Die Nase wird gehegt und gepflegt

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Die wichtige ökologische Funktion der Nase wurde erst erkannt, als die Bestände stark zurückgingen. Seit Jahren schon investiert der Verein in den Besatz der Gewässer.

Warum die Aktiven des rührigen Bezirksfischereivereins Lein-Rems seit mehr als fünf Jahren regelmäßig nach Iffezheim fahren, um von dort den einstigen „Brotfisch“ der Berufsangler auf die Ostalb zurückzuholen.

Leinzell

Früher war sie der „Brotfisch“ der Berufsangler, heute ist sie ganzjährig in der Schonzeit und hoffentlich in der Zukunft wieder ein häufig anzutreffender Fisch in unseren heimischen Gewässern.“ Das sagen die Experten vom rührigen Bezirksfischereiverein Lein-Rems über die „Nase“. Sie war der Fisch des Jahres 2020. Denn anders als Forelle, Stichling oder Aal ist die Fischart Nase in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. In fast allen Ländern, in denen die Nase vorkommt, gilt sie als gefährdet oder ist stellenweise sogar schon ganz verschwunden und wird teilweise in den Roten Listen geführt. Denn die Nase ist wichtig für das Ökosystem.

Ihren Namen hat die Nase von dem nasenähnlich geformten Aufsatz auf ihrer Oberlippe. Eine Anpassung an ihre Lebensweise. Sie ist ein Friedfisch und ernährt sich von Algen, die sie von Steinen und Kiesbetten abweidet. Dies hat eine sehr hohe ökologische Bedeutung, denn durch das Abweiden des Bewuchses vom Gewässergrund verhindern Nasen eine Verstopfung des Kieslückensystems. Damit säubern sie den Lebensraum für viele Kleinstlebewesen und schaffen gute Bedingungen für das Überleben von Fischbrut und anderen Tieren. Eine Ökosystemdienstleistung, deren Bedeutung man erst jetzt erkennt, da die Nasenbestände massiv zusammengebrochen sind.

Zahlreiche Studien belegen, dass die Verbauung von Gewässern die wichtigste Ursache für den Rückgang der Nasenpopulationen ist. Die Schwärme erreichen keine geeigneten Laichplätze, so dass sie sich nicht mehr fortpflanzen können und die Populationen überaltern. Daher ist es sinnvoll, geeignete Gewässer mit Nasen zu besetzen, damit auch verbaute Laichhabitate von den Fischen erreicht werden und sie sich vermehren können.

Eine Aufgabe, die der Bezirksfischereiverein Lein-Rems schon längst erkannt hat. Seit mehr als fünf Jahren investieren sie viel Zeit und auch Geld, um die Nase wieder an die heimischen Gewässer zurückzuholen und in geeigneten Gewässerabschnitten, die Kies- und Steinbettreich sind, zu besetzen. Die bezogenen Besätze, das sind die gekauften Nasen, sind aus Wildfängen von der Staustufe Iffezheim, die über 170 km entfernt liegt.

Auch dieses Jahr haben sich die Mitglieder Andreas Wohlfarth und Volker Maier wieder bereit erklärt, die Nasen in Iffezheim abzuholen und an dem Gewässer des Bezirksfischereivereins einzusetzen. „Die Nasen sind recht schwierig zu bekommen, jedoch erhoffen wir uns, dass sie sich in unserem Gewässer wieder einfinden und heimisch werden“, erklären die beiden. Und können diese Hoffnung inzwischen untermauern. Denn tatsächlich konnte man bei einer Elektrobefischung vor zwei Jahren feststellen, dass es Nasen aller Altersgruppen in den Gewässern gibt. Die Arbeit des Vereins trägt somit Früchte.

Und mit der Umsetzung der Europäische Wasserrahmenrichtlinie soll die Durchgängigkeit von Gewässern wieder hergestellt werden - vor allem durch den Rückbau von Wehren. „Dadurch erhoffen wir uns, Nasen in den Mengen wieder beim Laichzug beobachten zu können, wie es uns ein älteres Mitglied beschrieb: Das ist ähnlich wie beim Lachszug, da konnte man früher quasi über die Nasen die Lein überqueren, so dicht standen die Nasen beim Laichzug.“

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Die wichtige ökologische Funktion der Nase wurde erst erkannt, als die Bestände stark zurückgingen. Seit Jahren schon investiert der Verein in den Besatz der Gewässer.

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