Gerüchte und faire Argumente: Bürgermeisterkandidaten stellen sich in Leinzell vor

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Ralph Leischner begrüßt die coronabedingt auf Abstand arrangierten Zuhörenden in der Halle. Im Stream waren rund 200 Geräte zugeschaltet.
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In einer gut dreistündigen Vorstellung präsentieren sich die vier Kandidaten um den Chefsessel im Leinzeller Rathaus. Streamingangebot wird ausgiebig genutzt.

Leinzell

Wir haben tatsächlich eine Wahl - das dürften sich die meisten gedacht haben, die am Samstag in der Sporthalle oder am Stream die Vorstellung der Kandidaten um das Amt des Bürgermeisters erlebt haben. Den vier Bewerbern in der Halle zollte Wahlleiter Ralph Leischner bei seiner Begrüßung größten Respekt - einerseits dafür, dass sie sich auf die Veranstaltung eingelassen und vorbereitet haben. Und andererseits dafür, dass sie Verantwortung für eine ganze Gemeinde übernehmen wollen. Und dann stellte Leischner noch kursierende Gerüchte mit einer deutlichen Ansage richtig: „Keiner der Bewerber ist arbeitslos und keiner ist Impfgegner oder Querdenker.“ Die Pflicht zur Fairness, auf die der Wahlleiter die Kandidaten ebenso wie das Publikum einschwor, wurde von allen respektiert.

Der Reigen der jeweils 15 Minuten langen Bewerbungsreden eröffnet Marc Schäffler : „Ich möchte ihr Bürgermeister werden“, startet der 35-Jährige schnörkellos, beleuchtet seinen beruflichen Werdegang bis zur aktuell leitenden Position in einem Unternehmen der Freien Wirtschaft mit Personalverantwortung für 18 Mitarbeiter. „Ich habe Management von der Pike auf gelernt“, betont Schäffler, will mit diesem Background die Gemeindethemen aufarbeiten, nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen, alle Prozesse auf den Prüfstand stellen, dabei auch Kritisches unverblümt ansprechen - offen und ohne Schuldzuweisungen. Mit Leidenschaft habe er sich in die Themen eingearbeitet, will gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern die Gemeinde voranbringen, dafür gerne jeden Stein auch zehnmal umdrehen - um hier, wo er aufgewachsen ist, auch alt zu werden. „Ich will“, bekräftigt er, „ihr Bürgermeister werden“.

Martin Schaal will das auch. Er zeigt in seiner Bewerbungsrede auf, wie sein auf viel Eigeninitiative beruhender Bildungsweg bis hin zum Master der Umweltwissenschaften zum Wohle und zur ökologisch nachhaltigen und ökonomisch sinnvollen Weiterentwicklung der Gemeinde beitragen könne. Als Bürgermeister, der von außen kommt, könne er Stärken erkennen, erhalten und ausbauen; dank seiner Netzwerkerfahrung könne er Zuschüsse und Fördergelder generieren; dank seiner Kenntnisse etwa in Controlling und Unternehmensführung seien sachgerechte Entscheidungen sein Metier. Er sehe sich als Moderator und Bindeglied zwischen Bürgern, Vereinen, Unternehmen und Verwaltung. Als Dozent beim Berufsausbildungswerk Ostalb und als Mitglied im Prüfungsausschuss der IHK verfüge er auch über einen guten Kontakt und Austausch mit der Jugend, unterstrich Martin Schaal.

„Ich bin hier verwurzelt, in Leinzell zuhause und seit ewigen Zeiten Mitglied im Schachclub“, stellt sich Stefan Nuding den knapp 100 Menschen im Saal und inzwischen über 200 im Livestream vor. Das Wissen, um als Bürgermeister eine Gemeinde zu leiten, könne man sich sicher erarbeiten, ist der 41-Jährige überzeugt. Über die notwendige Sozialkompetenz, Teamfähigkeit, den Fleiß und die Allgemeinbildung verfüge er. Und im Leinzeller Rathaus gebe es ein gutes Team, das topfit ist in Sachen Verwaltung. Seine Aufgabe als Bürgermeister sei es, die Vorhaben und Maßnahmen der Bevölkerung zu vermitteln. Er werde eine stets offene Tür für die Bürger haben, die gute Arbeit des derzeitigen Amtsinhabers fortsetzen, Leinzell als lebenswerten Ort erhalten und für die Zukunft gestalten. Dabei sei ihm auch eine gute Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden wichtig.

Manuel Schock stammt aus Gaildorf, hat in Sulzbach, Stuttgart, Schwäbisch Gmünd gelebt und jetzt mit seiner Partnerin in Ruppertshofen. Gerne, sagt er, hätte er in den letzten Tagen in Leinzell viele Gespräche geführt. Eine Coronainfektion seiner Frau habe ihm aber eine Quarantänepause auferlegt. Nun, da alles ohne Nachwehen überstanden sei, will der seit elf Jahren als Beamter in der Zollverwaltung Tätige mit ganzer Kraft loslegen. Der 31-Jährige beschreibt sich, über fachliche Grundkenntnisse und gute Behördenkontakte hinaus, als belastbar, mit gutem Überblick für die richtigen Entscheidungen und ohne Scheu vor unregelmäßiger oder über das normale Maß hinaus gehender Arbeit. In der Gemeinde will er die vorhandene Infrastruktur stärken und weiter ausbauen, eine gute Balance zwischen jung und alt erreichen und regt zum Beispiel ein Jugendzentrum in den ehemaligen Räumen des Verwaltungsverbands an. Dort könnten Jugendlichen in Zusammenarbeit mit den örtlichen Unternehmen sinnvoll handwerklich beschäftigt werden.

In allesamt kurzweiligen Vorstellungen haben vier Kandidaten gezeigt, dass sie sich in die besonderen Leinzeller Themen eingearbeitet haben - sprechen über die ärztliche Versorgung, die kürzlich geschlossene Apotheke, den fehlenden Platz für Wohn- und Gewerbebauten, die Digitalisierung, die Schulden. Genau das sind auch die Themen, die in der fast einstündigen Fragerunde die Zuhörenden im Saal und im Chat hinterfragen. Fast immer sind Antworten von allen vier Bewerbern gewünscht. Was im Ergebnis gute Vergleichsmöglichkeiten bietet.

Und am Ende die fast schon verzweifelte Aufforderung - „Sagen Sie, was unterscheidet sie?“

Martin Schaal rät, als Entscheidungshilfe die jeweiligen Antworten auf die interessierenden Fragen in einer Tabelle darzustellen, zu vergleichen und dann entsprechend zu wählen. Stefan Nuding nennt als sein unverwechselbares Kennzeichen: „Ich komme aus Leinzell und die Gemeinde ist meine Lebensaufgabe“. Manuel Schock sagt dagegen: „Ich komme von außen und bin mit elf Jahren Verwaltungserfahrung nicht fachfremd.“ Marc Schäffler beschreibt sich als gute Mischung mit Kenntnissen aus Leinzell und Verwaltungserfahrung aus der freien Wirtschaft.

In Grüppchen diskutiert das Publikum das Gehörte später noch im Saal, vor der Halle und sicher auch zuhause. Zwei Wochen „spannenden Wahlkampf“ habe man noch vor sich, sagt der Wahlleiter zum Abschied und bittet um rege Beteiligung am Sonntag, 27. März.

Den Livestream zur Kandidatenvorstellung gibt's hier zum Nachschauen.

Martin Schaal
Manuel Schock
Marc Schäffler
Stefan Nuding

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