Strukturwandel: Aus für Autotest in Iggingen

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"Keine Zukunftsperspektiven" – Unternehmen schließt den Standort Iggingen.
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Die Unternehmensgruppe will den Standort mit 147 Mitarbeitern zum Ende des Jahres schließen.

Iggingen Hiobsbotschaft für die fast 150 Mitarbeiter von Autotest in Iggingen: Das Südtiroler Unternehmen will den Standort zum Ende des Jahres schließen. Wie die Firma mitteilt, habe man am Freitag die Belegschaft darüber informiert. Als Grund führt Autotest an, dass der Standort in den vergangenen Jahren durchweg Verluste erwirtschaftet habe. Zudem würden der anhaltende Strukturwandel in der Autoindustrie und die Auswirkungen der Corona-Krise das Unternehmen belasten.

"Die Entscheidung zur Schließung wurde nach konstruktiven Gesprächen mit dem Gesellschafter und dem Betriebsrat getroffen, nachdem das Unternehmen verschiedenste Lösungsansätze verfolgt hat, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessert", schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme. So habe Autotest allein in den vergangenen drei Jahren rund vier Millionen Euro in den Standort investiert, etwa um Produktions- und Organisationsprozesse zu verbessern.

Corona verschärft die Lage

Trotz der Investitionen habe man die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Iggingen auch aufgrund des anhaltenden Strukturwandels in der Automobilindustrie nicht wiederherstellen können, erklärt die Firma. Bereits 2019 habe das Werk in Brainkofen einen hohen Jahresfehlbetrag erlitten, die Corona-Pandemie hat die missliche Lage offenbar weiter verschärft. Auch in diesem Jahr erwartet Autotest einen Verlust.

Blickt man in die bislang veröffentlichten Bilanzen, so weist die Autotest Iggingen allein für das Jahr 2019 einen Jahresfehlbetrag von 5,9 Millionen Euro aus. Um die Liquidität sicher zu stellen, hatten sowohl die Mutterfirma Autotest Holding als auch die Ceterum Holding, die die Unternehmensgruppe vor einigen Jahren übernommen hatte, dem finanziell angeschlagenen Tochterunternehmen zusätzliche nachrangige Gesellschafterdarlehen in Höhe von insgesamt rund 7,5 Millionen Euro gewährt. Bereits in der 2019er-Bilanz ist von unrentablen Aufträgen und nicht ausgelasteten Kapazitäten die Rede. Die Umsatzentwicklung verlaufe nicht nach Plan, heißt es in dem veröffentlichten Geschäftsbericht weiter.

"Wir bedauern die Entscheidung zur Schließung sehr, sie war allerdings aufgrund fehlender Zukunftsperspektiven unumgänglich", erklärt Geschäftsführer Ingo Katz. Er danke den Mitarbeitern für den Einsatz, auch wenn es in einem schwierigen Umfeld trotz aller Investitionen und persönlichen Anstrengungen nicht gelungen sei, wieder wettbewerbsfähig zu werden.

"In Zusammenarbeit mit den Behörden werden wir unsere soziale Verantwortung für unsere Kollegen wahrnehmen und sie auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützen", erläutert Katz weiter. So sei geplant, die Produktion im Laufe des Jahres 2021 in Abstimmung mit den Kunden "schrittweise und geordnet" herunterzufahren und den Standort Ende 2021 zu schließen.

Die Autotest-Gruppe

Die Autotest-Gruppe mit Stammsitz in Südtirol betreibt in Deutschland und der Slowakei weitere Standorte. Insgesamt beschäftigt die Firma aktuell rund 300 Mitarbeiter, die einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro pro Jahr erzielen. Das Kunststoff verarbeitende Unternehmen produziert und verarbeitet Kunststoffteile für die Automotive-Branche.

2016 stand das Unternehmen vor dem Aus, weil es durch mehrere Unternehmensübernahmen zu schnell gewachsen war. Der Investor Ceterum rettete das Unternehmen damals und wollte es mit frischem Kapital neu aufstellen. "Die Rahmenbedingungen sind optimal, um Autotest nachhaltig profitabel aufzustellen", hatte der damalige Finanzchef Oliver Leibfarth anlässlich der damaligen Übernahme erklärt.

Der Strukturwandel in der Autoindustrie und die Corona-Krise bedeuten nun jedoch das Aus für den Standort in Iggingen.

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