Licht und Luft für wilde Orchideen

+
Die Schafe vom Körhof im Kochertal sind jetzt dreimal im Jahr auf der rekultivierten Fläche. Im Bild (v.l.) Zaunbauer Manfred Läpple, Schäfer Wolfgang Hägele, das Ehepaar Hagmayer, Ralf Worm und Bürgermeister Peter Kühnl.
  • schließen

Ein Spezialzaun, eine sinnvolle Nutzung und viel Idealismus: Grundstückseigentümer und Landschaftserhaltungsverband „retten“ ursprüngliche Weidefläche.

Ruppertshofen-Tonolzbronn

Wilde Orchideen oder Enzian statt Gestrüpp, Weidefläche - ganz so, wie sie in dieser Landschaft seit Jahrhunderten genutzt wurde: Dank eines neuen Projekts, das unter der Federführung des Landschaftserhaltungsverbands jetzt in Tonolzbronn umgesetzt werden konnte, kann eine rund drei Hektar große Knollenmergelbuckelwiese wieder beweidet werden. „Hier wurde für die Natur etwas Sinnvolles getan“, freut sich Bürgermeister Peter Kühnl über den Mehrwert für die Gemeinde.

Treibende Kraft bei diesem Projekt waren die Grundstückseigentümer. Reinhold Hagmayer und Bärbel Beißwenger wollten nicht länger zusehen, wie die Weideflächen am Hang zwischen der Friedhofstraße und dem Bodenwaldweg verwildern. Meterhoch standen die Brennnesseln, haben längst alle Blühpflanzen zurückgedrängt. Im Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) fand sich schließlich der richtige Partner. Denn Ralf Worm fand schnell heraus, dass die Größe und Lage geeignet war, einen Ausgleich zu schaffen für die vielen Flächen, die der Natur mittlerweile verloren gegangen sind - weil sie aufgeforstet wurden oder zugepflastert oder intensiv genutzt oder mit Leitungen versehen.

Das sollte hier nicht geschehen. Gemeinsam schritt man zur Tat: „Der erste und wichtigste Schritt ist, eine sinnvolle Nutzung zu finden“, erklärt der LEV-Geschäftsführer und ist froh, mit Wolfgang Hägele vom Köhrhof hier genau den richtigen Partner zu haben. Von einer „kleinen Herde“, das sind rund 50 Schafe und Ziegen, wird dieser das Hanggrundstück nun dreimal jährlich abfressen lassen, damit die wertvollen Blühpflanzen wieder genügend Licht und Luft zum gedeihen bekommen. Was den Grundstückseigentümern so viel Wert ist, dass sie die Fläche unentgeltlich zur Verfügung stellen. Der Landschaftserhaltungsverband hat als Projektpartner einen 750 Meter langen Spezialzaun finanziert, den Manfred Läpple gemeinsam mit Reinhold Hagmayer und Wolfgang Hägele im Frühjahr aufgebaut hat. Nicht ohne zuvor dem wuchernden Gestrüpp und dem Brennnesselwald gründlich den Garaus zu machen.

Sicher eingezäunt von starken Robinienpfosten an den Richtungswechseln und auf den langen Strecken dazwischen ergänzt durch wilddurchlässig-bewegliche Euykalptuslatten mit insgesamt fünf Spanndrähten befreien die Schafe und Ziegen nun die große Fläche von unerwünschten Bewuchs. Schäfer Wolfgang Hägele ergänzt das mit Nachmähen. Zusammen erhalten sie so ein Stück ursprüngliche Ostalb-Landschaft.

Viele Fläche sind der Natur verloren gegangen.

Ralf Worm, Landschaftserhaltungsverband
Spezialist Manfred Läpple setzt die schweren Robinienpfosten für den Spezialzaun.
Bärbel Beißwenger, Reinhold Hagmayer mit Tochter Regine Friedrichs (m.).

Zurück zur Übersicht: Schwäbischer Wald

WEITERE ARTIKEL

Kommentare