Millionen in der Erde vergraben

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Unter dem neuen Asphalt verbirgt sich ein Regenüberlauf. Eine der vielen Sanierungs- und Neubaumaßnahmen für die kostenintensive Abwasserbehandlung in Leinzell.
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Was die Wasserschutzbehörde im Landratsamt der Gemeinde Leinzell an Hausaufgaben in Sachen Abwasserbehandlung auferlegt hat und wie die Kanalsanierungen zu Buche schlagen.

Leinzell

Zwischen dem Parkplatz am Leinzeller Friedhof und dem Fußweg entlang der Lein gibt es eine rechteckige, frisch asphaltierte Fläche. Dieser neue Oberflächenbelag gleicht weder Schlaglöcher noch Risse aus. Er verbirgt vielmehr tiefschürfende Arbeit, für die Leinzell tief in die Tasche greifen musste. 317 000 Euro brutto waren in der Kostenberechnung angesetzt für dieses vorletzte Mosaiksteinchen in der umfassenden „Regenwasser-Entlastungskonzeption“, die das Mutlanger Büro LK&P für die Leintalkommune nach Maßgabe des Landratsamts erstellt hatte.

Es geht um Gewässerschutz, genauer einen neuen Regenüberlauf, der den alten, zu klein dimensionierten ersetzt. Und der bei starken Regenfällen dafür zu sorgen hat, dass nur überschüssiges Wasser direkt in die Lein abgeführt wird. Nicht aber die Dickstoffe aus der Kanalisation. Diese sollen nämlich zur Verbandskläranlage weitergeleitet werden.

„Die Baustelle ist sehr gut gelaufen“, freut sich Bürgermeister Ralph Leischner - auch weil diese Maßnahme günstiger abgerechnet werden kann als ursprünglich kalkuliert. Netto stehen 177 294 Euro in der Rechnung. Dazu kommen dann noch die Nebenkosten, etwa die Ingenieurleistungen.

Jede Menge Hausaufgaben in Sachen Abwasser hatte Leinzell seit 2012 abzuarbeiten. Gefordert vom Landratsamt, das einen Stufenplan für Kanalsanierungen verlangte und dessen schrittweise Umsetzung. Aktuell und bis Mitte Mai 2022 laufen deshalb Sanierungen im Bereich „Berg“. Kostenpunkt: 450 000 Euro. In den Vorjahren war bereits in einem ersten Bauabschnitt der nord-östliche Bereich von Leinzell für 666 000 Euro saniert worden. „Das war der größte Abschnitt.“ Und auch der nordwestliche Bereich ist geschafft - für 375 000 Euro wurde hier saniert. Momentan läuft der Zuschussantrag für den Bauabschnitt im Bereich Mulfinger Straße und Kirchgasse. Hier wird mit rund 285 000 Euro an Kosten gerechnet. Sofern der Zuschuss fließt, kann auch dort gestartet werden. „Wenn nicht gleich bezuschusst wird, muss man sehen“, sagt Bürgermeister Leischner, hofft aber, dass Leinzell wie in den vergangenen Jahren Nutznießer von beantragten Zuschüssen werden kann, die dann von den entsprechenden Kommunen doch nicht abgerufen wurden. Dann nämlich wird das Geld unterm Jahr auf die Kommunen verteilt, die beim ersten Antrag nicht berücksichtigt werden konnten. Da die Planungen allesamt vorhanden sind, kann Leinzell die Vorhaben kurzfristig umsetzen.

Weil Leinzell aufgrund seiner kleinen Gemarkungsfläche und Einwohnerzahl kein großes Steueraufkommen hat, und weil zugleich die Abwassergebühr den Schwellenwert für Zuschussanträge erfüllt, fällt die Gemeinde unter die „Härtefallregel“. Was bedeutet, dass die Leintalkommune prinzipiell mit Zuschüssen – im Schnitt 45 Prozent für Baumaßnahmen zur Verbesserung der Abwasserbehandlung – rechnen darf. „Ohne diese Zuschüsse könnten wir die ganzen Auflagen und Forderungen nicht erfüllen“, betont der Bürgermeister.

Zudem muss 2023 wohl erneut an die Abwassergebühren rangegangen werden. Grund hierfür ist, dass Leinzell den Eigenanteil für die anstehende Kläranlagensanierung des Abwasserverbands schultern muss. Wobei sich diese Gebührenanhebungen unterm Strich lohnen. „Für den Bau des Regenüberlaufbeckens, der 1,7 Millionen Euro kostete, erhielten wir 1,2 Millionen Euro Zuschuss“, rechnet Leischner vor.

Als letzter Abschnitt im Stufenplan der Kanalsanierungen steht dann der Bereich „Austraße“ an. Hier muss allerdings aufwendig in offener Bauweise saniert werden. Und dann steht noch der letzte Neubau eines Regenüberlaufs an. Unterm Strich hat die Gemeinde dann für alle Bauabschnitte (außer Austraße) 1,78 Millionen Euro investiert. „Ich bin eben der Tiefbau-Bürgermeister“, scherzt Ralf Leischner und spielt darauf an, dass Hochbauten sichtbar und deshalb vom Bürger viel eher begrüßt werden. Aber die Auflagen der Wasserschutzbehörde im Landratsamt waren eindeutig. Auch wenn „die Umsetzung unpopulär und kostenintensiv“ ist.

Ich bin eben der Tiefbau-Bürgermeister.“

Ralph Leischner,, Gemeinde Leinzell

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