Zwischen Bangen und Freuen: Schwester Erika über die Covid-Station

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Schwester Erika Skowronek leitet die Covid-Station im Stauferklinikum.
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Seit 20 Monaten ist eine „normale“ Station umgewandelt zur Covid-Station. Was die Leiterin Erika Skowronek erzählt.

Mutlangen

Wow - das ist wirklich eine ganz besondere Begegnung, die hier gerade über Zoom abläuft. Schwester Erika Skowronek sitzt im Stauferklinikum vor ihrem Bildschirm, ich im Homeoffice vor meinem. Die Pandemie erlaubt nichts anderes. Vor allem auch, weil Schwester Erika die Leiterin der Covid-Station ist - einer sehr besonderen Station, wie ich in diesem Gespräch lerne. Von einer sehr besonderen Frau.

Ruhig und unaufgeregt erzählt sie von den letzten 20 Monaten. So lange ist es schon her, dass der Schreiner zum ersten Mal angerückt ist, eine Trennwand zog und in der einstigen Station für Patienten der Kardiologie und der Unfallchirurgie die Zimmer abtrennte und Betten für Menschen aufgestellt wurden, die so schwer an der Pandemie erkrankt sind, dass sie in die Klinik müssen.

Seitdem, erzählt Schwester Erika, waren die Handwerker schon einige Male wieder da. Je nach Bedarf wurden mehr oder weniger Zimmer abgeteilt. Jedes Mal musste nicht nur aufgebaut - also komplett abgetrennt ohne Durchgang und Kontakt - oder abgebaut werden, sondern auch immer komplett gereinigt und desinfiziert.

Ein großer, ein zusätzlicher Aufwand.

So wie vieles, seit es Covid gibt. Früher, erzählt Schwester Erika, seien die Tage geregelt gewesen und die Abläufe in der Station weit im Vorhinein planbar. Heute macht sie die Dienstpläne für die rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich neu. Weil heute 15 und morgen plötzlich 25 Schwerkranke da sein können. Weil die Beschäftigten nach 20 Monaten Dauerbelastung auch selbst gesundheitlich an ihre Grenzen kommen. Weil kein Tag wie der andere ist.

Doch statt zu jammern, sagt Schwester Erika: „Ich bin ganz arg stolz auf mein Team. Sie haben so viel Neues gelernt, alle Herausforderungen gestemmt, sind flexibel und springen immer ein, wenn es irgendwie geht. Sie sind so offen für alles, trotz der schweren Arbeit, die täglich bewältigt werden muss. Oft denke ich, man sollte noch viel häufiger loben.“ Doch wie fast überall werde gerade das im Alltagsstress vergessen.

Längst aufgehört, zu zählen

Kein Wunder, wenn es so vieles gibt, das konzentriert bedacht werden muss. Angefangen vom ständigen Umkleiden und gewissenhaften Desinfizieren. Kittel, Kopfhaube, Schutzbrille, Schild - die Pflegerinnen und Pfleger haben längst aufgehört zu zählen, wie oft sie das anlegen. Manche Patienten sind so schwer krank, dass die komplette Grundpflege gemacht wird und die Pflegekräfte zum Lagern zu zweit sein müssen. „Zum Glück haben wir inzwischen genügend Kittel und Schutzmasken“, erinnert sich Schwester Erika an die Anfangszeit, als stets die Sorge im Hinterkopf war, dass das Material ausgeht. Seitdem sind die Pandemiewellen über die Welt und über das Klinikum gerollt. Die Patienten kamen mit hohem Fieber, mit schwerem Husten, hatten teils extreme Atemnot - bekamen je nach ärztlicher Verordnung Medikamente, Infusionen, Sauerstoff, Anleitung in Atemgymnastik. Manche mussten nur wenige Tage bleiben, andere viele Wochen und etliche durften nicht nach Hause, sondern mussten auf die Intensivstation verlegt werden.

Erika Skowronek und das Team erleben dann die Angst mit, die diese Patienten haben. Die Angst vor der Beatmung, die Angst vor dem Sterben. Sie hören die Nöte der Kranken, die erzählen, dass sie unbedingt überleben müssen, weil sie das oder jenes noch vorhaben oder sich um einen Menschen, die Familie kümmern müssen. „Wir bangen dann mit den Betroffenen und freuen uns sehr, wenn sie von Intensiv wieder zu uns zurück kommen“, erzählt die Stationsleiterin. Und auch davon, dass das leider längst nicht immer der Fall ist. Besonders in der dritten Pandemiewelle nicht. „Da sind viele Patienten gestorben.“

Wir sehen, wohin es führen kann

Impfen? Für Schwester Erika ist das überhaupt keine Frage. Nach 20 Monaten Pandemie sowieso nicht. Fast alle Beschäftigten des Klinikums, auch die, die anfangs zurückhaltend gewesen sind, seien inzwischen geimpft. „Wir sehen ja täglich, wohin eine Ansteckung führen kann“, sagt sie und hofft, dass ganz viele Menschen sich impfen lassen und man die Pandemie endlich hinter sich lassen kann.

Wobei Schwester Erika mit dieser Corona-Bedrohung von außen auch die positive Erfahrung verbinden kann, wie gut der Zusammenhalt der Menschen im Klinikum ist - von den Ärzten über das Pflegepersonal, die Therapeuten, die Krankenhausseelsorge bis hin zur Reinigung - „es hat uns alle zusammengeschweißt“, versichert die Frau, die einem gegenübersitzt und auch nach 20 Monaten auf der Covid-Station noch glaubhaft versichert, dass sie den besten Beruf der Welt habe. „Was gibt es Schöneres, als anderen Menschen zu helfen, als Leben zu retten?“

Jeder ist ein Gewinn

Deshalb wünscht sie sich, dass viele junge Menschen sich für die Pflege interessieren und sich an der Pflegeschule des Klinikums bewerben. Gerade in diesen Tagen habe der neue Jahrgang auf der Station angefangen - „motivierte und neugierige junge Menschen. Jeder ein Gewinn“, findet Schwester Erika und hofft, dass Politik und Gesellschaft das auch erkennen und honorieren: mit einem vernünftigen Gehalt dafür, dass 24 Stunden rund um die Uhr und Arbeit an allen Feiertagen auf den Dienstplänen steht. Mit genügend Zeit, die die engagierten Pflegekräfte für die Patienten aufbringen dürfen. Mit dem notwendigen Respekt für diese zwar oft schwere, aber schöne Aufgabe. „Ich würde diesen Beruf immer wieder machen“, sagt Schwester Erika Skowronek am Ende dieser wirklich besonderen Begegnung.

Die wiederholt wird. Da sind wir uns über Zoom beide einig. Nach der Pandemie. Mit einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Denn auch das sagt Schwester Erika: Es sei gut und richtig gewesen, die Weihnachtsmärkte abzusagen. „Aber unserer Seele, der tut das schon weh.“

Ich habe trotzdem den besten Beruf der Welt.“

Erika Skowronek,, Stationsleiterin
Schwester Erika Skowronek leitet die Covid-Station im Stauferklinikum.

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