Vom alten Baum in die Pflege-Voliere

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Was täte die Auffangstation ohne die gespendete neue Voliere?
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Warum Elke Wengert in ihrer Wildtierauffangstation in Göggingen zurzeit ein Gelege junger Waldkäuze aufpäppelt und was sie grundsätzlich zum Umgang mit „Fundtieren“ rät.

Göggingen

Kein Tag ist wie der andere, in der Wildtierauffangstation in der Stuifenstraße. Immer wieder gibt es neue Herausforderungen, bei denen Elke Wengerts ganzes Expertenwissen gefragt ist und jede Menge recherchiert werden muss, um den jeweils neuen Patienten gerecht werden zu können. Junge Waldkäuze sind es zum Beispiel in diesem Frühjahr, die in ungewöhnlich hoher Zahl abgegeben werden. Einige seien so schwach, dass sie bewusstlos sind. Dann sei Hilfe nötig, sagt Elke Wengert. Gleichzeitig bekräftigt bei dieser Gelegenheit aber ihre wichtigste Bitte: Tiere nur dann anzufassen oder mitzunehmen, wenn sie sichtbar verletzt sind. So genannte Astlinge, das sind junge Käuze die „nur“ vom Baum gefallen sind, „werden von ihren Müttern wieder geholt. Deshalb muss man sie sitzen lassen“. Wer hier eingreift, störe die Natur, anstatt den Tieren zu helfen.

Anders ist das mit den vier Waldkäuzen, die gerade in der Auffangstation gepäppelt werden. Sie seien noch zu winzig fürs Umsiedeln gewesen, als ihr Zuhause im Rems-Murr-Kreis wegen Umsturzgefahr gefällt werden musste, erzählt Elke Wengert. Der alte Baum sei völlig ausgehöhlt gewesen und wäre wohl beim nächsten Wind auf das Haus daneben gekracht. Seit Wochen ist sie deshalb nun auch Vogelmama, füttert die Käuzchen - zunächst mit der Pinzette, später von Hand. Zum Glück, freut Wengert sich, habe eine edle Spenderin der Wildtierauffangstation zu einer geeigneten Voliere verholfen. Hier können die Jungtiere sich inzwischen nachts auch im Mäusefang üben. Denn das Ziel ist, sie schnellstmöglich wieder auszuwildern. Das nämlich ist und bleibt die unumstößliche Devise der Arbeit von Elke Wengert.

Die neben den Waldkäuzen zurzeit auch einer verletzten Wildente Asyl bietet. Die kommt aus Donauwörth und wird, sobald der gebrochene Fuß verheilt ist, dort auch wieder freigelassen. „Ich kann nur Tiere aufnehmen, wenn ich hinterher weiß, wo sie hinkommen“, macht Wengert deutlich.

Das junge Wildschwein, das ihr neulich die Polizei vorbeigebracht hat, werde später im Wildgehege bei Jäger Alfred Roder in Aalen leben können.

Und auch für die possierlichen Jungfüchse, die aus dem Schwarzwald, von Blaustein und Großbottwar gebracht wurden und die nach wochenlanger Pflege inzwischen so kräftig sind, dass sie in Elke Wengerts ehemaligem Wintergarten im unermüdlichen Spiel untereinander ihren Jagdtrieb schulen, ist eine Bleibe in einem Wildgehege gefunden.

Ziel ist es, alle Tiere wieder auszuwildern.“

Elke Wengert,, Wildtierexpertin

Das Hauptproblem ist der Hunger

Bekannt ist Elke Wengert nach wie vor als Igel-Expertin. Deshalb ist es kein Wunder, dass sie in ihrer Auffangstation hauptsächlich verletzte und kranke Igel aufpäppelt und umsorgt. Rund 40 Exemplare müssen derzeit betreut werden. Ganz auffallend sei, dass die meisten dieser Nützlinge am Verhungern sind, sagt Elke Wengert.

Ein Leiden, das sie im übrigen vermehrt auch bei den Singvögeln diagnostiziert. In den vermeintlich gepflegten Gärten in Siedlungen gebe es mittlerweile einfach viel zu wenige Insekten, erklärt Wengert das. In der Wildtierstation benötigt sie aktuell täglich ein Kilogramm Mehlwürmer, um das Nahrungsdefizit ihrer Patienten auszugleichen.

Spendenkonto: DE 03 614901501038305420 Kontakt: (07175) 8773

Noch scheint die Maus ein allzu riesiger Leckerbissen zu sein.
Obwohl sie noch jung und vergleichsweise schwach sind, haben die Waldkäuze scharfe Krallen. Bei der Pflege und beim Füttern trägt Elke Wengert deshalb Lederhandschuhe.

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