Erst Corona dann Sturm und jetzt Starkstrom

+
Kinder in Cartagena, Schulprojekt

Warum der Verein zur Förderung des Schulprojekts Cartagena nun erneut um außergewöhnliche solidarische Unterstützung werben muss. Hauptversammlung formuliert oberste Priorität.  

Mutlangen

Hiobsbotschaften aus Cartagena musste Vorsitzende Rose Gaiser der Hauptversammlung des Vereins zur Förderung des Schulprojekts Cartagena bekannt geben. Mit ihrer Bildschirmpräsentation über die Situation bilanzierte sie die Zeit ab dem totalen Lockdown im März 2020, der das Leben für die Slumbewohner unerträglich machte. Sie seien regelrecht unter Polizeieinsatz eingesperrt gewesen, bis dank einer Privatinitiative die Stadtverwaltung gerichtlich aufgefordert wurde, sich um die Menschen zu kümmern. Dann erst konnten Lebensmittel an den Eingängen der abgeschirmten Viertel verteilt werden.

Das Förderzentrum „AMOR SIN FRONTERAS wurde zu einer Essensausgabestation umfunktioniert, wo über 120 Kinder auch mit ihren Familien dann einmal am Tag eine Mahlzeit zu sich nehmen konnten. Spenden über „Betterplace-Gut für die Ostalb“ und eine zusätzliche Finanzspritze von 2000 Euro aus dem Fördertopf des Ostalbkreises für Entwicklungshilfe schafften etwas Erleichterung.

Im November 2020 fegte zu allem Unglück noch der Orkan JOTA über den Norden Kolumbiens und zerstörte die Behausungen der Familien. Auch dann war die Spendenbereitschaft der hiesigen Bevölkerung groß. 

Anfang 2021 wurden wieder Flughäfen und Häfen geöffnet und das Leben schien Fahrt aufzunehmen. Die Slumbevölkerung durfte eingeschränkt wieder ihren Gelegenheitsjobs nachgehen. Im September 2021 kam der nächste akute Hilferuf aus Cartagena: „Wir leben unter Starkstrom!“ Direkt am Förderzentrum hatten die städtischen Energieversorger und die Stadtverwaltung ohne Vorwarnung drei Starkstrommasten aufgebaut. Dicke Stromkabel schweben nun bedrohlich über Kindern und Lehrkräften. Mehrere unabhängige Gutachter in Deutschland und Cartagena gaben eindeutige Warnmeldungen über die gefährdete Gesundheit von Kindern und Lehrerinnen.

10 000 Euro als Spendenziel

Stefan Schuhmacher vom Partnerverein „schuhmuckl“ hatte diese Gutachten in Auftrag gegeben. Fazit: Für das Förderzentrum wird ein neuer Standort gesucht. Dieses Vorhaben hat nun höchste Priorität.  Man möchte für den Standortwechsel mindestens 10 000 Euro bereitstellen. Das Geld sammeln - zum Beispiel  mit einem Vortragsnachmittag im Mutlanger Forum von Friedens- und Konfliktforscherin Lena Bareiß und Rose Gaiser über die Lage in Kolumbien, in der Hauptstadt Bogotà und direkt über die Zustände im Slumviertel. Zudem sollen Infoflyer für Spenden zu werben. 

Zuvor hatte Rose Gaiser nach dem Gedenken an verstorbene Vereinsmitglieder die Zahl der Mitglieder auf 86 beziffert. Es gibt 91 Patenschaften. Seit drei Jahren könnten leider nur vereinzelt Mitglieder und Paten gewonnen werden. Kassiererin Sibylle Schöll veranschaulichte die Einnahme- und Ausgabeposten der Jahre 2020 und 2021 in einer Bildschirmpräsentation. Nahezu komplett fließen die Gelder in das Schulprojekt nach Cartagena.  Der kommissarische Kassenprüfer Harald Welzel bescheinigte gemeinsam mit Kollegin Ilse Staller eine gewissenhafte und übersichtliche Kassenführung. Welzel hatte das Amt von Jürgen Kientz übernommen, der aus gesundheitlichen Gründen nach 15 Jahren Anfang 2020 zurücktrat. 

Anschließend ließ die Schriftführerin Franziska Seifert die Jahre 2020 und 2021 mit einem fast leerem Veranstaltungskalender Revue passieren. Eine außerordentlich gute Spendenresonanz fand die Teilnahme an der Aktion „Gut für die Ostalb“ jetzt „Wir-Wunder-Ostalbkreis“ über die Spendenplattform „betterplace“. 3800 Euro erhielt der Verein in den beiden Jahren. Die Verdopplungsaktionen der KSK Ostalb, die Vereinsförderung der Gemeinde, etliche Einzelspenden - Rose Gaiser dankte allen, die sich engagierten.  Bürgermeisterin Stephanie Eßwein beantragte die Entlastung und zeigte sich sehr beeindruckt vom Bericht über die Zustände in Cartagena. Sie sicherte dem Förderverein ihre Unterstützung zu.

 Bei den Wahlen wurden im Amt bestätigt: Rose Gaiser als 1. Vorsitzende, Fine Kientz als 2. Vorsitzende, Sibylle Schöll als Kassiererin, Franziska Seifert als Schriftführerin sowie Waltraud Welzel, Andrea Mangold und Monika Bareiß im Beirat sowie Ilse Staller und Edgar Dolderer als Kassenprüfer.  ⋌aks

Zurück zur Übersicht: Mutlangen

Mehr zum Thema

Kommentare