„Ich möchte mit Menschen arbeiten“

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Pfarrer Franz Pitzal hat sich schon als Kind für Krippen begeistert; seine „Stiftung Renninger Krippe“ unterstützt auch Hilfsbedürftige in aller Welt.
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Den 50. Jahrestag seiner Priesterweihe feiert Pfarrer Franz Pitzal am 11. Juli in Leinzell, wo er einst als Vertriebenenkind liebevoll aufgenommen worden ist.

Leinzell

Am 16. Mai 1945 begann die abenteuerliche und gefährliche Flucht der kleinen Familie des damals achtjährigen Franz Pitzal. Aus einem kleinen Ort bei Iglau im damaligen Mähren ging die Reise zu Fuß und lediglich mit einem Leiterwagen voller Hab und Gut Richtung Westen. Die prägenden und oft auch erschütternden Erlebnisse der Vertreibung hat der heute 85-jährige Geistliche in seinem Buch „mein Weg“ festgehalten.

Nach einem einjährigen „Barackenaufenthalt“ im österreichischen Irnfritz endete die lange Zeit erst in einer Turnhalle in Schwäbisch Gmünd. Von dort aus wurden die Heimatvertriebenen auf einzelne Ortschaften verteilt. Mit weiteren Familien fanden die Pitzals eine neue Heimat in Leinzell in einem „fast verfallenen Haus – einem Kellerhaus“. Schnell wurde Leinzell für den kleinen Franz zur neuen Heimat, „das Schwäbisch habe ich ebenso schnell erlernt wie das Jenisch“, erinnert sich Pitzal. Pfarrer Julian Herz nahm den Jungen sofort in den Kreis der Erstkommunikanten auf, auf dem einzigen Kommunionsfoto, das Franz Pitzal zeigt, ist er ohne eigene Kommunionskerze zu sehen, „meine Kerze war plötzlich nicht griffbereit“. Die „richtige“ Kommunionskerze begleitete Franz Pitzal in den Folgejahren in allen wichtigen und wegweisenden Situationen. Sie brannte zu seiner Primizfeier und wurde zum zehnten Priesterjubiläum wieder angezündet.

Endlich mal wieder satt

Noch etwas wird dem damaligen Kommunionkind in ewiger, dankbarer Erinnerung bleiben. „Eine Familie lud mich Flüchtlingsbuben zum Essen ein und ich konnte mich seit langer Zeit zum ersten Mal richtig sattessen.“ Immer schon sportbegeistert, entdeckte Franz Pitzal Fußball, Tischtennis und Skisprung für sich, wurde 1946 „Leinzeller Tischtennismeister“ und wagte in den 50er-Jahren Sprünge von der Waldstetter „Großschanze“. Mit Augenzwinkern erinnert sich Pfarrer Pitzal daran, gemeinsam mit Bürgermeister Bernhard Maier den damaligen Weitsprungweltmeister Dietmar Haaf geschlagen zu haben, Haaf sprang „spektakuläre“ 8,01 Meter, Pfarrer und Bürgermeister brachten zusammen 8.16 Meter zusammen.

Schnell nach seiner Ausbildung zum Uhrenmonteur wurde Franz Pitzal bewusst, „ich möchte mit Menschen arbeiten“. In Bad Cannstatt legte er das Abitur ab und begann 1965 in Tübingen sein Theologie-Studium in der Zeit, als Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., dort einen Lehrstuhl innehatte. Nach seiner Zeit als Diakon in Kornwestheim wurde Pitzal am 3. Juli 1971 von Bischof Carl Joseph Leiprecht in der Aalener Salvatorkirche zum Priester geweiht. Seit 1973 ist er ununterbrochen in Renningen Gemeindepfarrer.

Abenteuerliche Reisen

Pitzals Augenmerk lag immer auf den Benachteiligten, seine humanitären Hilfsprojekte stehen unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. In 102 Ländern finden die Schwächsten, „vor allem Kinder“, Unterstützung durch seine Hilfsaktionen. „Ich habe alle diese Länder bereist“, erklärt Pitzal, der sich vor Ort von der Verwendung der Spenden ein Bild machen möchte. Seine Reisen seien immer recht abenteuerlich gewesen. „Ich bin kein Sprachengenie“, aber mit Händen und Füßen sei immer eine Verständigung möglich gewesen. Dabei seien Nordkorea und Irak auch „sozial heiße Länder“.

Auf den Reisen lauerte auch oftmals Gefahr. „In Jordanien bin ich beinahe erschossen worden“, auch plötzliche Bergrutsche gefährdeten Pitzal und seine Begleiter.

Vom Kindesalter an begeisterte sich Franz Pitzal für Krippen. In den 40er-Jahren kaufte er seine erste Krippe vom selbst verdienten Geld. Als Pfarrer war es sein Wunsch, die Renninger Krippe durch eine Ausstellung, die jährlich verändert werden sollte, bekannt zu machen. Durch die „Franz Pitzal Stiftung Renninger Krippe“ wird nicht nur der Betrieb des „Museums Renninger Krippe“ aufrecht erhalten. Spenden fließen auch in die Unterstützung Hilfsbedürftiger auf der ganzen Welt. Für seinen humanitären Einsatz erhielt Pfarrer Franz Pitzal unterschiedliche Ehrungen, darunter 1996 das Bundesverdienstkreuz.

Am Sonntag, 11. Juli um 10.30 Uhr feiert Pfarrer Franz Pitzal sein Goldenes Priesterjubiläum auf dem Leinzeller Sportplatz.

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