Höllendosis von Murra-Schwester Heike

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Wie die Leinzeller Faschingskatzen das Rathaus trotzdem erobert haben.

Leinzell. Kein Friseur, kein Bodypainting, keine Party. Es ist, weiß Gott, ein erbärmliches Murrenleben in dieser Saison. Doch unterkriegen lassen sich die Leinzeller Faschingskatzen nicht. Das stellt die "Sprechermurr" Heike Hilbig aber mal sowas von klar, als sie den "Scharle", wie der Bürgermeister auf Jenisch heißt, an Weiberfasnet im Rathaus überfällt. Coronakonform selbstverständlich – aber live im Internet miterlebt von einer über 30-köpfigen Murrenschar.

Was sie in der Aufzeichnung sehen? Einsam und allein sitzt er in seiner Glasbox am Schreibtisch, der arme Bürgermeister-Corona-Bär. Einsam fühle sie sich auch, gesteht die Sprechermurr, die sonst mit ihrer pinkschwarzen Katzenschar und der Omsnom-Gugga-Verstärkung aus Weiler den Schlüssel der Regierungszentrale mit gebührendem Tamtam erobert.

Und diesmal? Die Lage ist ernst, erzählt die Murr – koi Katzawäsch zum Auftakt, koi nächtliche Treffa mit "de gwande Kater", womöglich auch koin Nachwuchs mehr – "denn mit 1,50 Meter Abstand Kätzla macha – des ka koi Sau". Gsondheit ist's, was alle brauchen. Auch, weil sie wieder feiern wollen in der nächsten Saison. Mit ihrem Scharle. Weshalb die Faschingskatzen mit Charme und Witz einen der begehrten Impftermine organisiert haben. Höchstpersönlich verabreicht "Murra-Schwester" Heike dem wehleidigen Mannsbild die Höllendosis und erlöst den Scharle.

Denn, das verrät dieser als trauriger Coronabär, er vermisse die Murren – ihr Lachen, Tanzen und Schnurren. Und träumt von der Impfung samt Faschingswunder, dass die Welt wird wieder bunter.

Über 300 Likes und viele nette Kommentare hat die kleine Szenerie nach wenigen Minuten. Alle vermissen sie den Rathaussturm und ebenso sehr den Murraball, der normalerweise anschließend in der Kulturhalle die Nacht zum Tage macht. Man werde im nächsten Jahre alles nachholen, nehmen sich Heike Hilbig und Ralph Leischner an diesem maskengeschützen Vormittag im Rathaus vor.

Mit Online-Chats, virtuellen Treffen auf Zoom und in der WhatsApp-Gruppe halten die Faschingskatzen in dieser besonderen Zeit den Kontakt untereinander, erzählt die Sprechermurr. Möglichst viel lieb gewonnenes Brauchtum soll erhalten werden. So haben die Murren nicht nur neue Wimpel für den Kreisel in der Ortsmitte genäht. Es gibt auch eine Corona-Edition des Murra-Buttons, den die Katzen jedes Jahr herausgeben. Und Ehrensache ist, dass der Scharle auch in diesem Jahr ein bedrucktes Saison-Shirt bekommt. "Mein 14tes", freut sich Ralph Leischner über ein weiteres Stück in der inzwischen stattlichen Sammlung. Dann ist er schon vorbei, der "a bissle andere Murrasturm" in dieser verkehrten Saison – oder vielmehr fast vorbei. "Jetzt gibsch mr dr Rothaus-Schlüssel no in meine Pfota, fr di sich ab morga dr Zutritt verbota. Am Aschermittwoch breng i den dann zrigg, muss glei nach nam Onlinetermin gugga, vielleicht hat i Gligg", befiehlt die Murr.

Professionell mit Murradiesel sterilisiert und anschließend mit sanftem Stich verabreicht: die Erstimpfung für den Leinzeller Scharle.

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