Wo es positives Schwarzbrot gibt

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Die Kiste mit Material aus ihrer Zeit als Seelsorgerin in Gotteszell hat Pfarrerin Eleonore Härter beim Packen wieder entdeckt. Willkommene Erinnerungen an eine besonders spannende Zeit. Das Geburtstagsplakat der Kindergartenkinder erinnert sie an schöne
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Nach 39 Dienstjahren geht Eleonore Härter - aktuell Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Lindach/Mutlangen in den Ruhestand. Was sie im Rückblick erzählt.

Mutlangen

Mir fällt es nicht ganz leicht“, gesteht Eleonore Härter fast ein wenig verwundert. Denn die Pfarrerin, die seit 2015 für die Kirchengemeinde Lindach/Mutlangen die Verantwortung trägt, geht zum Ende des Monats auf eigenen Wunsch ein kleines Bisschen früher in den Ruhestand - weil sich das mit den privaten Plänen der fast 65-Jährigen besser vereinbaren lässt. Und weil die letzten beiden Coronajahre ihr viel Kraft geraubt haben, wie sie erzählt. Seit 2020, seit ihre Amtskollegin Susanne Holzwarth-Raithelhuber Mutlangen verlassen hat, ist Eleonore Härter für die „Riesenstelle“ alleine verantwortlich gewesen. „Anfangs dachte ich, dass ich das mit meiner Routine gut schaffen kann“, blickt sie auf die turbulenten Monate. Denn Corona war alles andere als Routine - eher mit Vorliebe freitags Anweisungen, was bis Sonntag alles neu geregelt werden sollte.

Die Präsenzpflicht an sieben Tage die Woche - das war Eleonore Härter ja gewöhnt - die ganzen 39 Jahre ihres Pfarrerinnen-Daseins. Doch zuletzt blieb nun so viel Privates auf der Strecke. Auch das legte den leicht verfrühten Ruhestand nahe. Den die aus Bettringen stammende Pfarrerin in Nehren verbringen will. Dort hat sie die passende Wohnung gefunden. Dort hat sie Freunde und aus Studienzeiten viele Bekannte. Dort werde sie sich im Besuchsdienst engagieren, um heimisch zu werden und die Menschen kennen zu lernen, plant Eleonore Härter.

Inzwischen hat sie begonnen, die Kisten für den Umzug zu packen. Gelegenheit zum Entrümpeln, aber auch zum Rückblick. Predigten, Beerdigungsansprachen, Texte für Unterrichtseinheiten sind im Reißwolf gelandet - „das gibt es ja immer noch digital“, tröstet die Pfarrerin. Bücher dagegen will sie mitnehmen, so viele in die Regale in der neuen Wohnung passen.

Zum Beispiel auch alle aus der Kiste, die sie von ihrer Zeit als Seelsorgerin im Frauengefängnis Gotteszell dort verstaut hat. Die ist ihr beim Packen wieder in die Hände gefallen und hat viele Erinnerungen geweckt an die Zeit zwischen 1988 und 2001. „Das war meine interessanteste Stelle“, bilanziert Eleonore Härter und erklärt, in Gotteszell sei das Evangelium am ehesten am richtigen Ort gewesen - unter Menschen, für die die Worte Gnade, Gerechtigkeit oder vor dem Richter stehen eine ganz urtümliche Bedeutung haben.

Was ihr am Pfarrerinnen-Beruf am meisten Spaß gemacht hat? „Dass ich immer die Lieder singen konnte, die mir gefallen haben“, sagt sie lachend - auch das eine Freude, die Corona ihr verdorben hat. Auch die Arbeit mit Kindern - im Kindergarten, in der Schule, im Familiengottesdienst - hat Eleonore Härter besonders gerne gemacht.

Die viele Verwaltungsarbeit auf der Pfarrstelle - vom Brandschutz im Kindergarten bis zur Personalführung, waren dagegen weniger ihr Ding. „Zum Glück gibt es jetzt die Verwaltungsstelle, die uns hier einiges abnimmt“, sagt sie. Als belastend hat sie zudem die Kirchenaustritte empfunden. Und als Schwarzbrot im positiven Sinn die Beerdigungen und Trauergottesdienste. „Da war vieles, an dem man zu knabbern hatte. Aber das hat den Glauben auch genährt.“

Über die sehr gute Jugendarbeit des damaligen Waldstetter Pfarrers Wurster hatte Eleonore Härter zur Theologie gefunden. 1976 machte sie Abitur, studierte in Tübingen und war 1983 Vikarin in Lorch, 1986 Pfarrerin zur Anstellung in Geislingen sowie zwischen 2001 und 2015 in Plochingen.

Die Vor-Corona-Zeit in Lindach/Mutlangen habe sie sehr positiv erlebt, erzählt sie. Besonders schön seien nicht nur die Gemeindehäuser, die Nikolauskirche und das gerade in der Renovierung befindliche Pfarrhaus, sondern auch das Engagement- bis hin zur Vesperkirche, die wirklich etwas ganz Besonderes darstelle. Derzeit ist die Pfarrstelle ausgeschrieben.

Lieder singen, hat mir besonders gefallen.“

Eleonore Härter,, Pfarrerin

Abschied und Entpflichtung

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