Höchste Zeit für eigene Krisenpläne

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Leinzeller im Ahrtal
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Was die sechsköpfige Leinzeller Delegation bei ihrer Reise nach Kreuzberg im Ahrtal erlebt hat und welche Schlüsse aus diesen Eindrücken gezogen werden sollen.

Leinzell

Es ist einfach etwas ganz anderes, wenn man das selbst sieht. Die Eindrücke haben uns alle aufgewühlt“, fasst Bürgermeister Ralph Leischner zusammen, was die sechsköpfige Delegation aus der Leintalgemeinde erlebt hat bei ihrem Besuch im katastrophengebeutelten Ahrtal. So stelle man sich vor, dass es nach dem Kriegsende ausgesehen hat, beschreibt der Schultes den direkt am Fluss gelegenen Zielort Kreuzberg, wo zurzeit nur noch 200 der einst 650 Einwohner leben können, weil die Häuser Ruinen sind, alles mit Schlamm verdreckt ist, keine Wasserleitung funktioniert und bis vor Kurzem auch keinerlei Stromversorgung. „Viele Bewohner haben nur noch das, was sie am Leib getragen haben“, erzählt Ralph Leischner. Zugleich ist er fasziniert, dass die Ahrtaler sich nicht unterkriegen lassen. Dass sie herzlich, und meistens auch fröhlich seien und voller Euphorie. „Sicher auch, weil sie getragen werden von einer riesigen Hilfsbereitschaft“, meint der Leinzeller Bürgermeister - nicht ohne Stolz darüber, dass auch seine Gemeinde dazu beiträgt. Bruno Fuchs hat direkt nach der Flutkatastrophe den Kontakt zur Feuerwehr in Kreuzberg geknüpft. Den Floriansjüngern rund um Kommandant Rudolph Schneider hatte das reißende Wasser das komplette Domizil genommen - samt Einsatzkleidung und Fahrzeugen. Schnell haben die Leinzeller ihre Unterstützung dann aber auf das ganze Dorf ausgeweitet. Was braucht ihr am dringendsten, habe er die Ortsvorsteherin Anke Hupperich gefragt, berichtet Leischner - und dann ist die Delegation von der Ostalb losgefahren - nicht nur mit einem 1350 Euro dicken Scheck vom Benefizkonzert samt Einzelspenden, die zum Beispiel im Kässle in Monis Lädle gesammelt oder von der Kreissparkasse ergänzt wurden, sondern auch mit tonnenweise Elektromaterial, hauptsächlich gespendet von Konrad Werner sowie Elektro Wamsler und PLD, Firmen mit denen die Gemeinde bei den jüngsten Bauvorhaben zusammenarbeite.

Zweierlei ist wichtig, macht Ralph Leischner bei seiner Analyse des Erlebten deutlich: „Wir müssen weiter helfen - zum Beispiel Konkretes sammeln, das was aktuell gebraucht wird.“ Bald dürfte das Aufputzmaterial sein, später Farben und irgendwann Einrichtungsgegenstände. Er werde regelmäßig bei der Ortsvorsteherin von Kreuzberg nachfragen, sagt Leischner.

Und das zweite: „Wir in Leinzell leben auch in einem Tal. Die Lein könnte auch mal ganz schnell sechs Meter hoch steigen und sich sechs Meter breit ausdehnen. Für ein solches Katastrophenszenario müssten mit allen Blaulichtorganisationen deshalb umgehend Krisenpläne erstellt werden.

Wir müssen auf jeden Fall weiter helfen.“

Ralph Leischner,, Bürgermeister
Leinzeller im Ahrtal

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