Ein Hoffnungsträger in der Krise

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Gschwend Einholung Garbenwagen
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Mit der Einholung des Garbenwagens gedenken die Gschwender des Endes der Missernten im 19. Jahrhundert und können neuen Mut schöpfen in einer schwierigen Zeit.

Gschwend 

Es hatte den Anschein, als wären die liebevoll geflochtenen Blumenkränze in den Haaren der Mädchen aus dem Kindergarten Buschberg noch ein wenig farbenfroher. Und es hörte sich an, als würde die hundertfache Besucherschar noch etwas lauter in das vom Musikverein unter der Leitung von Frieder Geiger angestimmte Lied „Nun danket alle Gott“ einstimmen, das traditionell vor der evangelischen Kirche in Gschwend beim Einholen des Garbenwagens gesungen wird. Diesen hatten die Konfirmanden und die Kinder des Kindergartens Buschberg mitsamt den Mitgliedern der Trachtengruppe im historischen Gewand sowie Pfarrer Jochen Baumann zur Kirche begleitet.

Vor der Kirche hatten die beiden Pferde Don Juan und Klara, die den Wagen zogen, ihr Ziel erreicht. Zahllose Handys wurden gezückt, um das prächtig geschmückte Gefährt abzulichten. „Einfach herrlich“, stellte auch Bürgermeister Christoph Hald angesichts der Garben und der üppigen Blumengirlanden auf dem Wagen fest.

„Der Garbenwagen ist ein dankbares Zeichen für eine überstandene Krise, ein Hoffnungsträger“, erinnerte Pfarrer Baumann an das Jahr 1817, als eine jahrelange Zeit der Missernten endlich ihr Ende fand und wieder der erste Garbenwagen vom Feld geholt werden konnte. Damals, so resümierte der evangelische Geistliche, hatte ein verheerender Vulkanausbruch in Indonesien eine solch große Aschewolke gen Himmel gesandt, dass es über ein Jahr keinen Sonnenschein in Europa und in Deutschland gab. Was besagte Missernten erzeugte, die Hungersnöte mit sich brachten, und manche Familie zum Auswandern nach Amerika animierte. Andere blieben und nutzten die dunkle Zeit, um Neues auszuprobieren. Etwa die Engländerin Mary Shelley, die in dieser Zeit den Roman „Frankenstein“ schrieb. Oder Karl von Drais, der in dieser Zeit das Laufrad erfand. So wollte er weniger Pferde zum Einsatz bringen, um wertvolles Futter einzusparen.

Die Hilfe kommt vom Herrn

Das walte Gott“, animierte der Pfarrer die Besucher, sich an einem Land zu erfreuen, „wo es gut ist“. Er freute sich, als die Gäste in der Kirche Platz genommen hatten, darüber, dass man nun, nach zwei Jahren Pandemie endlich wieder im Gotteshaus den Erntebitt-Gottesdienst feiern konnte. „Nach zwei Jahren mit Feier auf dem Acker und auf einer großen Freifläche im Ort.“ Besonders die Landwirte könnten feiern, sei in diesem Jahr doch genug gewachsen.

„Geh aus mein Herz“, sang die Gemeinde lautstark, um die Kindergartenkinder zu unterstützen. Liedtexter Paul Gerhardt hätte seine wahre Freude gehabt, denn alle Generationen sangen seine Naturbeschreibung inbrünstig mit. Wiederum der Kirchenchor unter der Leitung von Heiner Schürle sang „Das Brot, das wir teilen“.

In der Predigt betonte Pfarrer Baumann, dass es nur einen Schöpfer gibt: Gott. Der Mensch könne zwar viel initiieren und erbauen, doch Gott allein könne Leben spenden. Und so komme auch „die Hilfe vom Herrn“, beschrieb er. „Der Garbenwagen erinnert uns daran. Wir sollen weitermachen und aus ihm Mut  tanken.“

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Fotos: Tom
Pfarrer Jochen Baumann sprach vom Gabenwagen als Zeichen einer üb erwundenen Krise.
Zum traditionellen Ereignis im passenden Gewand.

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