Lernen zwischen Lägerle und Futterkrippe

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Jeden Tag gibt es Interessantes aus dem Wald zu berichten im Naturkindergarten in Mutlangen. Wippidu-Geschäftsführer Stephan Spiegel und Fachberater Simon Brenner-Capitano besuchen die Sprösslinge und Erzieherinnen Lisa Wiedmann und Annemarie Jung.
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Im September 2021 öffnete der Naturkindergarten in Mutlangen seine Pforten. Ein abwechslungsreicher Alltag wird für zehn Kinder geboten.

Mutlangen

Kurz vor 13 Uhr hört man aus der Ferne Stimmen. Sie nähern sich aus dem Wald. Dann sieht man die bunten Farbtupfen der Jacken. Und die Stimmen werden lauter. Sie kommen. Wieder neigt sich ein Kindergartentag dem Ende entgegen. Erzieherin Lisa Wiedmann ist im Gespräch mit dem Nachwuchs. Man unterhält sich über Tierspuren, die man im Wald entdeckt hat. Debattiert noch darüber, wie man einen Stock richtig hält, damit man niemand verletzt. „Immer nach unten“, ist sich ein Mädchen sicher – und macht es vor. „Genau“, bestätigt die andere Erzieherin, Annemarie Jung. Dann ist die Kinderschar am Gebäude angekommen, auf dem der Name „Die Distelfinken“ zu lesen ist.

(Fast) immer draußen

Hinter der Kindergartengruppe, die im September am Wald in Mutlangen eröffnet wurde, liegen wieder sechs abwechslungsreiche Stunden. Denn kein Tag im Naturkindergarten ist wie der andere. „Mal hören wir Tiere, mal entdecken wir Spuren, oder wird im Freispiel ein Lägerle errichtet“, beschreibt die Kindheitspädagogin Lisa Wiedmann. Natürlich werden auch Blumen entdeckt, oder den Bäumen die richtigen Namen gegeben. Aber immer ist man draußen im Wald als Spiel- und Lernraum. Ganz so, wie es das Konzept eines Naturkindergartens vorsieht.

Allerdings scheint nicht jeden Tag die Sonne. Was macht man im Waldkindergarten wenn es regnet oder stark schneit? Wenn der Wind kalt weht? „Die Kinder sind längst nicht so empfindlich, wie man es glaubt“, berichtet da die Leiterin der Kinderschar. „Man muss sich in Schichten bekleiden“, deutet sie auf die gut bestückte Garderobe im Gebäude Bislang musste nur zwei Tage im Gebäude geblieben werden, da es einfach zu kalt und windig war. Dann wurde flugs ein Alternativprogramm angeboten: Plätzchen backen. Auch das hat Spaß gemacht. Raum gibt es schließlich genug im beheizten Gebäude des Naturkindergartens, der zehn Plätze für über Dreijährige bietet. So ist das Wetter kein Problem, von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr ist das Gebäude quasi die Basis für den Nachwuchs. Aber viel lieber zieht man natürlich durch den Forst. „Wir sind einfach sehr viel in Bewegung“, lächelt Lisa Wiedmann. Und es gibt im Wald schließlich viel zu entdecken. Da schmeckt das Vesper gleich nochmal so gut, wenn man es auf einem Baumstamm sitzend isst, während man Vogelgezwitscher zuhört. „Die Kinder lernen mit allen Sinnen“, beschreibt die Leiterin das Ansinnen eines Naturkindergartens. Egal, ob es nun um Sprachförderung geht. Etwa, wenn ein Kind eine Frage formuliert und die Antwort erhält. Oder auch beispielsweise ums Rechnen, das ganz nebenher geht. Und natürlich sind alle Kinder gespannt, wenn man bei der Futterkrippe im Wald ist. Waren die Tiere da und haben sich bedient? Da lernen die Sprösslinge, dass man sich mucksmäuschenstill verhalten muss, wenn man scheue Rehe sehen möchte.

Übrigens, das erste Vesper wird im Gebäude, beziehungsweise davor verzehrt. Als Sitzgelegenheit dienen Baumstümpfe. Das zweite Vesper gibt es dann im Wald. „Und das Immunsystem der Kinder wird ganz natürlich aufgebaut“, erklärt der Geschäftsführer von Wippidu, Stephan Spiegel. Der Verein ist Träger. Und schon ist es wieder Zeit, den Waldweg nach vorne zu gehen. Am Parkplatz beim Tennisverein gibt‘s extra Plätze für die Eltern, die ihre Kinder in den Naturkindergarten bringen. Besser gesagt, zum Sammelplatz am Parkplatz. Dort warten die beiden Erzieherinnen morgens und holen die Kinder ab. Und mittags warten dort die Eltern, dass die Kinder wieder hergebracht werden. „Wir sind flexibel“, berichtet Lisa Wiedmann, dass es morgens nun auch ein zweites Zeitfenster gibt. „Manchen Eltern war 7.30 Uhr zu früh. Jetzt gehen wir mit den Kindern, die bereits da sind, nochmal eineinhalb Stunden später vor. Und wenn dann alle da sind, gehen wir in den Wald.“ So wird in enger Zusammenarbeit mit den Eltern auch nachgesteuert.

Fest wird nachgeholt

Zusammen freut man sich nun auf das Frühjahr, denn dann soll endlich ein Fest gefeiert werden. Durch Corona musste auf die Offizielle Einweihung im September verzichtet werden. „Aber das holen wir nach“, nickt Lisa Wiedmann.

Kinder sind längst nicht so empfindlich, wie man es glaubt.“

Lisa Wiedmann,, Erzieherin

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