Kerstin Schmid zieht die Reißleine

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Noch bis April wird Kerstin Schmid auch immer wieder in diesem Raum in der Gmünder Straße in Mutlangen anzutreffen sein, wo bei der individuellen Beratung ihrer Kunden in über 20 Jahren so viele schöne Stunden erlebt hat.
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Warum die Betreiberin des Mutlanger Reisebüros sich nicht mehr länger von Hoffnung zu Hoffnung hangeln will und wie es für die 52-Jährige nun weiter geht.

Mutlangen

Es sind viele Tränen geflossen", gesteht Kerstin Schmid, wenn sie auf das vergangene Jahr zurückblickt. Seit März, also seit dem ersten Lockdown, habe sie, wie alle in der Branche, kein Geld mehr verdient. Hunderte Stornierungen hat sie abgewickelt, hunderte Kunden beraten, vertröstet, begleitet. Hat sich selbst von einer Hoffnung zur nächsten gehangelt. "Vor Ostern dachten wir, dass es in den Pfingstferien wieder normal wird. Dann haben alle auf den Sommer gehofft. Schließlich auf die Weihnachtsferien", erzählt Kerstin Schmid. Die irgendwann dann gespürt hat: "So, wie es mal war, wird es wohl nie wieder werden."

Diesem Bauchgefühl ist Kerstin Schmid gefolgt und hat die Reißleine gezogen. Dank ihres abgeschlossenen Lehramtsstudiums hatte sie sogar eine echte Wahl. Sie hat sich auf eine Stelle als Lehrerin beworben und am 1. Dezember somit quasi Neuland betreten. "Ich bin dankbar, dass ich eine solche Alternative habe", sagt die 51-Jährige und räumt ein, dass es trotzdem ganz schön viel Mut gebraucht habe. Aber – "wenn nicht jetzt, wann dann", fragt sie.

Die herzlichen Schreiben der Kunden freuen mich.

Kerstin Schmid, Unternehmerin

Die ersten Wochen hat sie geschafft und in ihrer neuen Aufgabe nette Kolleginnen und auch nette Kinder gefunden. "Es war die richtige Entscheidung", betont Kerstin Schmid und blickt sich dabei in ihrem Reisebüro um. Trotzdem werde wohl noch Trauerarbeit notwendig sein. Denn bis April unterrichtet sie zunächst noch auf einer 60-Prozent-Stelle und wird der übrigen Zeit in den Räumen in der Gmünder Straße in Mutlangen anzutreffen sein. Auch weil die Kreissparkasse als Vermieter ihr einen früheren Ausstieg nicht ermöglicht habe. "Die sind mir leider auch nicht entgegengekommen in der schweren Zeit, in der ich nichts verdient habe", bedauert Kerstin Schmid – obwohl das an ihrer Entscheidung vermutlich nichts geändert hätte. Denn inzwischen ist die Fachfrau sicher, dass die Branche sich grundlegend verändern wird. Schon vor dem Lockdown habe sich abgezeichnet, dass immer mehr Reiseveranstalter auf Selbstvermarktung setzen, dass der Wind rauer wird.

Kerstin Schmid wird in der näheren Zukunft also hauptsächlich ihre eigenen Urlaube planen. "Vielleicht in einem Jahr, in den Weihnachtsferien", meint sie und hat Costa Rica im Visier. Und sie wird mit ihrer Erfahrung weiterhin ihre Stammkunden unterstützen – als ein zweites Standbein sozusagen. Informiert ist der treue Kreis um die Frau, die leidenschaftlich gerne mit anderen individuell die schönsten Wochen im Jahr plant. Das herzliche Echo, die vielen guten Wünsche für die Zukunft, die sie auf dieses Schreiben bekam, "die freuen mich echt", gesteht sie.

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