Fachkräftemangel und Klinikstandort bereiten Sorge

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Gschwend Gemeindehalle Gesundheits- und Pflegeversorgung
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Zweite Runde zum Thema Gesundheits- und Pflegevorsorge in der Gemeinde Gschwend.

Gschwend. Mancher Gschwender weiß nicht, was hier alles geht“, merkte Bürgermeister Christoph Hald gegen Ende der lebhaften Gesprächsrunde an. Zum offenen Austausch im Foyer der Gemeindehalle waren alle ehrenamtlich und beruflich Tätigen im Bereich von Gesundheit und Pflege eingeladen – der entsprechende Personenkreis reicht in Gschwend von Apotheker bis Zahnärztin.

Der gute Erfolg der Wanderkarte „Aussichtsreich“, hatte den Rathauschef veranlasst, sich zusammen mit einem ausgewählten Personenkreis zunächst Gedanken zu Tourismus und Gastronomie und jetzt auch zu Gesundheit und Pflege in der Gemeinde zu machen. Die Marketing-Idee, in der Folge weitere regionale Karten, wie zum Beispiel „Gesundheitsreich“ oder „Pflegereich“, für Gäste, Neubürger und Einheimische aufzulegen, hat positive Nebeneffekte. So wurde eine mögliche Karte zum Thema „Versorgungsreich“ und eine Zusammenstellung der regionalen Ausbildungsmöglichkeiten („Ausbildungsreich“) bei der offenen und recht lebhaften Gesprächsrunde der 15 Teilnehmenden angedacht. Die Anwesenheit der beiden örtlichen Allgemeinärzte, Dr. Maria Simon del Rio und Dr. Achim Röhm, der Vertreter von DRK und Notfallteam Sarah Hieber und Philipp Mailänder, der Praxis für Ergotherapie von Ellen Keefer-Scheppe und der Sozialstation Gaildorf mit Andrea Beck (Leitung), Alexandra Bauer, Martina Hähnl und Tabea Hinderer sorgte dafür, dass viele Bereiche abgedeckt waren. Hinzu kamen das Bürgerbüro mit Heinz Förstner, der im letzten Jahr 24 000 Kilometer Fahrdienste organisiert hat, und Apotheker Klaus Görner, der inzwischen seit 32 Jahren seinen Beruf ausübt und auf der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger ist.

Im Zentrum der Probleme bei der Gesundheits- und Pflegevorsorge steht ganz offensichtlich der Fachkräftemangel, der sich gegenwärtig in allen Bereichen bemerkbar macht. Wenn zum Beispiel in Abtsgmünd nur noch 1,5 praktizierende Ärzte zur Verfügung stehen (seither 4,5), nimmt die Zahl der hilfesuchenden Patienten aus dieser Region auch im gut versorgten Gschwend zu.

Vor allem Fachärzte wie Kardiologen oder Gynäkologen, aber auch Hebammen und Kinderärzte seien zunehmend schlecht zu finden. „Die Kapazitäten der Ärzte sind erschöpft und Neuaufnahmen schwierig“, betonten Dr. Simon del Rio, Dr. Röhm und auch Ellen Keefer-Scheppe. Urlaubsvertretungen zu finden, sei deshalb fast nicht möglich. Hausbesuche kämen nur noch in Ausnahmefällen in Frage.

Auch die Vertreterinnen der Sozialstation berichteten über ähnliche Probleme und wünschten sich regionale Ausbildungsangebote in den Bereichen der Alten- und Krankenpflege, aber auch für die individuelle Betreuung im Alltag der Betroffenen bis hin zur ambulanten Hospizbegleitung.

Im Hinblick auf diese Engpässe kam auch der Einsatz der Telemedizin zu Sprache, die jedoch einhellig abgelehnt wurde. „Die wird nie Ersatz werden“, meinte Dr. Achim Röhm. Heinz Förstner schob als weiteres Argument nach: Aktuell könne die Fahrdienstbegleitung wegen der Pandemie die Patienten nur bis zur Pforte des Krankenhauses bringen, dann seien die Personen oft auf sich alleine gestellt und häufig hilflos. Den persönlichen Kontakt brauche es einfach.

Zur Beseitigung des akuten Fachkräftemangels wurde auch erwogen, interessierten und geeigneten Personen Baugrundstücke anzubieten, wobei Christoph Hald betonte, dass der Grundstücksbestand schon jetzt sowohl Gschwendern als auch Auswärtigen angeboten werde.

„Ich muss auch die Raumschaften sehen“, merkte Bürgermeister Hald an. Die gegenwärtige Diskussion um die Klinikstandorte Aalen, Ellwangen und Mutlangen bereite ihm Sorgen. Der Idee, die Krankenhäuser von Mutlangen und Aalen durch einen Neubau für rund 600 Millionen Euro zwischen den beiden Standorten zu ersetzen, erteilte er eine Absage, da dieser dann zu weit von Gschwend entfernt sei. Rainer Kollmer

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