Wenn Wissen Weltschmerz auslöst

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In Stuttgart hat sie Fridays for Future mit gegründet. Im Bilderhaus erzählt Nisha Toussaint-Teachout von ihren Beweggründen und den aktuellen Aktivitäten der Bewegung.
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Beim dritten Rendezvous unter dem Motto „Ökologie und Freiheit“ spricht die Stuttgarter „Fridays- for-Future“-Aktivistin Nisha Toussaint-Teachout über die Klimakrise.

Gschwend

Sie ist noch keine 23 Jahre alt, fröhlich und engagiert. „Ach wie ist das schön, auf einer Bühne zu stehen, mit echten Menschen davor“, begrüßt sie das Bilderhaus-Publikum. Und sie wäre so gerne auch unbekümmert, würde so gerne „ein gutes Leben“ leben. Doch dieses Gefühl muss sich Nisha Toussaint-Teachout regelrecht erarbeiten. Was „richtig schwer“ sei, wenn Wissenschaftsreports und Studien offenbaren, wie schlimm es in dieser Welt in Zukunft wird. „Lange hatte ich wirklichen Weltschmerz“, gesteht die junge Frau dem Publikum. Tröstend findet sie, dass auch andere Veränderungen auf dieser Welt schon funktioniert hätten - obwohl nur wenige daran glaubten.

Mit größtmöglichem Einsatz kämpft Nisha Toussaint-Teachout deshalb für jene Veränderung, die nicht nur ihre Generation, sondern alle Menschen vor der Klimakrise retten sollen. Für einen „Wandel by Design und nicht by Desaster“, wie sie es später formuliert, und für Gerechtigkeit. Denn der Klimawandel sei nichts, was in der Zukunft passiert, stellt sie mit Blick auf das Ahrtal oder die Brände 2021 in Südeuropa klar. Das Geschehen habe längst eingesetzt, sei tödlich und treffe alle.

Im November 2018 ist die gebürtige Stuttgarterin deshalb zum ersten Mal mit ihrer Freundin Lotte auf die Straße gegangen, um nach dem Vorbild von Greta Thunberg zu streiken. „Mit improvisierten Schildern und völlig ohne Erfahrung“, erzählt sie. Ein Jahr lang haben die jugendlichen Aktivisten durchgehalten - „wir sind reingewachsen ins Demonstrieren, haben gelernt, wie man Vorträge hält oder Pressekonferenzen gibt“, erzählt Nisha Toussaint-Teachout. Und schwärmt dann vom bislang „unglaublichsten Tag“ in ihrem jungen Leben: „30 000 Menschen waren beim Klimastreik am 20. September 2019 in Stuttgart, 1,4 Millionen waren es weltweit. Für mich war das die schönste Geburtstagsparty.“

Weil es in dieser Sache „um alles geht“, arbeitet Nisha Toussaint-Teachout daran mit, dass weltweit „die Antibewegungen“ stärker werden und sich zusammenschließen. Dass man „radikal“ - nicht im Sinne von extrem, sondern im Sinne von „an die Wurzel (Radix) gehend“ - gegen Ausbeutung vorgeht. Und sich für Gerechtigkeit einsetzt, und zwar besonders für die am meisten betroffenen Menschen im globalen Süden. Dass man Fragen stellt, und Antworten sucht.

Nisha Toussaint-Teachout kennt sie gut, die „Downer“, die Fakten, die runterziehen. „Ich finde es schlimm, mich damit auseinanderzusetzen“, gesteht sie und analysiert als eine Hauptursache ein Wirtschaftssystem, das auf Wachstum setze ohne Rücksicht auf den begrenzten Planeten.

Für eine notwendige Veränderung brauche es viele Antworten, statt einer. Viele Schritte - kleine und größere - an vielen Orten, sagt sie. Es brauche die weltweite Vernetzung der Akteure und Proteste, die das Thema wach halten. Und klar machten, dass jeder an seinem Platz etwas tun könne. „Im Gegensatz zu anderen, die jetzt schon stark betroffen sind, haben wir noch das Privileg, entscheiden zu können, was wir tun.“

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