Wie Macht der Botschaft Jesu spottet

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Moderatorin Gaby Wild-Stecklum und Lisa Kötter (r.) die in den Antworten auf die Publikumsfragen ihren Vortrag vertiefte.
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Was Lisa Kötter, Mitbegründerin der Frauenreformbewegung Maria 2.0, beim Eröffnungsvortrag der Religionsreihe im Bilderhaus zu den Hintergründen und der aktuellen Lage sagt.

Um die Kirchenpolitik müssen wir uns kümmern.“

Lisa Kötter
  • Die Frauenprotestbewegung Maria 2.0
  • Die Bewegung „Maria 2.0“ wurde 2019 von Katholikinnen in Münster ins Leben gerufen. Lisa Kötter ist eine der Mitbegründerinnen. Seither macht Maria 2.0 bundesweit immer wieder durch regionale und überregionale Protestaktionen auf ihre Anliegen aufmerksam.
  • Der Kirchenstreik Eine Woche lang haben katholische Frauen im Mai 2019 deutschlandweit unter dem Motto „Maria 2.0“ die Kirche bestreikt. Sie demonstrierten damit gegen eine männerdominierte Kirche und für den Zugang von Frauen zu den Weiheämtern in der Kirche. 2021 gab es dazu eine Postkartenaktion.

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Heil und Freiheit - das sind für Lisa Kötter die zentralen Versprechen der guten und Frohen Botschaft Jesu. Die Wirkmächtigkeit der Liebe, die von dem Kind in der Krippe ausgehe, das radikalste Vertrauen, das denkbar ist und das Jesus (vor)gelebt habe, all das lässt sie bis heute glauben. Aber nicht an die römisch-katholische Kirche. Aus der ist die Münsteranerin und Mitbegründerin der Frauen-Reformbewegung Maria 2.0 ausgetreten. Im Sommer 2021.

Wenige Monate später ist Lisa Kötter im Bilderhaus - erzählt, analysiert, beschreibt den Zwiespalt, mit dem auch sie sich auseinandersetzen müsse, denn schon die Interviewanfragen seit Maria 2.0 öffentlich geworden ist, die Lesungen aus ihrem „kleinen Buch“ - das Schweigen war gestern - bedeuteten Macht, sagt die Kirchenkritikerin. Und der Gebrauch von Macht, da ist sie sicher, spotte der Botschaft Jesu, gefährde eine ernsthafte jesuanische Nachfolge so sehr, dass sie sogar von Missbrauch spricht.

Der knallharte Widerspruch beginnt, der Name Maria 2.0 sagt es, mit der Frauenfrage. Ungerecht, von oben herab, antidemokratisch, autoritär sind die Adjektive, die Lisa Kötter in ihrer Analyse verwendet. „Wir dürfen das, weil wir wissen, was Gott will“, nennt sie das fatale Totschlagargument. Erlebt habe sie die Bischöfe als systemtragende Funktionäre, die mit ihrem Tun die Botschaft Jesu unglaubwürdig machten. „Darum gehen so viele und retten vielleicht ihren Glauben“, vermutet sie.

Die auch nicht glaubt, dass sich mit dem jetzt eingeleiteten Reformprozess, dem synodalen Weg, noch etwas ändern lässt: „80 Prozent der Leute, die hierzulande daran mitwirken, nehmen zwar kein Blatt vor den Mund, aber die Entscheidung liegt am Ende bei den Bischöfen. Und bei Rom“, begründet sie das. Würde dort demokratisch entschieden, dann sei diese Kirche dann nicht mehr die römisch katholische Kirche. Die ja als autoritäre Staatskirche die Botschaft übernommen und weltweit durchgesetzt habe.

Die andererseits, das will Lisa Kötter gar nicht kleinreden oder abstreiten, als Institution auch viel Gutes tue. Etwa als Arbeitgeber mit wesentlichen Trägerschaften bei sozialen Einrichtungen oder bei Krankenhäusern. „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es den Menschen ginge, ohne die niederschwelligen Angebote“, versichert die Referentin - will sich davon ihre Kritik aber nicht relativieren lassen. Analysiert eher eine „unheilvolle Verquickung von Staat und Kirche“.

Kirche, wie sie sie kennt und erlebt, ist eine Institution, die sie ablehnt. Weil Frauen hier die gleichen Rechte haben müssten und sie nicht bekommen. Kirche, wie sie sie sich wünscht, ist ein gemeinsames auf der Suche sein, eine Bewegung auf dem jesuanischen Weg, für den es keine Bedingungen geben und für den niemand Voraussetzungen erfüllen müsse. „Um dieses Christsein müssen wir uns nicht kümmern - aber um die Kirchenpolitik“, fordert sie.

Denn durch ihr Beharren trage die römisch-katholische Kirche dazu bei, dass sich Gewalt weltweit festigen könne. Eine Kirche, die das Patriarchat so lebe, stärke die Kräfte, die die Frauen unterdrücken. Weshalb es weltweit und auf vielen Ebenen eine Solidarität mit und unter den Frauen brauche. Und eine Glaubensfreiheit anstelle von Glaubensautorität.

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