Hausärzte nutzen zentrale Impfstelle

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Mutlanger Hausärzte nutzen nun auch das Mutlanger Forum als Impfzentrum. Ein gutes Auge und eine ruhige Hand bewiesen die Arzthelferinnen beim Aufziehen der Dosen in die Spritzen. Sechs Dosen gibt es aus einer Ampulle Biontech.

Mutlanger Hausarztpraxen Dr. Hein und Dr. Kraus sowie Dr. Kopp und Dr. Sybel impfen gemeinsam im Mutlanger Forum. Am Mittwoch war Startschuss für Patienten.

Mutlangen

Das hätte man bei der Einweihung des Mutlanger Forums vor einigen Jahren wohl auch nicht gedacht, dass darin gleich beide örtlichen Hausärzte ihre Patientinnen und Patienten gegen ein Virus impfen werden. Aber am Mittwochmittag war es soweit. "Ich finde es einfach großartig", zeigte sich Bürgermeisterin Stephanie Eßwein begeistert über den Zusammenhalt der Arztpraxen.

"Ich bin einfach nur erleichtert. Gott sei Dank werde ich heute geimpft", stellte die 78-jährige Wiltrud Lauer fest. Für sie sei es keine Überlegung gewesen, sich nicht impfen zu lassen. "Meine ganze Familie hat sich bemüht, für mich einen Impftermin in einem der großen Kreiszentren zu bekommen. Letzte Woche hat es nun endlich geklappt, ich bekam einen Termin für die Zukunft. Aber den werde ich nun natürlich absagen." Kann sie tatsächlich auch, denn sie bekam am Mittwoch als erste Patientin in Mutlangen den Impfstoff gespritzt. Als Person der zweiten Kategorie bei den Impfberechtigten. "Die über 80-Jährigen sind mittlerweile geimpft", erklärte Dr. Anna Hein. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Kathleen Kraus traf sie an diesem Nachmittag im Mutlanger Forum auf Dr. Nicole Kopp und Dr. Katharina Sybel aus der anderen Hausarztpraxis in Mutlangen. Und man machte "gemeinsame Sache" für die Impfwilligen. Warum? "Weil hier die Logistik einfach besser ist", argumentierte Dr. Hein. "Und es gibt genügend Parkplätze und viel Platz", nickte Dr. Kopp. "Somit gibt's kein Chaos im normalen Praxisalltag", fügte Dr. Sybel an. Möglich wurde dieses Unterfangen, da die Gemeinde Mutlangen das Forum als Impfzentrum ohnehin nutzt, nun auch den Arztpraxen, die seit Dienstag ebenfalls impfen dürfen, zur Verfügung stellt. "Die Infrastruktur ist doch da", betonte Bürgermeisterin Eßwein, die Lob und Dank für dieses Angebot von den Ärztinnen erhielt.

"Unsere Warteliste ist gefühlt Kilometer lang", beschrieb Dr. Hein die Nachfrage der Patientinnen und Patienten. Und bedauert ebenso wie die Kolleginnen der anderen Praxis, dass es keine zentrale Software für die Praxen gibt, auf der man sich anmelden kann. "Die Telefone stehen nicht still", machte Dr. Sybel deutlich, wie enorm hoch der Druck auf die Praxisteams sei, seit es erlaubt ist, auch dort geimpft zu werden.

Wann kommt der Turbo?

Wie ein Hund, der unterm Tisch sitzt und darauf wartet, dass ein Brocken runterfällt.

Nicole Kopp, Hausärztin

"Sobald es endlich genug Impfstoff gibt, können wir hier den Turbo einschalten", blickte sich Dr. Hein im Forum um. Dann ist nicht nur einmal pro Woche Impfen angesagt. Denn es gibt genügend Platz, und es sind bereits zwei Impfstraßen vorhanden. Es ist unüberhörbar, dass die Hausärzte sehnlichst auf den Impfstoff warten. "Wie ein Hund, der unterm Tisch sitzt und darauf wartet, dass ein Brocken runterfällt", beschrieb Dr. Kopp anschaulich die Situation. "Schließlich kennen wir unsere Patienten und können entsprechend agieren", bemerkte Dr. Hein. Doch bislang gibt's für die beiden Arztpraxen lediglich 18 Dosen pro Arzt. Macht im Mutlanger Fall 54 Dosen pro Woche. Assistenzarzt Peter Simon war bereits unterwegs, um bettlägrige Patienten zuhause zu impfen.

Beide Teams erzählten von langen Diskussionen mit Impfwilligen. Denn viele müssten aufgrund des Serummangels vertröstet werden. Die Hausärzte müssten sich streng an die Kategorie-Liste des Robert-Koch-Instituts halten. Das Handeln der Ärzte werde kontrolliert. Im ganzen Schwäbischen Wald haben die Impfungen in Arztpraxen begonnen. "Aber hier ist es wirklich komfortabel für uns, denn die Impfungen hier laufen parallel zum Praxisalltag", waren sich alle einig.

Ein gutes Auge und eine ruhige Hand bewiesen die Arzthelferinnen beim Aufziehen der Dosen in die Spritzen. Sechs aus jeder Ampulle. Wie das ging, zeigte Christine Debler von der Apotheke Lang.

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