Einen „Viehfeiertag“ gibt es nur hier

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Links der Federbachstausee und rechts Schloss Horn
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Wie ein Drama vor über 340 Jahren sich ins Gedächtnis der Menschen eingegraben hat und wie man die Erinnerung an diese schlimme Erfahrung in Göggingen bis heute wach hält.

Göggingen. Es sind diese Gänsehautgeschichten, diese Urerfahrungen, die schaudern lassen: Hunger und Tod in jedem Haus. Über Wochen, Monate, Jahre. So tief hat sich dieses Drama aus den Jahren 1675 bis 1682 ins Gedächtnis der Menschen eingeprägt, dass der Tag, an dem die verheerende Seuche zum Stillstand kam, bis heute als Danktag gefeiert wird.

Exakt 340 Jahre lang gibt es diese Tradition jetzt in Göggingen und Mulfingen. Wie intensiv und nach welchen Regeln dieser so genannte „Viehfeiertag“ über die Jahre gefeiert wurde, lässt sich nicht lückenlos nachvollziehen. Überliefert ist aber, dass die Landwirte an diesem Tag nur die allernotwendigsten Arbeiten verrichten sollten, wie das Vieh versorgen. Und einen Gottesdienst habe es wohl immer gegeben, sind sich die historisch Bewanderten einig. Dass es im Dritten Reich nicht gelang, den Feiertag abzuschaffen, war ein Verdienst der Kirchen. Dass er heute wieder Strahlkraft besitzt über die Gemeinde hinaus, ist wohl auch der Idee von Bürgermeister Gerhard Häberlein und Rektor Willi Grimm zu verdanken, die in den 1980er Jahren die Schülerinnen und Schüler ins Gedenken an diese historische Katastrophe mit einbezogen. Immer am Donnerstag in der Luzienwoche - also um den 13. Dezember - ist unterrichtsfrei für die Mädchen und Jungs. In der Gemeindehalle wird der Tag von den Kindern dann ganz besonders gestaltet.

Zum Auftakt gibt es eine ökumenische Feier, an der Schülerinnen und Schülern mitwirken. Dann hat die Theater-AG der Grundschule ihren großen Auftritt. „Es sind immer nette Theaterstücke, bei denen es um die Themen Tiere, Natur und Dankbarkeit geht“, beschreibt Marlene Frank, die ab 1973 in Göggingen unterrichtet hat und von 1991 bis 2011 Rektorin der Grundschule und zudem lange Jahre Gemeinderätin war. Selbst schwierige Problematiken wie etwa der Rinderwahnsinn BSE oder Hungersnot konnten zum Viehfeiertag mit den Grundschülern besprochen werden. Und die Aufführungen in der Vorweihnachtszeit boten neben den Schauspielern auch den Musikschülern die Gelegenheit, vor Publikum ihr Können zu zeigen.

Und abends feiern in Göggingen dann die Erwachsenen den Viehfeiertag. So wie seit 340 Jahren mit einem ökumenischen Gottesdienst, der jedes Jahr von einem anderen Verein mitgestaltet wird. Und hinterher mit einem netten Beisammensein in der Geslach. Coronabedingt war das in den vergangenen Jahren ausgefallen - „ich glaube aber schon, dass das wiederkommt“, ist Marlene Frank überzeugt.

Bekannter Kopf

Sie betreibt rein ehrenamtlich eine Einrichtung, die Göggingen weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt gemacht hat: Elke Wengert. Ihre Wildtierauffangstation hat schon unendlich viel Tierleid verhindert und manch menschlichen Frevel an der Natur abmildern können. Ihr gesunder Menschenverstand und ihr Händchen für Tiere sind beeindruckend und jede Unterstützung wert - zum Beispiel mit einer Spende auf das Konto: DE 03 61490150 1038305420.

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Zu Göggingen gehören die Ortsteile Mulfingen und Horn. Wobei erwähnt sein soll, dass Mulfingen älter ist als Göggingen und bereits 783 erstmals in Dokumenten auftaucht. Von Horn aus blickt man auf eine idyllische Landschaft mit dem Federbachstausee. Wer an dessen Gestade steht und zurück zum Ort blickt, sieht das 1762 fertiggestellte Schloss rechts oben auf dem Berg grüßen. Es wurde auf Ruinen der einstigen Burg aus dem 14. Jahrhundert erbaut.

Schon gewusst?

Den größten Natur-Irrgarten Süddeutschlands gibt es am Götzenbachstausee bei Göggingen. Bepflanzt ist er mit rund 700 m Ligusterhecke. Die Weglänge beträgt rund 800 Meter, der direkte Weg zum Ziel liegt bei rund 410 Meter. Mittendrin im Heckengarten befindet sich eine Aussichtsplattform, von der Besucher in die idyllische Landschaft rund um den Götzenbachstausee blicken können. Auftraggeber des Projekts war der Wasserverband Kocher-Lein.

Vormittags wird am Donnerstag der Luzienwoche in der Gemeindehalle Theater gespielt und ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, an dem die Schülerinnen und Schüler mitwirken.
Elke Wengert mit einem geretteten Minischwein.

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