Die Natur liefert das beste Material

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Georg kohr, grünwerkstatt kindergarten
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Warum der pensionierte Pädagoge und Grünwerkstattleiter Georg Kohr um diese Zeit immer auf den Christbaum-Sammelstellen anzutreffen ist, und was mit seiner Beute geschieht.

Mutlangen

Er ist Wiederholungstäter. Immer nach Dreikönig juckt es Georg Kohr buchstäblich in allen Fingern. Dann ist er nicht zu halten, muss auf Beutezug gehen. Das Ziel des fast 80-jährigen Pädagogen sind die Christbaumsammelstellen in der näheren Umgebung.

Dort, vor Ort, packt Georg Kohr seine praktische Japansäge aus, für deren Transport er sich extra eine Lederhülle gebastelt hat - sicherheitshalber. Und dann rückt er systematisch den Spitzen der Bäume zu Leibe, die ihres Schmucks entledig auf die Abfuhr in Richtung Häckselmaschine warten. „Das sind kleine Wunderwerke der Natur, so ein tolles Holz mit so einer beeindruckenden Statik“, schwärmt Georg Kohr von seiner Beute - mit der er, wie jedes Jahr, Großes vor hat.

Zunächst lagert der Mutlanger die kostbare Fracht in seinem Garten - damit das Holz schön feucht bleibe, verrät er. Dann nämlich lasse es sich besser verarbeiten. Denn wie immer ab der zweiten Januarhälfte sind fleißige Heinzelmännchen am Werk in der Grünwerkstatt, die Georg Kohr im Mutlanger Kindergarten St. Elisabeth eingerichtet hat. In kleinen Gruppen von acht Kindern, coronabedingt derzeit nur jeweils zwei Kinder, werden die Spitzen der ehemaligen Christbäume hier veredelt und zu Wandhaken, praktischen Quirls, zu Rückenkratzern oder Ständern, an denen zum Beispiel Ketten und Ringe aufgehängt werden können.

Der Kreativität seien da keinerlei Grenzen gesetzt, versichert Georg Kohr, der sich Inspiration aus den unterschiedlichsten Fachbüchern holt. Und auch immer wieder erstaunt ist, wie viele schöne Anregungen von den Kindern selbst kommen. Besonders wenn er etwa in Iggingen oder Eschach mit Grundschülern arbeitet.

„Für mich ist es ein großes Glück, regelmäßig mit den Kindern zu arbeiten“, freut sich Georg Kohr immer wieder auf gemeinsame Stunden mit seinen Lehrlingen. Und hat sich für die Kindergartenkinder extra einen „Klassensatz“ original Schweizer Taschenmesser zugelegt. „Alle sollen ordentliches Handwerkszeug haben und alle das Gleiche“, sagt er und beobachtet, wie viel die Mädchen und Jungs sich dann auch gegenseitig beibringen und wie viel Erfahrung sie in der Gruppe austauschen. Auch, wenn es ums Verzieren geht, gibt es viele spannende Momente in der Grünwerkstatt. „Nicht alle Gruppen sind gleich schnell oder gleich geschickt. Aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Kind nichts zustande gekriegt hat. Am Ende sind sie alle stolz auf ihre Werkstücke und glücklich“, beschreibt er.

Was zur Grünwerkstatt auch gehört, sind die regelmäßigen Besuche im Wald - wofür Georg Kohr sich natürlich mit dem Förster abgestimmt hat. Hier erleben die Kinder, wo das Material für ihre Werkstücke herkommt. Und sie lernen den respektvollen Umgang mit der Natur. Zum Beispiel auch, dass man immer nur einige wenige Äste, etwa vom Holunder, mitnimmt, dass der Strauch weiterleben könne, beschreibt Georg Kohr.

Der sich nichts mehr wünscht, als dass es nun, nach Weihnachten, wieder losgehen möge. Und vielleicht auch bald mal wieder mit größeren Gruppen. Ohne Virusgefahr. Von den Kindern jedenfalls werde er immer wieder angesprochen: „Wann darf ich denn endlich zu Dir in die Werkstatt kommen?“.

Für mich ist es ein großes Glück, mit Kindern zu arbeiten.“

Georg Kohr,, Grünwerkstattleiter
Georg kohr, grünwerkstatt kindergarten
Georg kohr, grünwerkstatt kindergarten

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