Leinzeller Schwimmbad muss bis 17. April schließen

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Fürs Schwimmenlernen und gesunde Bewegung hat das Bad einen hohen Stellenwert. Foto: archiv-aks
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Warum das Leinzeller Gremium überzeugt ist, dass nur eine „Vollbremsung“ den Bestand der wichtigen Einrichtung auf Dauer sichern kann und was jetzt geschieht.

Leinzell

Niemand ringt an diesem Abend um eine Lösung, denn der Taschenrechner sagt klipp und klar, dass es keine gibt. „Wir müssen diese bittere Pille schlucken“, bedauern Johannes Binder und Oliver Barth - und die vielen Zuhörer, die vor allem zu diesem Thema gekommen sind, geben ihnen kopfnickend recht. Deshalb ist er einstimmig, der Gemeinderatsbeschluss, dass das Hallenbad vom 16. Dezember bis 17. April geschlossen wird. Weil Leinzell die gigantische Energiekostensteigerung nicht schultern kann und - ohne diese Vollbremsung - das Bad in seinem Bestand gefährdet wäre.

Das ist der traurige Hintergrund: Im Schnitt 5 Cent hat die Gemeinde bislang für die Kilowattstunde Gas am Kultur- und Sportzentrum bezahlen müssen. Jetzt flatterte dem Bürgermeister die Ankündigung auf den Tisch, dass es ab 1. Januar 16,93 Cent werden sollen. Wenn man - wie bisher - eine Million Kilowattstunden abnähme, wären das Mehrkosten von 120 000 Euro, sage der Taschenrechner. Und würde, was wahrscheinlich ist, diese Erhöhung auch auf Schule, Rathaus und Mensa angewandt, kämen am Ende Mehrkosten von 280 000 Euro heraus. 

Zwar hat Marc Schäffler seit dieser Ankündigung fieberhaft nach anderen Gasanbietern gesucht, aber festgestellt: „Neue Lieferanten wollen Dich gar nicht.“ Und er hat auch einen minimalen Verhandlungserfolg erreicht - 13,33 Cent je Kilowattstunde festzurrt auf drei Jahre für alle Gebäude. Aber auch das ergibt eine gigantische Summe. „Trotzdem mussten wir diesen Vertrag abschließen, denn kein Vertrag bedeutet gar kein Gas und damit komplett kalt“, sagt der Bürgermeister.

Aber der Taschenrechner entlarvt auch bei dieser Notlösung, die für Leinzell eine Erhöhung der Abschlagszahlungen um 6000 Euro bedeuten, am Ende eine Finanzierungslücke von 83 000 Euro. Eine Summe, die sich auch durch drastische Einsparungen nicht erreichen lasse, bedauert der Bürgermeister und sieht als einzige Lösung, das Hallenbad in der kalten Jahreszeit zu schließen. Denn 70 Prozent der Energiekosten fallen im Winter an - das sind 700 000 Kilowattstunden, wovon allein das Bad die Hälfte, als 350 000 Kilowattstunden braucht. Würde man in der nun vorgeschlagenen Zeit schließen, spare die Gemeinde beim neuen Gaspreis von 13,33 Cent insgesamt 46 500 Euro ein. „Und wir können Zeit gewinnen, um andere Lösungen zu suchen“, sagt Marc Schäffler.

Denn über eines sind sich an diesem Abend in der Kulturhalle alle einig: Das Hallenbad soll auf jeden Fall erhalten werden. „Ich halte zu 100 Prozent fest an diesem Schwimmbad“, betont Marc Schäffler. Wilhelm Schneele regt an, weitere Fördermöglichkeiten zu suchen. Vertreter des Fördervereins Schwimmhalle und vor allem der rührigen DLRG Ortsgruppe Schechingen-Leinzell sagen ihre tatkräftige Unterstützung zu.

In der Bürgerfragestunde hatten sie nochmals auf den Wert des Bades aufmerksam gemacht: 2000 Kinder kommen pro Jahr in die Schwimmhalle zum Übungsschwimmen, 40 Kinder machen hier pro Jahr das Seepferdchen. Auch für Erwachsene, vor allem für Senioren, sei es eine wichtige Möglichkeit, sich über Bewegung gesund zu erhalten. „Gerade im Winter wäre das Bad hier wichtig“,  bedauert Oliver Barth, dass es leider keine andere Sofortmaßnahme gebe. Um das Bad langfristig zu erhalten, müsse man auch bei der Sanierung in Richtung Energieeffizienz denken. „Uns ist es außerdem wichtig, dass das Bad in einem Zustand erhalten wird, dass es nach der Schließung problemlos wieder eröffnet werden kann“, stellt Johannes Binder klar. „Aber uns liegt viel daran, das Bad auf Dauer zu erhalten. Deshalb müssen wir die bittere Pille schlucken.“

Die Anregung aus der Zuhörerschaft, das Hallenbad im Sommer dann nicht während der gesamten Ferien zu schließen, damit die ausgefallenen Schwimmkurse nachgeholt werden können, wird gerne aufgenommen. Auch die Idee, die jährlich notwendigen Reinigungs- und Sanierungsarbeiten in den Januar und Februar zu verlegen, wird notiert und geprüft.

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