Grillen und chillen bei Aprikosensauce

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Warum die Früchte des Sommers nicht nur als Marmelade taugen und es sich lohnt, Nelkenwurz, Mädesüß und Steinklee zu sammeln.

Abtsgmünd-Hangendenbuch

Fleischlos grillen? Nicoletta Diebold liefert erneut den Beweis, dass das keine triste Angelegenheit sein muss. Die Kräuterexpertin vom Koiserhof - hoch über dem Kochertal bei Abtsgmünd-Hangendenbuch - ist selbst eine, die das Leben im Sommer gerne nach draußen verlegt. Im Garten, in einem Park, auf dem Campingplatz oder am Flussufer mit Freunden schmecke alles viel besser, findet sie. „Grillen und Chillen, eine geniale Kombination und für viele das schmackhafteste Hobby, das es gibt“, versichert die Frau, die es aus Dewangen einst in jungen Jahren in den Norden verschlagen hatte. Die längst aber zurückgekommen ist und die Heimat umso mehr schätzt und kennt.

Klar, sagt Nicoletta Diebold schmunzelnd, bringe jeder zum Grilltreffen im Sommer etwas mit. Beim gemütlichen Hock am Feuer brutzeln normalerweise Fleisch, Fisch oder Grillkäse - aber immer öfter eben auch Gemüse, Beeren oder Früchte. Letztere können pur auf einen Spieß gesteckt werden oder pikant mariniert als Ganzes auf den Grillrost. Wer aber keinen Grill anwerfen und die Rezepte trotzdem ausprobieren möchte, könne sowohl die Gemüsespieße, als auch das aufgespießte Obst auf einem Backblech im Ofen bei 250 Grad etwa zehn Minuten garen.

Gerne macht Nicoletta Diebold auch ihre Grillsaucen selbst, denn: „Das schmeckt viel besser. Man bestimmt selbst, was drin ist und spart sich die ganzen Zusatzstoffe. Ihre Erfahrung: „In der Grillsauce schmecken fruchtige Komponenten besonders delikat und bringen außerdem eine angenehme Säure mit sich.“ Ob Pflaume, Pfirsich oder Aprikose, Feigen oder Mango - einfach experimentieren und Früchte mit Gewürzen kombinieren. Vieles ergänze sich aufs Wunderbarste.

Als heimische Schmankerl hat Nicoletta Diebold diesmal Nelkenwurz, Steinklee und Mädesüßsamen ausgewählt. Und kann dazu Folgendes erzählen:

Die Nelkenwurz ist eine heimische, immergrüne Pflanze, die selbst im Winter noch ihre grüne Blattrosette behält und zum Beispiel im Weihnachtsbäckerei oder im Glühwein prima schmeckt. Die Nelkenwurz enthält in ihrer Wurzel Eugenol, einen aromatischen Pflanzenbegleitstoff, der auch in der echten Gewürznelke aus Indien steckt und genauso verwendet werden kann. Die Wurzel wird ausgegraben, gewaschen, zum Trocknen ausgelegt und kann dann, wie in der Beispielsoße, mit den getrockneten Mädesüßsamen und den getrockneten Steinkleeblüten vermahlen werden.

„Mädesüß heißt auch Wiesenkönigin, sie steht mit feuchten Füßen am Bachrand oder feuchten Stellen am Wald und Wegesrand. Sie bringt ein marzipanartiges Aroma mit sich und hat schon den Kelten gedient, um deren Met zu aromatisieren. Derzeit blüht sie überall im Ostalbkreis für viele Insekten bereit, aber auch wir sind eingeladen uns ein wenig abzupflücken, um so neue Aromen, heimische Aromen kennenzulernen.

Der Steinklee blüht aktuell in Gelb oder Weiß am steinigen Wegesrand, auf Schotterplätzen und überall da, wo nicht gespritzt wird und genügend Kalk im Boden steckt. In ihm steckt Cumarin, eine aromatische Substanz, die ein vanilleartiges Aroma mit sich bringt, vergleichbar mit der Tonkabohne oder Waldmeister, die ebenfalls Cumarine enthalten. Die Cumarine werden stets beim Verwelken freigesetzt und stecken in vielen Pflanzen. Deshalb riecht es auch so wohlig, wenn der Rasen gemäht wird oder das Heu auf der Wiese liegt.

Selbst gemacht schmeckt es besser.“

Nicoletta Diebold,, Kräuterexpertin
  • Aprikosen in der Grillsauce und auf Gemüse spießen
  • Zutaten der Sauce: 300g Aprikosen, 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 4 El Sesamöl, ½ Chili, 2 EL Zitronensaft, 1 EL Senf, 1 EL Rohrzucker oder Sirup, ½ TL Salz, Nelkenwurzpulver von einer Nelkenwurz-Wurzel, 3 Steinkleeblüten, 1 Tl Mädesüßsamen, Miteinander vermengt kann das Ergebnis abgefüllt und mehrfach verwendet werden.
  • Vegane Grillspieße: Es eigenen sich Zucchini, Paprika, Auberginen, Tomaten oder auch Pilze und Spargel, ergänzt mit Zwiebelscheiben, Tofu, Seitan oder Tempeh, aber natürlich auch mit Schafskäse oder Fleisch sind möglich. Diesmal verwendet die Variante ist mit Tofu, Paprika, Zwiebeln, Champignons und Aprikosenhälften. Das Gemüse in 2-3 cm große Würfel oder Scheiben schneiden; in einer großen Schüssel mit Brennnessel-Grillgewürz und reichlich Öl schwenken und mit den Händen vermischen. Anschließend auf kurze oder lange Holzspieße aufspießen. Bei mittlerer Hitze zehn Minuten garen.
  • Unerschöpflich ist der Wissens und Erfahrungsschatz von Nicoletta Diebold. Aktuell fasst sie einiges zusammen. Ihr Buch „Die wilde Hexenküche der Ostalb“ als kulinarische Reise durch die heimische Kräuterlandschaft erscheint im kommenden Frühjahr. Sie veranstaltet unter ihrem Label Heimatblume seit 2013 Kräuterrundgänge auf dem Koiserhof und ist Gründungsmitglied und im Verein Kochergarten.
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Mädesüß gehört zu den Kräutern, die sich hier vielfach finden lassen.
Grillspieße mit Gemüse - lecker und gesund
In der Flasche abgefüllt, lässt sich die Soße gut dosieren und auch später verwenden

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