Von der „Anstalt“ zur Wohngruppe

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„Mittendrin statt außen vor“: Eine Wanderausstellung zeigt die Geschichte der Stiftung Haus Lindenhof, die ihren 50. Geburtstag feiert. Derzeit ist die Ausstellung im Eingangsbereich des Mutlanger Rathauses zu sehen.
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„50 Jahre Stiftung Haus Lindenhof“ zeigt im Rathaus Mutlangen den Gesellschaftswandel gegenüber pflegebedürftiger Senioren und Menschen mit Behinderung.

Mutlangen

Mut, Visionen und Einsatzkraft beweist die Stiftung Haus Lindenhof seit nunmehr 50 Jahren im Einsatz für die Altenhilfe und für Menschen mit Handycap. In einer Wanderausstellung, deren Start am Mittwoch im Mutlanger Rathaus war, werden die Stationen von der Gründung der Stiftung bis heute auf sechs informativen Tafeln im Eingangsbereich aufgezeigt. Dabei zeigt sich dem Betrachter, dass es auch ein Rückblick auf die Gesellschaft ist – und wie sehr sich diese im Laufe der Jahre bezüglich der Altenhilfe und Inklusion gewandelt hat.

Gegen ein „Deppenhaus“

Bürgermeisterin Stephanie Eßwein eröffnet mit Stiftungsdirektor Professor Wolfgang Wasel die Ausstellung und kommentiert deren Standort im Eingangsbereich des Rathauses als bestens, da man als Besucher „fast drüber stolpert“. Was sich an Texten und Bildern auf den Tafeln findet, ist nicht nur der Werdegang einer Stiftung, sondern ein Spiegelbild davon, wie sich die Gesellschaft gewandelt habe.

So erinnert der Stiftungsdirektor etwa an die Standortsuche für eine Großeinrichtung zur Eingliederung behinderter Menschen. Einen Standort, an dem sie wohnen, zur Schule gehen und arbeiten konnten. „Es gab viel Unterstützung, aber auch großen Widerstand“, beschreibt Wasel, dass manche Region sich damals deutlich gegen ein „Deppenhaus“ gestellt habe. Diese Zeiten seien Gott sei Dank vorbei. Und in Gmünd habe man damals eine gute Partnerin gefunden, stellt er dankbar fest. In Gmünd gründete sich die Stiftung Haus Lindenhof am 30. April 1971. Eine Bedarfsanalyse hatte 1968 ergeben, dass 2500 Plätze für Behinderte in Baden-Württemberg fehlten. Es war ein Spendenaufruf erfolgt, der 400 000 Euro Grundkapital brachte. So konnte der Zentralstandort nahe Bettringen entstehen, bis heute die Zentrale der Stiftung. Unterstützung kam vom Caritasverband.

Die UN-Behindertenrechtskonvention, die 2009 unterzeichnet wurde, habe der Stiftung Rückenwind in Sachen Teilhabe und Selbstbestimmung gebracht, unterstreicht Wasel.

Auf den Tafeln wird auch die Sparpolitik der 1980er- und 1990er-Jahre dargestellt, aus der die Abschaffung des Selbstkostenprinzips resultierte. Der Markt wurde eröffnet, Wettbewerb fand statt im Altenhilfebereich. Die Stiftung ist seit 1990 in der Altenhilfe mit stetig steigenden Angeboten verankert. Da damals nicht jeder in diesen Markt einsteigen wollte oder konnte, gab es seinerzeit einige Zustiftungen an die Stiftung Haus Lindenhof, erläutert der Direktor.

Heute seien die Angebote der Altenhilfe und der Eingliederung gleich gewichtig. Auch bei der Eingliederung habe sich viel getan. So findet man heute die behinderten Menschen nicht mehr in großen „Anstalten“ abseits der Gemeinden, sondern oftmals mitten im Ort in kleinen Wohngruppen. „Wie auch in Mutlangen, wo die Menschen etwa bei Konzerten dabei sind oder bei der Landschaftsputzete und als Mitglied im Musikverein. Das ist schön zu sehen“, bekräftigt Bürgermeisterin Eßwein.

„Wir wollen die Menschen mitnehmen. Dafür brauchen wir die Kommunen als Partner“, beschreibt Wasel. Er erklärt, dass die Stiftung an 67 Standorten mit 2500 Mitarbeitern, aber auch mit 1000 Ehrenamtlichen tätig sei. „Die Öffnung der Häuser ist prägend“, verweist er darauf, dass es Stiftungseinrichtungen in den Kreisen Ostalb, Heidenheim und Göppingen gibt. Wie es die Tafeln zeigen: „Mittendrin statt außen vor“.

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