Viele Erfolge und mancher Aufreger

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Göggingen Bürgermeister Walter Weber 30 Jahre
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Was Walter Weber im Rückblick auf fast 30 Jahre als Bürgermeister in Göggingen erzählt. Am heutigen Mittwoch wird er in der Gemeindehalle offiziell verabschiedet.

Göggingen

Fast 30 Jahre ist Walter Weber Chef im Gögginger Rathaus gewesen. Dann hat er beschlossen: „Jetzt wird es Zeit für neue Ideen, für frischen Wind, für eine neue Sichtweise auf die Gemeinde.“ Es habe keinen wirklichen Anlass gegeben für seinen Rücktritt, versichert der 59-Jährige. Einfach öfter das Gefühl, ein „Steinzeitreptil“ zu sein - etwa, wenn es um die Herausforderungen der Digitalisierung ging. „Das ist einfach nicht mehr meins“.

Angefangen hat Walter Weber im März 1992 als Bürgermeister in Göggingen. Als „Amtsverweser“ zunächst, weil Dauerkandidat Karl Borromäus Fischer damals Einspruch eingelegt hatte gegen die Wahl im Dezember und Webers Vorgänger Gerhard Häberle seine neue Bürgermeisterstelle in Blaustein schon angetreten hatte. Erst im Oktober konnte Walter Weber offiziell ins Amt eingesetzt werden.

Trotzdem hat sich der junge Finanzexperte, der unter anderem Berufserfahrung in der Verwaltungsgemeinschaft Rosenstein gesammelt hatte, schnellstmöglich für die Gemeinde eingesetzt. An seinen ersten halboffiziellen Termin erinnert sich Walter Weber noch gut: Noch vor dem 1. März musste das verwaiste Rathaus gegen die Burgstuhlhexen verteidigt werden. Ehrensache für den Frischgewählten. Zumal die Fastnachter ihm sogar einen nächtlichen Fahrdienst nach Hause, damals noch Fachsenfeld, organisiert hatten, so dass er in vollen Zügen mitfeiern konnte.

Walter Weber hat sich von Anfang an gut aufgenommen gefühlt in der Gemeinde. Langjährige Gemeinderäte wie etwa Hans-Siegfried Wörner aber auch Hans Kratzer und Marlene Frank haben ihn mit Rat und Tat unterstützt, erzählt er. Schnell konnten mit dem Gemeinderat erste große Projekte umgesetzt werden: Eine Einkaufsmöglichkeit im Gewerbegebiet zum Beispiel - notwendig, weil die kleineren Läden im Ort nach und nach geschlossen haben; die Ansiedlung eines Hausarztes. „Da haben wir sehr viel Glück gehabt“, findet Walter Weber. Dann wurden mit dem Strukturplan Göggingen-West Bauplätze ausgewiesen. Horn bekam sein Baugebiet in der Hinteren Gasse am Federbachsee. Schulhauserweiterung, Bauhof-Neubau, Erweiterung der Gemeindehalle, die Umsiedlung der Einkaufsmärkte in Richtung Göggingen West, das neue Seniorenheim dort, zuletzt der Neubau des Kindergartens - das ganze Programm aus fast 30 Jahren kann der Noch-Bürgermeister gar nicht alles aufzählen.

Einige richtige Aufreger seien auch darunter gewesen - erinnert er sich: Zum Beispiel 1992/93 die Entscheidung, dass die Mädchen und Jungs aus Horn nicht länger nach Leinzell, sondern nach Göggingen in den Kindergarten gehen sollten. „Wir hatten damals mehr als genug Platz. Und wir sollten außerdem für die Horner Kinder, plötzlich eine Kostenbeteiligung an die Kindergartenträger in Leinzell bezahlen“, erzählt Weber und analysiert: Im Nachhinein habe die Veränderung dem Miteinander in der Gemeinde gutgetan. Vor allem im Vereinsbereich seien die Verbindungen nach Horn viel enger geworden. Weitere echte Aufreger waren der Mobilfunkmast auf dem Wasserturm im Jahr 2001 oder die Windkraftpläne nach Fukushima 2011. Nicht alles habe sich in Wohlgefallen aufgelöst, sagt Walter Weber im Rückblick. Aber es seien Lösungen gefunden worden, mit denen Göggingen leben könne.

Besonders stolz macht ihn, dass in der Gemeinde Stück für Stück auch die Infrastruktur verbessert wurde, die man nicht auf den ersten Blick sieht: Wasser- und Abwasserkanäle. In der Regel ungeliebte Aufgaben, weil sie richtig ins Geld gegen. „Trotzdem haben wir finanziell geordnete Verhältnisse“, freut sich der Finanzexperte, der Walter Weber stets geblieben ist, über aktuell nur ganze 17 Euro Pro-Kopf-Verschuldung im Haushalt.

Was ein Mensch braucht, um fast 30 Jahre Bürgermeister zu sein? „Beharrlichkeit“, weil sich manches nicht so schnell umsetzen lasse. „Ruhe und Gelassenheit“, weil man sich nicht wegen allem verrückt machen dürfe und immer das große Ganze sehen müsse; und „die feste Absicht, immer das Beste zu geben für die Gemeinde“, weil man dann nicht bei jedem Gegenwind hektisch werden müsse.

Walter Weber wird in seinem Ruhestand seine Hobbys pflegen: im DRK Ortsverein oder im Tennisverein. Er will das Dorfauto fahren und sicher öfter in Urlaub gehen. An diesem Mittwoch wird er in der Gemeindehalle offiziell verabschiedet.

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