Betrug nach der Masche „Gier frisst Hirn“

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Betrügereische Anzeigen. Den Schlepper wollte Bernhard Bader kaufen. Der Camper wird in seinem Namen angeboten. ÌÌGrafik: ca
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Warum ein Leinzeller beinahe auf gefakte Anzeigen hereingefallen wäre, wie er im letzten Moment vor Schaden bewahrt wurde und wie die dreisten Täter den Spieß quasi umdrehen.

Leinzell

Dieses Angebot war mehr als verlockend: ein Holder A 60 Cultitrac mit Allrad, Frontlader, Stöckl, Schaufel, Palettengabel und Zapfwelle - Baujahr 1985 - für 3300 Euro. „Obwohl so etwas eigentlich gar nicht reell sein kann“, wie er heute sagt, hat Bernhard Bader angebissen. Er hat per Mail den Kontakt gesucht, bekam sofort Antwort und fand das Vorgehen eigentlich vertrauenswürdig. Zumindest auf den ersten Blick. Der Schnäppchentraktor sollte über eine Spedition in Belgien zu ihm nach Leinzell kommen. Den Kaufpreis plus 400 Euro Transportkosten sollte er auf ein Treuhandkonto überweisen. Das Geld werde dem Verkäufer erst überwiesen, wenn er als Käufer, sich fünf Tage lang von der Qualität der Ware überzeugt habe.

Die Anzeige ist ein Fake. Doch Bernhard Bader hatte Glück. Zwar hatte seine Frau in seinem Auftrag die Überweisung schon in die Wege geleitet. Doch die VR-Bank Ostalb hat „eine Sicherung eingebaut, und das Geld ist nicht weg“, freut sich der Leinzeller. Bank-Sprecherin Bianca Frieß erklärt das so: „Die Sicherheit unserer Mitglieder und Kunden liegt uns am Herzen. Wir bieten diesen deshalb einen Mehrwert an, indem wir die getätigten Überweisungen automatisch durch ein System laufen lassen, welches zum Beispiel die IBAN des Geldempfängers nach Auffälligkeiten überprüft. Wird eine solche entdeckt, nehmen unsere Kundenberater Kontakt mit dem Kunden auf und fragen nach, ob diese Überweisung trotzdem getätigt werden soll oder ob wir das Ganze stoppen sollen. Während dieser Überprüfung wird die Überweisung zwischengeparkt, das heißt, sie ist weder auf dem Kundenkonto noch auf dem Empfängerkonto zu finden. Deshalb kann das Geld ohne Probleme an den Kunden zurückgegeben werden. Wir freuen uns, dass wir in dem hier genannten Fall einen Betrug verhindern konnten und unser Kunde sein Geld nicht verloren hat.“

Klar ist Bernhard Bader mit seiner Erfahrung auch sofort zur Polizei gegangen und hat Anzeige erstattet. Allerdings habe der örtliche Postenführer Jens Mangold ihm wenig Hoffnung machen können, dass die Betrüger geschnappt werden. Deren Masche, am besten beschrieben mit „Gier frisst Hirn“, führe bedauerlicherweise oft genug zum Erfolg. „Es hätte auch mir eigentlich klar sein müssen, dass ein derartiges Schnäppchen ein Ding der Unmöglichkeit ist“, sagt Bernhard Bader selbstkritisch und will andere Schnäppchenjäger vor üblen Erfahrungen bewahren. „Genau so ist es mit den Wohnmobilen, die jetzt zu Spottpreisen angeboten werden, obwohl der Markt absolut leer gefegt ist“, ergänzt seine Frau.

Denn mit den Wohnmobilen sei es wie mit den Traktoren oder besonderen Autos. Auch sie tauchen supergünstig in lokalen Kleinanzeigen auf.

Mehr noch, und „das setzt der Dreistigkeit die Krone auf“, seit Neuestem sogar mit Bernhard Baders Namen und dem Standort Leinzell. Durch eine Mailanfrage eines Interessenten weiß er das, der die Kleinanzeige in der Badischen Zeitung gelesen hat. „Dieser potenzielle Käufer wollte wissen, ob das Gefährt tatsächlich bei mir steht“, erzählt Bernhard Bader. Wahrscheinlich habe er das gefakte Inserat damit provoziert, dass er die Betrüger bei der Polizei angezeigt hat, vermutet er.

Und Bader ist außerdem bei weiteren Recherchen darauf gestoßen, dass exakt diese Kleinanzeigen-Strategie mit exakt derselben Speditions-E-Mail-Adresse schon im August 2018 als „dreiste Betrugsmasche“ beschrieben und angezeigt wurde.

Ich will andere Schnäppchenjäger warnen.“

Bernhard Bader,, der fast Opfer geworden wäre.
  • Die Polizei warnt
  • „Es gibt unheimlich viele Betrugsarten“, sagt Polizeisprecher Bernd Märkle, weshalb man regelmäßig Warnaufrufe veröffentliche. Eine der wichtigsten Regeln darin: keine Vorauszahlungen an unbekannte Transportunternehmen oder Firmen zu leisten. „Das ist, wie wenn ich auf dem Marktplatz einem Unbekannten 1000 Euro gebe und hoffe, dass er mit Ware zurückkommt“, sagt Märkle.

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