Mahnwache in Mutlangen: Für einen sofortigen Waffenstillstand

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Friedenslauf mit Mahnwache an der Friedenswiese 2022
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Hunderte Menschen beteiligen sich am Friedenssternlauf vom Rathaus zur Friedenswiese auf der Mutlanger Heide. Dort erleben sie eine eindrückliche Veranstaltung.

Mutlangen

Sie kamen tatsächlich von allen Seiten und aus allen Straßen. Immer größer und größer wurde die Zahl der Menschen, die am Abend in Richtung Friedenswiese strebten, um an der Mahnwache dort teilzunehmen - solidarisch zu sein mit den Menschen, die in der Ukraine Opfer der Invasion durch Putins Truppen sind. Waren es 200 Frauen und Männer jeden Alters, waren es 300, die sich im Halbdunkel um die große Baumgruppe mitten auf der Wiese aufstellten? Viele mit Kerzen in der Hand.

Sie alle richteten den Blick auf die Baumgruppe, angestrahlt in Blau und Gelb, und lauschten zunächst dem Musikverein, der mit „Imagine“ von John Lennon die Mahnung unterstreicht, das Zeichen für den Frieden verstärkt. „Wer hätte sich das je vorstellen können“, fragt Bürgermeisterin Stephanie Eßwein und spricht jenen aus der Seele, die sich wie sie sorgen, ängstigen, die betroffen und sprachlos sind über das, was nicht mal zwei Flugstunden entfernt in Europa geschieht. Die wütend sind, wenn sie die Bilder sehen von weinenden Kindern und Müttern, die sich von ihren Vätern und Männern verabschieden müssen - womöglich für immer? Oder die Bilder von Menschen, die in Kellern und U-Bahnen Schutz suchen. „Unsere Solidarität gilt auch denen, die in Russland Widerstand leisten gegen Putins Krieg. Wir stehen hinter ihnen. Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand“, sagt die Bürgermeisterin. Und dann zündet sie eine Kerze für den Frieden an, formuliert Gedanken der Hoffnung und den dringenden Wunsch, „dass wir alle als Gesellschaft zusammenhalten.

Auch Silvia Bopp, die Vorsitzende der Friedenswerkstatt, verurteilt den Krieg, den der russische Präsident angezettelt hat. Mit einer stichpunkthaften Betrachtung der Entwicklung zeigt sie aber auch Versäumnisse der anderen, der westlichen Seite auf. Eskalationspunkte seien nicht gewissenhaft bearbeitet, die Friedenslogik nicht entschlossen verfolgt worden.

Die nun, als Reaktion auf den Überfall, innerhalb weniger Tage zu beobachtende Militarisierung sei der falsche Weg, warnt Silvia Bopp und mahnt eine konsequente Friedenslogik an, eine Konfliktanalyse, die auch eigene Fehler eingestehe und eigene Interessen hinterfrage.

Der Kampf mit Waffen sei keine Lösung, bekräftigt Volker Nick von der Pressehütte, denn dabei werde zerstört, was man eigentlich verteidigen müsste. „Militärisch ist der Krieg nicht zu gewinnen. Ziviler Widerstand wird entscheiden. Das ist das Einzige, was Hoffnung gibt“.

„Suche den Frieden und jage ihm nach“, zitiert die evangelische Pfarrerin Eleonore Härter eine Jahreslosung - nie hätte sie gedacht, dass der Friede so flüchtig, der Zwist zwischen Brudervölkern so schnell wachsen könne. Sie fordert die vielen Zuhörerinnen und Zuhörer auf, den Frieden zu suchen, den anderen zuzuhören, die Achtung nicht zu verlieren, jede Eskalation der Gewalt zu beenden, Frieden zu stiften. Colette Eisenhuth von der katholischen Seelsorgeeinheit Limeshöhe beschwört im Gebet die Kraft, umzudenken; den Mut umzukehren und den inneren Frieden und Einsicht zu finden.

„Gib uns Frieden jeden Tag“, singen die Teilnehmer der Mahnwache - begleitet vom Musikverein. Dann klingt über die Friedenswiese die jugendliche Stimme von Pascale Bosch, die im Sommer noch im Coronatestzentrum in Mutlangen mitgearbeitet hat und derzeit in Tschechien, knapp 100 Kilometer entfernt von der ukrainischen Grenze studiert. Sie erzählt, wie hier direkt vor Ort versucht wird, den Menschen im Nachbarland und den Flüchtlingen zu helfen.

Ehe die Veranstaltung vom Musikverein mit der Europahymne „Freude schöner Götterfunken“ beendet wird, dankt Bürgermeisterin Stephanie Eßwein Cris Maurer für den technischen Support, dem Rathausteam mit Julia Leinmüller an der Spitze und der Feuerwehr, die den Sternmarsch begleitet hat, sowie besonders Alex Ripberger, der eine Friedenstaube gefertigt hat. Diese werde künftig beim Kriegerdenkmal auf dem Friedhof platziert, erklärt die Bürgermeisterin, damit dessen Mahnung zum Frieden unterstreichen und gute Gedanken fördern.

Wer hätte sich das vorstellen können?“

Stephnie Eßwein,, Bürgermeisterin
Friedenslauf mit Mahnwache an der Friedenswiese 2022
Friedenslauf mit Mahnwache an der Friedenswiese 2022

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