnerstag regulär auf der Tagesordnung. Für zehnfaches Spenden gab es Dank und Urkunde für Roman Knaus. 75 Mal hatte Otto Möllmann seinen Lebenssaft gespendet. Bürgermeister Kühnl beschrieb die „beispielgebende Hilfsbereitschaft“ und unterstrich, dass Blut nicht künstlich hergestellt werden kann. Er appellierte an beide Spender, weiterhin diesen Dienst am Nächsten zu leisten. „Bitte hören Sie jetzt nicht auf“, bat er. Als Gruß der Gemeinde gab's ein Saunatuch. ⋌⋌Anja Jantschik 

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