Feine Schau mit kleinem Fragezeichen

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Die Bilder der Menschen könnten unterschiedlicher nicht sein: links Soldaten in den Karpaten im Zweiten Weltkrieg. Oben das vernichtete Bild der „Heroen“ aus dem Ratssaal Aalen. Im Museum Horlachen erklärt Sibylle Hornung die Werke von Peter Jakob Schober (r.). ⋌Fotos: aks/pr
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Gschwender Museumsverein zeigt seine besondere Sammlung mit Werken von Peter Jakob Schober und diskutiert auch die Frage der NSDAP-Mitgliedschaft des Künstlers.

Gschwend

Es sind kleine Schätze, die das Museum Gschwend in den Jahren gesammelt hat: Lithografien, Aquarelle, Drucke und vor allem Bleistiftzeichnungen des bedeutenden Gschwender Malers Peter Jakob Schober. Vor allem der Vorsitzende Ralf Brix habe viele der kleinen, aber feinen Blätter aufgespürt, erzählt Stellvertreterin Sibylle Hornung, die deshalb derzeit an den Museumssonntagen durch eine spannende Ausstellung führen kann, „ganz ohne Leihgaben“, wie sie nicht ohne Stolz anmerkt.

Bei diesen Führungen erzählt Sibylle Hornung aus dem Leben des berühmten Gschwenders, dessen Nichte noch heute das Haus in der Steingasse 4 bewohnt. Der Nachbar hat finanziell mitgeholfen, um dem begabten Kind eine Ausbildung zu ermöglichen, die sein künstlerisches Talent berücksichtigt.

In beiden Weltkriegen musste der Maler an die Front - eindrückliche Bleistiftzeichnungen gibt es davon in der aktuellen Gschwender Ausstellung. Sie zeigen Menschen, mit denen der Betrachter fühlen, deren Gedanken er praktisch lesen kann. Daneben wirken zwei Porträts aus der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre starr, flach. Als habe eher ein Anfänger zur Feder gegriffen. „Wir wissen leider nicht, wen Schober hier gemalt hat“, beantwortet Sibylle Hornung die entsprechende Nachfrage.

Und noch einmal muss sie passen. Auch die Ausstellungsmacher des Heimatvereins kennen die jüngsten Ausführungen des Provenienzforschers Kai Artinger. Dieser hat „braune Flecken“ auf der weißen Weste des Gschwender Malers diagnostiziert, weil Schober Mitglied der NSDAP war. Verbunden hat Artinger das mit dem Hinweis, dass dieser 1959 den Ministerpräsidenten Gebhard Müller und 1981 den Ministerpräsidenten Hans-Karl Filbinger gemalt hat und beide Porträts heute in der Villa Reitzenstein hängen.

Ob Peter Jakob Schober tatsächlich dem Nationalsozialismus nahe stand, lasse sich aus den Werken der Gschwender Ausstellung nicht analysieren. „Wir gehen eher davon aus, dass er ein Mitläufer war, um zu überleben und Aufträge zu bekommen“, sagt Ralf Brix. Viele seien damals Mitglied in der NSDAP gewesen, auch um sich und ihre Familien zu retten. „Wir können Peter Jakob Schober heute nicht mehr befragen, wie das bei ihm war und kennen seine Einstellung nicht.“

Eine Analyse, die indirekt wohl auch Karlheinz Bauer bestätigt. Der Historiker hat im Aalener Jahrbuch 1986, erschienen im Konrad Theiss Verlag, über die Malereien berichtet, die der Gschwender Künstler 1936 für den neuen Ratssaal anfertigte. Als fortlaufende Bilderfolge im oberen Drittel über der Holzvertäfelung schilderten sie die Kampfjahre der NS-Bewegung. Am 25. und 26. Juli 1936 wurde der Saal, an dessen Stirnseite eine Hitlerbüste von Fritz Nuss platziert war, mit großem Pomp der Öffentlichkeit übergeben. Sechs Tage später begannen die Olympischen Spiele in Berlin. „Bilder aus einer heroischen Zeit“, hat Karlheinz Bauer seine 26 Jahre zurückliegende Analyse beschrieben und Grafiken von dem angefügt, was nach Kriegsende umgehend zerstört - in diesem Fall grün übermalt und tapeziert - wurde: heldenmütig starr blickende Menschen, die den Betrachter kalt lassen. In seinen Bemerkungen zur Künstlerpersönlichkeit beschreibt Karlheinz Bauer den Gschwender Maler als „Schwäbischen Individualisten“, der sich vom ideologischen in der Kunst ferngehalten habe.

Am 4. September ist wieder Museumssonntag in Horlachen mit Führungen durch die Ausstellung.

Sibylle Hornung erklärt bei der Führung des Werdegang des Gschwender Künstlers Peter Jakolb Schober
Bleistiftzeichnung die den Betrachter mit den Soldaten mitleiden lässt, die in den Karpaten ihre Fahrräder den Berg hinaus befördern müssen.
Heroisches Schober-Gemälde aus dem Aalener Ratssaal 1936. Nach 1945 wurde es übermalt und mit einer Tapete bedeckt.
Die junge Frau: Ein Lieblingsbild der Ausstellungsmacher und -besucher.
Peter Jakob Schober, ein Selbstporträt

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