Junge Ukrainer sammeln Erfahrung in Leinzell

+
Gebannt lauschen die Siebtklässler ihrem virtuellen Besuch vom Bundesnachrichtendienst (BND).
  • schließen

Fünf Jugendliche aus der Ukraine sammeln in der Berufsorientierung praktische Erfahrungen - warum sie und alle Mitschüler am Schulzentrum Leinzell jetzt eine besondere Zeit erlebten.

LeinzellZwölf Kinder aus der Ukraine besuchen zurzeit das Schulzentrum in Leinzell. Für fünf waren die letzten Wochen besonders spannend. Sie besuchen die neunte Klasse und für sie stand, wie für ihre Mitschüler, die Berufsorientierung an. Sie durften ein Praktikum bei der Firma Kessler + Co. in Abtsgmünd machen und sind nun stolz auf den gefrästen Würfel, den sie selbst hergestellt haben.

„Dieses Werkstück fertigen bei uns alle Praktikanten an, so bekommen sie einen ersten Kontakt zu den Fräsmaschinen und haben gleichzeitig auch ein Andenken an ihre Praktikumszeit bei uns“, erklärt Hubert Fuchs, der Ausbildungsleiter für die technischen Berufe der Firma Kessler + Co. Die Zeit mit den ukrainischen Jugendlichen war für das Unternehmen aber auch etwas Besonderes. Zwar war Hubert Fuchs überrascht, wie gut die Jugendlichen teilweise schon Deutsch sprechen und verstehen. Wenn es aber in den Details noch Unklarheiten gab, hat Auszubildender Andreas Schnegelberger übersetzt.

„Ich bin zwar in Deutschland aufgewachsen, aber meine Eltern haben mir dennoch die Sprache beigebracht. Jetzt kommt es zum Einsatz“, erzählt Andreas. Nach seinem Schulabschluss hat er eine Ausbildung bei Kessler + Co. begonnen und ist inzwischen im 2. Lehrjahr. Für die ukrainischen Schülerinnen und Schüler war er während des Praktikums der direkte Ansprechpartner.

Auf die Frage, was ihnen denn besonders gefallen hat, antwortet Maria: „Ich fand es spannend, an der Maschine zu stehen und zu sehen, wie aus dem festen Stück Metall nach und nach dieser Würfel entsteht. Das war cool.“ Und Grigor ergänzt: „Andreas war super, er hat uns alles erklärt und gezeigt und man war nicht allein. Ich könnte mir auch vorstellen, hier mal zu arbeiten.“ Dann überlegt er kurz und meint grinsend: „Aber vielleicht kann ich mich dann ab und zu auf einen Stuhl setzen.“ Denn das lange Stehen an der Maschine fanden die Schüler sehr anstrengend.

Welchen Beruf die Zukunft für die jungen Menschen letztendlich bereithält, lässt sich schwer sagen, auch ob dieser in Deutschland oder in der Ukraine sein wird. Doch sie sind nun wieder um Erfahrungen und neue Einblicke reicher. „Und das ist essenziell. Durch solche Einblicke entstehen Perspektiven und die sind momentan wichtiger denn je“, betont Philipp Mathes, der Rektor des Schulzentrums in Leinzell, der sich auf diesem Weg und im Namen der Schulgemeinde ganz herzlich bei Kessler + Co. bedankt, die den ukrainestämmigen Schülerinnen und Schülern aus Leinzell dieses Praktikum ermöglicht hat.

Das Praktikum ist Teil der schulweiten Profilwoche. Alle machen mit - von der Fünften bis zur Abschlussklasse in allen Schularten am Schulzentrum Leinzell. Und jedes Mal werde das Programm vielfältiger, erlebt Pädagogin Tanja Wiesinger und findet, dass diese besonderen Schultage für alle wichtig sind - für die Schüler und für die Lehrer - „weil man miteinander ins Gespräch kommt und erlebt, was den anderen interessiert.“

Konzipiert ist die Profilwoche je nach Klassenstufe mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

Um Gemeinschaft geht es bei den Fünfern und Sechsern - da sind Themen wie Mobbing, Medienbildung, Klasse sein oder auch das Präventionsprogramm „Lions-Quest - Erwachsen werden“ angesagt.

Um Suchtverhalten geht es in den Klassen sieben und acht. Diskutiert wird über Alkohol und Nikotin über Spiele oder auch übers Essen. Und für die Werkrealschüler gibt es eine Ausbildungsmesse.

Um Berufsorientierung, aber auch um Selbstmanagement, geht es in den Klassen neun und zehn. Die Jugendlichen sind bei unterschiedlichen Arbeitgebern zu Praktika und in der Schule gibt es Angebote unter dem Stichwort Mindfulness. Thematisiert werden dabei Achtsamkeit, Wahrnehmung, Stress im Alltag.

„Es kann in der Profilwoche aber auch Ausflüge geben, Sportprogramme oder in der Sommerausgabe im nächsten Jahr das Schulfest zum Jubiläum“, beschreibt Tanja Wiesinger.

Besonders spannend waren in der jüngsten Profilwoche, neben dem Praktikum der Neuntklässler, zwei weitere Projekte:

Die Zehntklässler der Werkrealschule mit Klassenlehrer Michael Pick bekamen Besuch von Michael Bischoff, dem Gründer der Firma Jungleboards. Gemeinsam baute man Balanceboards aus alten Schultischen. Dazu wurden die Kanten der Bretter mit Feilen bearbeitet und abgerundet. Anschließend wurde der Unterbau aus alten, mit Holz unterlegten Kart-Reifen fixiert und die Bretter mit Plotterfolie individuell verziert. Und natürlich in einem kleinen Wettbewerb ausgiebig getestet,

Die Siebtklässler wandelten „auf den Spuren von James Bond, Agent 007“, wie Schülerin Nele Hinderer beschreibt. Bei den „Aktuellen 5 Minuten“ im Gemeinschaftskundeunterricht zum Thema Sicherheit ging es um Geheimdienste und speziell um den Bundesnachrichtendienst, welcher als Behörde mit Sitz in Berlin für die zivile und militärische Auslandsaufklärung zuständig ist. Kurzerhand wurde der BND zu einem virtuellen Besuch eingeladen und per Webinar über internationalen Terrorismus, Organisierte Kriminalität und Cybersicherheit ebenso gesprochen, wie über die Geschichte des BND in der BRD und Details zur Arbeit und zum nachrichtendienstlichen Einsatz von Agenten. Der live zugeschaltete Fachmann aus der Hauptzentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin beschrieb interessante Abläufe und das Netz der Zusammenarbeit in der EU oder der NATO und beantwortete viele Schülerfragen.

Stundenlang an der Maschine stehen ist für die Jugendlichen sehr anstrengend.
Die Zehntklässler der Werkrealschule fertigen aus alten Schulmöbeln Balanceboards an.
Der selbst gefräste Metallwürfel von Natalie. Bleibende Erinnerung an eine spannende Woche.
Die ukrainischen Schüler mit den Auszubildenden in einer Werkshalle der Firma Kessler & Co in Abtsgmünd.

Zurück zur Übersicht: Leinzell

Kommentare