Krisen bringen Sternstunden

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"Don Juan" und "Diana" ziehen den prachtvoll geschmückten Garbenwagen durch die Ortsmitte.
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In Gschwend wird der Garbenwagen zum Erntebittgottesdienst geleitet. Trotz Regens versammeln sich viele Besucher auf dem Parkplatz bei der Raiffeisenbank.

Feierliche Einholung des Garbenwagens in Gschwend

Garbenwageneinholung in Gschwend
Garbenwageneinholung in Gschwend © Tom
Garbenwageneinholung in Gschwend
Garbenwageneinholung in Gschwend © Tom
Garbenwageneinholung in Gschwend
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Garbenwageneinholung in Gschwend
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Garbenwageneinholung in Gschwend
Garbenwageneinholung in Gschwend © Tom
Garbenwageneinholung in Gschwend
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Die Sprösslinge der Kindergärten singen "Geh aus mein Herz ..." mit Pfarrer Jens Baumann.
Die Sprösslinge der Kindergärten singen "Geh aus mein Herz ..." mit Pfarrer Jens Baumann. © Tom
Garbenwageneinholung in Gschwend
Garbenwageneinholung in Gschwend © Tom
Trotz Regen gute Stimmung beim Umzug.
Trotz Regen gute Stimmung beim Umzug. © Tom
Garbenwageneinholung in Gschwend
Garbenwageneinholung in Gschwend © Tom
Garbenwageneinholung in Gschwend
Garbenwageneinholung in Gschwend © Tom
Garbenwageneinholung in Gschwend
Garbenwageneinholung in Gschwend © Tom
Garbenwageneinholung in Gschwend
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Garbenwageneinholung in Gschwend
Garbenwageneinholung in Gschwend © Tom
Garbenwageneinholung in Gschwend
Garbenwageneinholung in Gschwend © Tom

Gschwend

Eine schwere, aber wundervoll anzusehende Last zogen die beiden Freiberger „Diana“ und „Don Juan“ von Oskar Köngeter am Samstag in Gschwend. Es handelte sich um den mit prächtigen Blumengirlanden geschmückten Garbenwagen. Dieser wurde in einem kleinen Umzug von Sprösslingen beider Kindergärten „Buschberg“ und „Brunnengässle“, von Schulkindern und Konfirmanden begleitet.

Den krönenden Abschluss des Zuges boten die Mitglieder der Gschwender Trachtengruppe mit Dreispitz, Wams und schwarzen Schnallenschuhen. Pfarrer Jens Baumann wiederum, führte den Umzug hinter dem Garbenwagen an. So wurde eine Tradition, die auf einen königlichen Erlass von Wilhelm I. von Württemberg 1817 zurückzuführen ist, fortgeführt. Denn seit über 200 Jahren wird so dem Ende einer zweijährigen Missernte mit daraus resultierender Hungersnot gedankt.

Vulkanausbruch bringt Missernte

Ursprung der Missernten war der Ausbruch des Vulkans „Tambora“ auf Indonesien 1815. Damals wurden Milliarden Tonnen von Asche in die Atmosphäre geschleudert. Daraus folgten zwei Jahre ohne Sonne, die eine große Hungersnot aufgrund von Missernten auslösten und die größte Auswanderungswelle in ganz Europa mit sich brachten.

Traditionell sangen die Jungs und Mädchen aus dem Kindergarten das Lied „Geh aus, mein Herz und suche Freud“. Sowohl der Musikverein unter der Leitung von Frieder Geiger, als auch der Kirchenchor um Heinrich Schüle gestalteten den Gottesdienst auf dem Parkplatz musikalisch. Trotz Regen waren die Besucher aus allen Himmelsrichtungen in die Gschwender Ortsmitte geströmt, um den Garbenwagen zu empfangen. Vom Säugling über Kindergarten- und Schulkinder mit Eltern bis hin zu Großeltern feierten diese Tradition.

Der Samen geht auf

„Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft“, beschrieb Pfarrer Baumann das Gleichnis vom Wachsen der Saat. Selbst das kleine Senfkorn geht auf und wird größer als alle Kräuter. Der Geistliche erinnerte, dass das Senfkorn gerade mal einen Millimeter groß ist, aber über zwei Meter hoch werden kann. Zudem ging er auf das Wunder eines Baumes ein, schilderte, wie dieser das Wasser in sein Blattwerk hochschickt.

Das Hunger- und Krisenjahr 1816 habe sich trotz aller Nöte als Sternstunde für die württembergische Landesgeschichte ergeben. „Aus Kleinem wurde Großes“, hatte Baumann etwa die damalige Notnahrung, heute den Grünkern, im Blick. Oder hat Servatius Bosch, Großvater von Robert Bosch in der Krone in Albeck bei Ulm Arme gespeist.

Ein Volksfest als Ursprung

Und 1818 fand erstmals das landwirtschaftliche Hauptfest in Cannstatt statt. Weiter, förderte damals Ferdinand Steinbeis junge Talente wie etwa Gottlieb Daimler. So könne, schloss der Pfarrer, aus jedem Menschen etwas Großes werden. „Eine Welt ohne Christen ist fad wie eine Suppe ohne Salz und Gewürz. „So können wir anderen einen Geschmack geben, nämlich den „Jesus Geschmack“. Baumann wünschte beim Garbenwagen einholen, dass Gott uns als Verbrauchern den wert der erzeugten Produkte erkennen und wieder neu schätzen lernen. „Lass uns dir danken, dass du alles wachsen lässt auf den Feldern und dass dein Reich wächst und gedeiht.“

Mit Blick auf die Corona-Pandemie machte der Geistliche deutlich, wie wichtig Medizin sein kann. „Es ist gut, dass Impfstoffe entwickelt werden können“, nahm er aktuellen Bezug.

Das Opfer des Gottesdienstes ging an den Notfonds der Landwirtschaft des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg.

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