Junge Igel dürfen tags unterwegs sein

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Igel bei Elke Wengert v.l. 5 Wochen,4 Wochen,3 Wochen
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Nicht immer sollten die Menschen aktiv werden. Elke Wengert von der Gögginger Wildtierauffangstation gibt wichtige Tipps für Igelfreunde und Gartenbesitzer.

Göggingen

Gut gemeint ist selten gut.“ Selten passt diese deprimierende Analyse besser. Denn kaum jemand hat wirklich Ahnung, wenn es um Tiere geht, die in der Natur leben, aber fast jeder will helfen, wenn er einem Wildtier begegnet. Vor allem, wenn es sich um ein Jungtier handelt.

Elke Wengert muss in ihrer Wildtierauffangstation dieses Phänomen gerade ausbaden. Sie wird überrannt mit jungen Igeln, die die Leute in ihren Gärten finden und ohne Not aus dem natürlichen Umfeld herausreißen. Oder, schlimmer noch, selbst zu retten versuchen und dabei das falsche Futter anbieten.

Die engagierte Wildtierexpertin rät dringend zur Gelassenheit und erklärt: Ein junger Igel, der tagsüber auch längere Zeit im Garten sitzt, ist nicht weit weg vom Nest. Dort liege - nach der anstrengenden Futtersuche in der Nacht - die Igelmama im Tiefschlaf auf dem Rücken, so dass die Jungtiere sich jederzeit an der „Milchbar“ bedienen können. Wenn die Igelchen drei, vier oder fünf Wochen alt sind, sei ihnen schnell langweilig im Nest und sie gehen auf Entdeckungstour, die gerne auch mal länger daure. Spätestens abends werde die Rasselbande von der Igelmutter wieder eingesammelt. Falls der gut meinende Mensch ihn nicht vorher aufgelesen habe.

Junge Igel, die außerhalb des Nests sind, brauchen die Hilfe des Menschen, wenn sie nicht größer sind als vier bis fünf Zentimeter, noch rosafarben sind und eher aussehen wie Tannenzapfen. Oder wenn sie verletzt sind, voller Maden oder Fliegeneier. Oder wenn sie apathisch in der prallen Sonne liegen, sagt Elke Wengert.

Wer total unsicher ist, kann ihr sicherheitshalber den kleinen Vierbeiner auch zur Begutachtung vorbeibringen, um das Tier wieder mitzunehmen, wenn alles in Ordnung ist. „Bitte auf keinen Fall den Selbstversuch starten und die kleinen Igel füttern. Die sind nämlich sehr empfindlich und kommen schnell an den Punkt, an dem auch wir ihnen nicht mehr helfen können“, sagt Elke Wengert. Regenwürmer oder Nacktschnecken sind für Jungtiere zum Beispiel total ungesund und obendrein übertragen sie gefährliche Parasiten wie Darmsaugwürmer oder Lungenwürmer.

Wer, weil es immer weniger Insekten gibt, den Igeln ein Ersatzfutter zukommen lassen möchte, der könne ihnen hochwertiges, proteinreiches Nassfutter für Katzen anbieten - ohne Jelly und Soße und ein Schälchen mit Wasser. Auf gar keinen Fall aber Milch. Auch die könne tödlich sein.

Darüber hinaus rät Elke Wengert dringend, den Mähroboter, wenn es unbedingt sein muss, nur tagsüber zwischen 10 und 17 Uhr einzusetzen. Und beim Heckenschneiden darauf achten, dass die Schere in kein Igelnest trifft. Ebenso gefährlich ist hier der Rasentrimmer. Obendrein sind Igel darauf angewiesen, dass die ein Loch in der Gartenumzäunung finden können sowie am besten einen Laubhaufen und ein ungemähtes Eckchen zum Verstecken. Elke Wengert und ihre Helferinnen Hilde Maier und Ilona Tauporn füttern derzeit 38 Igelwinzlinge. Wer sie beim Kauf der Spezialmilch unterstützen möchte, spendet auf das Konto: DE 03 61490150 1038305420.

Wenn die Igel so winzig sind, brauchen sie Hilfe.
Elke Wengert und Ilona Tauporn (l.) ernähren die Igelchen mit Spezialmilch. Gesunde Igelbabys die drei, vier oder fünf Wochen alt (Bild unten in der Mitte von rechts) und tagsüber unterwegs sind, finden in der Regel alleine ins Nest zurück. Nur Winzlinge brauchen Hilfe.⋌

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