In Mutlangen wie an der Berliner Charité

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Zu den Prüfungsaufgaben gehörte es auch, den „Patientinnen“ die nächsten Schritte der Pflegearbeit zu erklären.

Stauferklinikum in Mutlangen setzt zum ersten Mal Schauspieler für die Pflegeprüfung ein.

Mutlangen. Es ist eine Premiere: Zum ersten Mal sind am Stauferklinikum Schauspieler im Einsatz, als in der Pflege die Abschlussprüfungen abgenommen werden. Das ist spannend.

Alles scheint echt: Das Patientenzimmer im Krankenhaus. Die Patientin im Bett. Kaum zu glauben, dass die Patientin ihre Rolle für die angehenden Prüflinge der Mutlanger Pflegeschule nur spielt.

Wie es dazu kam, erläutert Schulleiterin Ulrike Schleich: „Durch die Pandemie waren wir für unsere praktischen Prüfungen vor besondere Herausforderungen gestellt. Tätigkeiten am Patienten sind teilweise nur eingeschränkt möglich. Durch den Kontakt zu Robin Kucher kam die Idee auf, dass Schauspieler die Patienten in unserem Skills Lab spielen könnten.“

Robin Kucher leitet die Gruppe „Mutlangen macht Theater“ und die Theater-AG am Mutlanger Franziskus-Gymnasium. Zudem arbeitet er am Theater der Stadt Aalen als Regieassistent. Stauferklinikum und Franziskus-Gymnasium sind über eine Bildungspartnerschaft bereits langjährige Kooperationspartner. So kam der Kontakt zustande.

Robin Kucher hat nach dem ersten Ideenaustausch die Schauspieler organisiert. „Es traf sich gut, denn leider mussten wir ein großes, für 2020 geplantes Projekt in Mutlangen absagen. So waren wir auch froh, während der Pandemie tätig sein zu können“, berichtet er. Zusammen mit der Pflegeschule wurden Skripte geschrieben und Patientenrollen entwickelt. Von Diabetes bis zum Verbandwechsel nach chirurgischem Eingriff mussten die Schauspieler sich in verschiedene Situationen einarbeiten und Krankheitsbilder simulieren. „Hauptsächlich geht es da um die kommunikativen Fähigkeiten unserer Schüler“ berichtet Sinika Schneider. Sie leitete das Projekt seitens der Mutlanger Pflegeschule. „Mit guter Vorbereitung kann durch die simulierten Szenen auch die Komplexität der Prüfung in der echten Patientensituation hergestellt werden. Der große Vorteil liegt wiederum in der besseren Vergleichbarkeit zwischen den Schülern, was die Prüfung auch fairer macht“, ergänzt sie.

Und die Prüfungssituationen waren nicht ohne: Da sollten Patienten mit Panik oder Angstzuständen beruhigt, dazu auf Unvorhergesehenes schnell und richtig reagiert werden.

Die praktisch-technischen Aufgaben wurden dann aber doch an einer Puppe simuliert. „Es wäre für die Schauspieler schwer erträglich gewesen, sich nacheinander mehrere Injektionen geben zu lassen oder auch Katheter anzulegen zu lassen“, meint Robin Kucher lachend.

Zugegeben: Ganz neu ist die Idee mit den Schauspielern nicht. An größeren Kliniken, unter anderem der Charité in Berlin oder der Uniklinik Magdeburg, gibt es das Model schon länger. Aber es gehören natürlich auch Schauspieler dazu, die das übernehmen. Eine dieser Schauspielerinnen ist Gerlinde Widmann aus Mutlangen. Für sie war der Einsatz im Krankenhaus eine ganz neue Erfahrung. „Hier spiele ich in diesem Moment eine reale Person und es gibt auch kein festes Drehbuch. Das macht es spannend und hat zudem großen Spaß gemacht“, sagt sie.

Auch bei den Schülern fand das Projekt großen Anklang. Finn Fänger ist 21 Jahre alt und kommt aus Lorch. In seiner Prüfung ging es um die Versorgung eines Patienten mit Diabetes. Im Gespräch mit seinem „Patienten“ musste Fänger den Ernährungsplan erklären oder der Umgang mit Insulin. „Am Anfang hatte ich Bedenken, aber ich fand das Prüfungsformat sehr gut“, meint er rückblickend. „Endlich konnte ich auch in vollem Umfang zeigen, was ich gelernt habe und was ich kann.“

Fortsetzung steht schon fest

Die Premiere am Stauferklinikum war noch das Probeexamen, eine Fortsetzung ist geplant. Beim Staatsexamen im Juli werden die Schauspieler wieder mit dabei sein. Auch darüber hinaus soll das Projekt fortgesetzt werden. Robin Kucher arbeitet mit der Pflegeschule an weiteren Charakteren. „Wir wollen die Rollen weiter verfeinern, eventuell auch aggressiveres Verhalten von Patienten mit einbauen“, meint Sinika Schneider und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit. Interesse besteht dafür auch bei den Schauspielern. „Da entwickelt sich etwas sehr Gutes“, ist Robin Kucher sicher.

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