„Wohnmobilisten tun der Ostalb gut“

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Der offizielle Wohnmobilstellplatz auf dem Schießtalplatz in Schwäbisch Gmünd ist abgesperrt. Reisende übernachten derzeit jenseits der Markierungen. Noch in diesem Jahr soll laut Stadt Gmünd beim Freibad im Schießtal eine neue Anlage entstehen.
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Markus Löhrer reist seit neun Jahren mit seinem Wohnmobil durch Deutschland. Auf einer Plattform im Internet stellt er Wohnmobilstellplätze vor. Warum die Ostalb dort nicht vertreten ist.

Leinzell

In der Region fehlt ein Vorzeigestellplatz für Wohnmobile“, sagt Markus Löhrer. Der 59-jährige Schweizer lebt in Leinzell, im Internet hat er eine Plattform für Wohnmobilisten geschaffen. „Dort zeige ich Stellplätze – hauptsächlich in Deutschland – im Filmformat.“ Damit es ein Wohnmobilstellplatz auf seine Plattform schaffe, müsse er mindestens 15 Parzellen besitzen. Das sei im Ostalbkreis Fehlanzeige. Markus Löhrer verfolgt die aktuellen Diskussionen über die Wohnmobilstellplätze in Schwäbisch Gmünd und Aalen mit großem Interesse.

Schwäbisch Gmünd: „Ich mag keine kostenlosen Stellplätze wie bisher auf dem Gmünder Schießtalplatz“, sagt er. Denn dadurch würden „die Schmarotzer“ angezogen. Gmünd habe die Chance, mit einem schönen Platz und Verweis auf die wunderbare historische Altstadt Touristen herzuholen, die sich eine Übernachtung auch etwas kosten lassen.

Aalen: Der Stellplatz im Aalener Hirschbach könne Menschen gefallen, die stadtnah schlafen, shoppen gehen und im Biergarten sitzen möchten. „Die große Chance für Tourismus bietet aber ein Stellplatz an den Thermen“, meint Löhrer. „Deutschlands größter Wohnmobilstellplatz befindet sich in Bad Dürrheim“, sagt er. „Drei Tage buchen, zwei Thermenbesuche frei“, sei dort der Renner.

Die Mehrzahl der Wohnmobilisten sei „60 plus“ Jahre alt, habe einen Hund und sei mit E-Bikes unterwegs. „Die bleiben dort, wo es ihnen einfach gefällt.“ Etwa in der schönen Landschaft bei Aalen. Davon könnten dann zum Beispiel auch örtliche Bäcker und Mezger profitieren.

Der Womo-Boom: „Wohnmobilreisen sind so begehrt wie nie zuvor“, bemerkt der 59-Jährige. Urlaubsziele wie Ägypten oder Türkei oder Reisen auf Kreuzfahrtschiffen seien spätestens seit Corona Vergangenheit. „Dabei sind Wohnmobilisten keine armen Schlucker.“ Laut einer Studie bringe jeder Wohnmobilist 40 Euro Kaufkraft pro Übernachtung mit.

Gibt's den perfekten Wohnmobilstellplatz?

Markus Löhrer ist mit Hündin Chicci auf Wohnmobilstellplätzen unterwegs. Auf womoclick.de präsentiert er viele Orte.

Für Markus Löhrer ist das Geschmackssache. Wenn er den Fischmarkt in Hamburg erleben wolle, wähle er gerne den Platz mitten auf dem Markt. „Wo es nach Hafen riecht.“ Ein anderes Mal könne ihm eine gepflegte Wiese an einem hübschen See für ein ruhiges Wochenende gefallen. Ein Schotterplatz wirke im Sonnenschein nicht besonders hübsch. „Aber bei Matschwetter ist er Gold wert.“

Markus Löhrer weiß, wovon er spricht. Seit neun Jahren sei er Womo-Fahrer. Durch seinen vorherigen Job habe er drei Jahre lang in einem Wohnmobil gewohnt. „Ich hatte nur noch ein Postfach in der Schweiz“, sagt er. „Eine Schwäbin hat mich dann von der Straße geholt.“

Fünf Punkte sind für Womo-Fahrer Markus Löhrer sehr wichtig

- mindestens 15 Parzellen, damit der Wohnmobilstellplatz „nicht nonstop voll“ ist.

- Parzellengrößen von mindestens 10 auf 6 Meter für die immer größeren Gefährte.

- Stromanschlüsse, die der Gemeinde laut Löhrer „gute Einnahmen bringen“.

- Sanitärangebote für Reisende in kleineren Gefährten.

- gute Entsorgungsanlage.

Mehr über das Projekt von Markus Löhrer unter www.womoclick.de

Eine Schwäbin hat mich von der Straße geholt.“

Markus Löhrer, Wohnmobilist-Kenner

Zwei Stellplätze für Wohnmobile in Aalen

Der Wohnmobilplatz im Aalener Hirschbach ist stadtnah. Ein zweiter Platz bei den Limesthermen wird ausgebaut.

Aalen. „Am Hirschbachbad sind acht Stellplätze ausgewiesen, jeweils mit Stromanschluss“, berichtet Karin Haisch, Sprecherin der Stadt Aalen. „Die zwei zusammenhängenden Flächen von jeweils 11,5 auf 15,5 Meter könnten aber auch für bis zu zwölf Wohnmobile ausreichen“, meint sie. Es gibt dort zwei Säulen für die Stromversorgung, einen Kanalanschluss zur Entsorgung von Abwasser sowie eine Säule für die Versorgung mit Frischwasser. Für den Betrieb muss eine 1-Euro-Münze eingeworfen werden – für 24 Stunden Stromversorgung und 80 Liter Frischwasser, die Abwasserentsorgung ist kostenfrei. Die Nutzung der Stellplätze sei ebenfalls kostenfrei, aber auf maximal drei Nächte beschränkt.

An der Osterbucher Steige an den Limesthermen werden acht Wohnmobilstellplätze mit Stromanschlüssen eingerichtet. Aktuell sei aber nur der Aufenthalt von bis zu sechs Wohnmobilen für eine Nacht gestattet, falls der Platz im Hirschbach voll ist. cow

Neue Stellplätze für Wohnmobile in Gmünd

Schwäbisch Gmünd. „Im Moment haben wir keinen öffentlichen Stellplatz für Wohnmobile in Schwäbisch Gmünd“, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann. Der bisherige Stellplatz auf dem Schießtalplatz sei coronabedingt geschlossen worden. „Die Wasserversorgung ist kaputt, dort werden wir nicht mehr investieren. Wir werden einen neuen Platz für etwa zehn Wohnmobile bauen – auch für große.“ Der solle am Waldrand in Richtung alter Eingang zum Schießtalfreibad entstehen. „Noch in diesem Jahr.“ Plan der Stadtwerke sei, dass jede Parzelle eine Stromsäule bekomme, Wasser und Abwasser würden zentral installiert. Der Platz solle WLAN bieten. Er ermögliche Synergieeffekte. Mit dem Stellplatz-Ticket direkt ins Freibad und zur Gastronomie, laute die Idee.

Für ein Angebot von etwa zehn weiteren Wohnmobilstellplätzen auf einem Parkplatz am Himmelsgarten Richtung Weleda gebe es einen privaten Interessenten. „Die Infrastruktur mit Strom und Wasser gibt's schon.“ cow

Zahl der Wohnmobile steigt enorm an

Die Zahl der Wohnmobile ist im Südwesten wie in allen Bundesländern Deutschlands im vergangenen Jahr stark gestiegen. Das meldet das Statistische Landesamt Baden-Württemberg. Laut Fahrzeugstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes legte der Bestand an Wohnmobilen im Südwesten zum Stichtag 1. Januar 2021 auf 101 862 zu. Damit stieg die Zahl innerhalb eines Jahres von 89 447 um mehr als 13,9 Prozent.

In Deutschland insgesamt hat der Bestand an Wohnmobilen nach Auswertung der neuesten Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes innerhalb eines Jahres um 14,5 Prozent oder mehr als 85 300 Fahrzeuge zugenommen: von 589 355 auf 674 697 Wohnmobile.

Unter den Wohnmobilen im Südwesten waren am 1. Januar 2020 rund 85 800 dieselbetrieben, knapp 3 400 Benziner, 216 fuhren mit Flüssiggas, zwölf mit Erdgas und drei hatten einen reinen Elektroantrieb.

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